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Online-Publikation: April 2008 im Internet-Journal <<kultur-punkt>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Das Geheimnis des Fahrradhändlers . Farbige Cartoons . Aus dem
Französischen von Patrick Süskind. >>
Originaltitel: Raoul Taburin
112 S., Leinen, durchgehend farbig illustriert, ISBN 3-257-06473-X,
Euro 16.90 / sFr 29.90
Diogenes Verlag AG, Zürich;
www.diogenes.ch
Inhalt
»Ein Buch für Fahrradfahrer, egal ob Holländerrad, Rennrad,
Mountainbike oder Liegerad. Und ein Buch für die Freunde einer
Kleinstadt der sechziger Jahre in Frankreich, mit Fleischer,
Optiker, Fotogeschäft, Fahrradhändler und Marktplatz, Verabredungen
im Schwimmbad und der Tour de France. Die Zeiten, auf denen schlanke
alte Damen im Schneiderkostüm zum Einkaufen fuhren und
Fahrradhändler Schläuche flickten, sind schon lange vorbei, hier
kehren sie wieder, auf eine besonders liebenswerte Weise.
Ebenso die aufgeschürften Knie, die vom Ketteauflegen schmutzigen
Finger und das akrobatische Kunststück, als Kind auf einem großen
Herrenfahrrad zu fahren, was hieß, mit einem Bein unter der Stange
zum Pedal auf der anderen Seite zu kommen, zu treten und im
Gleichgewicht zu bleiben. Dieses Bild gibt es nicht im Buch, das auf
jeder Seite anregt, eigene heraufzubeschwören.«
Autor
Sempé. Geboren am 17.8.1932 in Bordeaux. In seiner Anfangszeit als
Künstler hatte er nie genügend Geld, aber für seine Kunst wirklich
leiden mußte er wahrscheinlich nur während seiner Militärzeit in
Paris. »Ich zeichnete nachts. Im Quartier. Wenn die Kameraden
fanden, daß meine kleine Lampe, die ich mir neben das Bett gestellt
hatte, sie störte, so warfen sie ihre Stiefel nach mir.« Die blauen
Flecken machten sich bezahlt. Bereits mit 19 erhielt er den Prix
Carrizey, einen Förderpreis für Nachwuchszeichner. Sempé hatte
endlich einen Beruf gefunden; zu Hause in Bordeaux hatte er weitaus
weniger Begabung gezeigt, auch in der Schule, wo er mit seinem vier
Jahre jüngeren Bruder in derselben Klasse saß, und später in den
verschiedensten Jobs, etwa »bei einem Weinhändler, der mich entließ,
nachdem ich die Pleite eines Kunden beschleunigt hatte«. Zeichner zu
sein war ganz schön, obschon er damit auf Traumberufe wie
Jazzmusiker, Dirigent oder Fußballspieler verzichten mußte. Die
Karikaturen in ›Paris Match‹, ›Punch‹, ›Marie Claire‹ und ab 1969 in
›L'Express‹ waren nur die ersten Schritte zum Höhepunkt beim New
Yorker, für den er ab 1978 beinahe exklusiv arbeitete und mehr als
50 Covers und zahlreiche Karikaturen zeichnete. In den Figuren von
Sempé, diesen urtypischen Vertretern der französischen Bourgeoisie,
kann jeder sich selber erkennen. Sie versuchen sich durchs Leben zu
philosophieren und wirken auf den Zeichnungen immer zu klein für
ihre Umgebung, für ihre Träume und Neurosen. Für den Chronisten der
Massengesellschaft ist Humor eine »Waffe gegen alles Unerträgliche
im Leben«. Unumgänglich ist es, zusammen mit Sempé Namen wie René
Goscinny, Patrick Modiano und Patrick Süskind zu erwähnen. Ohne sie
wären Figuren wie der kleine Nick, die kleine Tänzerin Catherine und
Herr Sommer undenkbar. Und nicht zu vergessen Nicolas und Catherine,
seine beiden Kinder.
Fazit
»Sempé ein nur vordergründig hauchzarter Cartoonist, ein
feinsatirischer "Dufy", "Tati" unserer Alltagswelt (Technokratie,
Konsum und Medien, Ferien..) und hält fast unmerklich die verborgene
Melancholie in der Komik präzise fest wie im farbigen Buch "Das
Geheimnis des Fahrradhändlers" von Diogenes.
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