Ingmar Bergmann: "Ich weiß, dass ich immer nur und immer wieder
ein und dieselbe Situation darstelle, Gott und den Teufel - und was
wir tun können, um unser Leid und das der anderen zu lindern".
* 14. Juli 1918 in Uppsala, 30. Juli.2007 + in Farö) ist ein
renommierter schwedischer Regisseur. Er gilt als einer der größten
Filmemacher überhaupt. Viele Schauspielerinnen und Schauspieler
verdanken ihm ihren internationalen Durchbruch. 1997 hat er bei den
50. Internationalen Filmfestspielen von Cannes für sein Lebenswerk
die Palme der Palmen als Bester Regisseur aller Zeiten erhalten.
Bergmann wurde als Sohn eines evangelisch-lutherischen Pfarrers
geboren und wuchs in einer Atmosphäre strengster Religiosität auf.
Mit 19 Jahren verließ er sein Elternhaus und begann ein Studium der
Literaturgeschichte, das er aber nicht beendete. Das Theater
interessierte ihn schon früh, er inszenierte beim Studententheater,
später bei einer experimentellen Amateurbühne und schließlich ging
er als 26-Jähriger an die Städtischen Bühnen seiner Heimatstadt.
Damals entstehen auch schon die ersten Drehbücher, er ist zunächst
Regieassistent und ein Jahr später selbst Regisseur. Die Themen der
ersten Filme sind Jugendliche im Konflikt mit der etablierten Welt
der Erwachsenen. Meist sind es deprimierende Studien, hart
realistisch mit nur wenig Hoffnung. Später wendet sich Bergman der
Hoffnungslosigkeit der Erwachsenen zu, mischt kunstvoll Studien des
Alltags mit Szenen von überhöhter Lebensphilosophie, wobei stets
eine pessimistische Grundstimmung, mit gelegentlichen
Hoffnungsschimmern, bleibt.
Im Jahr 1953 drehte er seinen ersten Film (Abend der Gaukler) mit
dem Kameramann Sven Nykvist, mit dem ab 1960 eine nahezu
ununterbrochene Zusammenarbeit begann. Sein endgültiger Durchbruch
gelang ihm mit seinem 1955 gedrehten Film „Das Lächeln einer
Sommernacht", der im Jahr darauf bei den Filmfestspielen in Cannes
ausgezeichnet wurde. Von 1963 bis 1966 war er Leiter des Königlichen
Dramatischen Theaters in Stockholm.
Den Zenit seiner internationalen Popularität erreichte Bergman
Anfang der 60er Jahre mit dem Film "Das Schweigen". Die düstere
Alptraumwelt des Films zog in Deutschland mehr als zehn Millionen
Zuschauer in die Kinos. Diesen Film umgab der Reiz des Verbotenen,
der Ruch des Skandals, wegen ein paar Szenen, die nach dem Urteil
des katholischen Filmdienstes das sittliche Empfinden vieler
Zuschauer verletzten. Dass es Bergman um die Absurdität menschlicher
Existenz angesichts des Schweigen Gottes ging, wurde wohl von den
meisten Zuschauern nicht wahrgenommen, aber diese naheliegende
theologische Deutung machte den Film für die Zensur in Deutschland
und Schweden unangreifbar. Das ganz große Publikum erreichte er noch
einmal mit den als TV-Serie konzipierten Szenen einer Ehe (1973),
die im Fernsehen und in einer gekürzten Kinofassung die öffentliche
Diskussion um die Beziehungsprobleme zwischen den Geschlechtern
belebten.
Zwischen 1976 und 1981 lebte und arbeitete Bergman in München,
nachdem er in Schweden zu Unrecht wegen Steuerhinterziehung
angeklagt worden war. Als Würdigung für seinen prägenden Einfluss
auf das moderne intellektuelle Kino zeichnet ihn die Stadt Frankfurt
1978 mit dem Goethe-Preis aus. Seine Werke sind geformt von der
Psyche seiner Charaktere, die oftmals auf der Suche nach dem Sinn
des Lebens sind und die Frage nach der Existenz Gottes aufwerfen.
Dabei unterstreichen die Schwarz-Weiß-Aufnahmen und insbesondere
deren geschickte Lichtgebung seiner frühen und mittleren Werke
diesen Eindruck umso mehr. Bergman hat über 60 Filme und
Dokumentationen gedreht. Auch als Theaterregisseur war er
international gefragt und hat über 120 Inszenierungen auf die Bühne
gebracht.
Ingmar Bergman ist eine der wenigen Filmlegenden, die Europa
hervorgebracht hat. Er hat ein Werk geschaffen, das höchsten
künstlerischen Ansprüchen genügt und dabei auch noch populär war.
Eindringlich wie kein anderer hat er mit filmischen Mitteln die
Frage nach dem Sinn des menschlichen Daseins und nach der Existenz
Gottes gestellt.
In seinem letzten großen Film Fanny und Alexander (1981) hat er das
Trauma seiner Kindheit im Zeichen eines rigiden Protestantismus
aufgearbeitet. In der Literatur, im Theater und vor allem im Film
fand Bergman sein Forum, um sich coram publico Gedanken über Gott
und die Welt zu machen. |
|