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Online-Publikation: April 2008 im Internet-Journal <<kultur-punkt>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Tomi Ungerer : Das Museum Tomi Ungerer in Strasbourg -
Werkkatalog zur ständigen Ausstellung. Mit 210 Illustrationen von
Tomi Ungerer, drei Essays von Thérèse Willer und zahlreichen
einleitenden Texten von Thérèse Willer und Claire Hirner . La
Collection Tomi Ungerer >>
Vierfarbendruck, 22 x 26 cm, 248 S., Broschur, ISBN 3-257-02094-5;
Euro 39.- / sFr 68.-
Diogenes Verlag AG, Zürich 2008;
www.diogenes.ch;
www.tourisme-alsace.com/de/museen-galerien/tomi-ungerer-museum.html
Inhalt
Die großzügigen Schenkungen Tomi Ungerers an seine Heimatstadt
Straßburg erhalten ihr eigenes Museum – das Museum Tomi Ungerer,
Centre international de l’Illustration, öffnete im November 2007
seine Tore: 8000 Zeichnungen, Poster und Plastiken sowie Fotos und
Presseartikel des Künstlers sind in einer ständigen, wechselnden
Ausstellung in der Villa Greiner in Straßburg zu bewundern. Drei
Essays der Kuratorin Thérèse Willer, die sich mit den Inhalten von
Tomi Ungerers graphischem Werk und dessen Einordnung in die
graphische Kunst des 20. Jahrhunderts befassen, werden gefolgt von
einem Bildteil mit 210 Illustrationen des Künstlers (darunter ca. 70
bislang unveröffentlichte Zeichnungen), die sich in sechs
Werkgruppen gliedern und von einleitenden Essays begleitet werden.
Der vorliegende Werkkatalog erscheint als Begleitpublikation in
Co-Edition mit den Museen von Straßburg.
Autor
Tomi Ungerer. Geboren am 28.11.1931 in Straßburg. »Meine Wurzeln
sind im Elsaß, meine Baumkrone ist in Irland.« Der Sohn einer
Uhrmacherfamilie lebt heute auf einer 50 Hektar großen Farm in einer
zeitlosen Landschaft in Südirland. Straßburg, das Zentrum jener
›Zwischenkultur‹ aus Deutschland und Frankreich, die seiner Meinung
nach allzusehr ins Französische kippt, ist Tomi Ungerers zweiter
Wohnort. Dort wurde Jean Thomas Ungerer 1931 geboren, aufgewachsen
ist er in Logelbach bei Colmar. Ungerer verpatzte die Reifeprüfung –
dem Abgangszeugnis mußte er entnehmen, daß er »ein verdorbener und
aufsässiger Charakter« sei – und trampte dafür durch ganz Europa bis
nach Lappland. Ein Jahr verbrachte er in Algerien bei den
französischen Kamelreitertruppen, das heißt, wegen einer
Rippenfellentzündung meistens in deren Lazaretten. Aus der Armee
entlassen, veröffentlichte er erste Zeichnungen im ›Simplizissimus‹,
trat in die Ecole Municipale des Arts Décoratifs in Straßburg ein,
wo er nach einigen Monaten höflichst gebeten wurde, doch wieder zu
gehen. 1956 landete Ungerer mit 60 $ in der Tasche in New York, den
Kopf voll Steinberg, Thurber und Addams und einem Koffer voller
Zeichnungen. Er wurde über Nacht zum Star, als Karikaturist,
Illustrator und Kinderbuchautor erschienen von ihm in zehn Jahren
mehr als 80 Bücher, als Werbegraphiker machte er Kampagnen z. B. für
Willy Brandt oder die ›New York Times‹. Mit seiner zweiten Frau
Yvonne verließ er 1971 New York Hals über Kopf. »Wir hatten das
Stadtleben plötzlich satt: Auf einem Highway dahinjagend, war
unserem Leben der Treibstoff ausgegangen; wir hatten uns
festgefahren, und so schlugen wir zu Fuß den erstbesten Seitenweg
ein und erwarteten nicht einmal das Unerwartete.« Aus Ungerer, dem
Star, wurde in Nova Scotia in Kanada ein Farmer, der Schafe,
Schweine und Ziegen züchtete, sein Werk wurde zum »Pendel zwischen
der heilen und der geilen Welt«, vom ›Großen Liederbuch‹ bis zu
›Babylon‹.
Fazit
Ohne Frage ist Tomi Ungerer ein Zeichner, Illustrator - par
excellence - und es ist von grossem ästhetischem Wert und Genuss
sein Werk in seinem eigens für ihn eingerichteten "Museum Tomi
Ungerer in Strasbourg" und dazu seinen Buchkatalog durchzuschaun:
Dabei fällt neben dem illustrationsgeschichtlichen Konex die
Vielseitigkeit auf, Zeichnungen für Kinder, das grosse Liederbuch,
Werbung und Plakate, Zeichnungen nach der Natur, satirische
Zeichnungen (für The Party 1966 = kongeniales Grauen, eine
menschheitsdämmernde Fratze) und schliesslich seine erotischen
Zeichnungen. Hier wird auch die Sichtweise eines Rabelais und nicht
die von Daumier deutlich, wobei die Frau als Objekt in Folterszenen
erscheint ; Ungerer nennt es die "Geometrie der Erotik" die die
Grenze zum Pathologischen überschreitet, da er geschlechtsspezisch
einseitig die Gewalt an der Frau geometrisch-sadistisch formuliert,
wo doch das Unmensch-Abgründige in der Unmensch-Geschicklichkeit
Mann wie Frau und Kinder trifft.
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