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Bazon-Brock 11-8
<< Bazon-Brock, Google +: "Zur Unterscheidung von illegaler und
legaler Kriminalität" - "der aktuell agierenden Anarcho-Kapitalisten
und deren Zuhälter - die asozialen Neoliberalen Manager: Walter
Prankl" >>
August 2011;
noreply-583e7a29@plus.google.com
Inhalt
„Fassungslos sind wohl die meisten Briten angesichts brennender
Häuserzeilen, Plünderungen am hellen Tag … Das Ausmaß an Gewalt,
Aggressivität und Konfrontationsbereitschaft seitens junger Leute …
ein Synonym für soziale Verwahrlosung!“
Dieser Kommentar der FAZ vom gestrigen Tage (10.08.2011) steht so
gut wie für alle anderen journalistischen Darstellungen der Vorgänge
in diversen britischen Städten.
Ist eine derartige Stellungnahme der „besten Federn“ schiere
Dummheit, Heuchelei oder verdeckte Komplizenschaft? Dummheit
scheidet sicher aus bei derart gut trainierten, gebildeten und
unterrichteten Profis. Also Heuchelei?
Dafür spricht überdeutlich, dass kein
Kommentator eine Erklärung der Phänomene mit Blick auf die Taten der
eigenen Kreise derer bietet, die sich jetzt „fassungslos“ zeigen
wollen.
Wurde von deutschen Journalisten und ihren Medien jemals
„Fassungslosigkeit“ bekundet angesichts der Videobotschaften von
Dick Fuld, dem hochgerühmten Boss von Lehman Brothers? Fuld
verbreitete mit Nachdruck Lehrvideos für alle seine Mitarbeiter und
für die Öffentlichkeit, in denen er mit extrem eindeutigen mimischen
Ausdruck offenlegte, was die Strategie eines erfolgreichen
Investmentbankers zu sein habe: nämlich „den Gegner ganz langsam,
aber konsequent zu martern, ihm das Herz aus dem noch lebenden
Körper zu reißen, um ihn dann mit höchster Befriedigung zu
zerquetschen!“ von Straßenmob zu bekunden behaupten, jemals derartig
auf das ganz offen demonstrierte inhumane Gebaren von Bigbossen der
globalen Eliten reagiert? Haben sie über die „Ausplünderungen bei
hellem Tage“ ganzer Volkswirtschaften sich ereifert, über einen
Billionenraub von Pensionsversorgungen und anderen Ersparnissen der
Steuerzahler?
Haben sie die Zerstörungen ganzer Siedlungen in den USA durch
Kredithaie jemals derart gegeißelt wie jetzt die Zerstörung
einzelner Häuserzeilen in Großbritannien? Und die Banken haben diese
kriminelle Praxis der Beleihung von Krediten auf marode Immobilien
wenigstens genauso intentional organisiert wie der Straßenmob das
jetzt mit elektronischen Mitteln der Kommunikation tut!
Haben die klagenden Schreiber, fassungslos vor der Realität in
unseren Großstädten, die jetzige Aggression der Jugendlichen jemals
in Beziehung gesetzt zu den ganz offen und bedenkenlos vollzogenen
Rechtsbrüchen der westlichen Politiker? Maastrichtverträge galten
den Herren Schröder, Fischer und erst recht nach diesem
Vorbild den Herren der romanischen Länder als beliebiger
Spielball eigener Machtinteressen – denn vor 10 Jahren konnte man
nicht wie heute den Staatsnotstand oder die Gefahr für die
Weltwirtschaft vorgeben, um den Gesetzesbruch, die Regelmißachtung
und Hehlerschaft zu rechtfertigen. Im Gegenteil –
Regierungen/Parlamente belohnten Diebe und Hehler als staatstreue
Agenten des Anstands und der Rechtstreue. Die Verträge zur
Währungsunion wurden als Fetzen Papier abgetan; die als Bedingung
für die Zustimmung zur Euroeinführung gegebenen Versprechen, niemals
bailouts, also Schuldenhaftung für fremder Staaten Schulden
zuzulassen, waren eben Versprechen, die man bekanntlich einhalten
könne oder nicht!
Die Kanzlerin sonnte sich im kalten Zynismus als Ausdruck der ultima
ratio wirtschaftlicher und politischer Vernunft, indem sie immer
wieder öffentlich bekundete, es gebe keine Alternative zum
Rechtsbruch! Das lassen sich die Jugendlichen jetzt gesagt sein, Not
kennt kein Gebot. „Vielen Dank für die Lizenz zum Plündern und
Brandschatzen an die Herren der Systemwelt“, schreiben sie als
Menetekel an die Ruinenwände und bekennen ebenso zynisch, niemand
habe die Absicht, eine Mauer der Schuldzuweisung zu bauen.
Achtung: nochmals mein Argument:
Die Erpressung der Steuerzahler durch die Bankenretter ist
ebensowenig akzeptabel wie die Erpressung der Kommunen oder der
ganzen Gesellschaft durch Aufständische, die drohen, daß alles
zusammenbrechen werde, wenn man ihre Forderungen nicht erfüllt.
Wer eben – wie die Zeitungen und andere öffentliche Meinungsmacher –
die Aufständischen einen kriminellen Mob nennt, bleibt nur
glaubwürdig, verspielt nur dann das Vertrauen der Adressaten nicht,
wenn er auch die kriminellen Machenschaften der feudalen Lobby
entsprechend kennzeichnet. Mehr noch, wenn die Journalisten endlich
wagen sollten, beide Formen der Asozialität und Kriminalität
aufeinander zu beziehen, da sie ja gleichermaßen, also auf gleiche
Weise nicht akzeptabel sind.
Zwar spricht die FAZ (pars pro toto) allein in der gestrigen und
heutigen Ausgabe „die Privilegien der Großverbrecher“ wie
Regierungschefs und sonstiger Oberhäupter an; sie verweist auf „die
pure Idiotie der amerikanischen Notenbanker...“, sie berichtet über
die Klage der „amerikanisch-internationalen Versicherungsgruppe“
gegen die Bank of America wegen Betrugs in Milliardenhöhe, sie
verweist auf „Krisenfieber“ und die „fast irrationale Angst“, die
das Geschehen an den Börsen kennzeiche und sie hofiert
Kaputtspar-Bigbosse ...".
Weitere Hinweise:
http://www.kultur-punkt.ch/ereignisse/ullstein11-2hessel-empoerteuch.htm
http://www.sueddeutsche.de/kultur/dokumentation-jean-ziegler-nicht-gehaltene-rede-zur-eroeffnung-der-salzburger-festspiele-1.1124001
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