"Michelangelo Antonioni: Meister des Neoverismo - Dämmerung,
Einsamkeit, innere Leere und Entfremdung warendie
Kernanliegen in seinem Filmwerk"
http://www.dw-world.de - und
andere Quellen;
Der italienische Filmemacher Michelangelo Antonioni ist am
Montagabend 94-jährig in seinem Wohnhaus gestorben. Dies meldet die
italienische Nachrichtenagentur ANSA unter Berufung auf Antonionis
Familie.
Mit Antonioni ist am gleichen Tag wie Ingmar Bergman ein weiterer
Filmschaffender von Weltrang gestorben. Bergmans Ableben war bereits
am Montag bekannt geworden.
Der Streifen mit David Hemmings und Vanessa Redgrave gilt bis heute
als einer der wichtigsten Filme der 60er Jahre.
"Regisseur für wenige", nannte sich der Architekt der Kinomoderne
einmal selbst, als "Analytiker der Seele" titulierten ihn
italienische Kritiker.
Antonioni wurde am 29. September 1912 in der mittelitalienischen
Stadt Ferrara geboren und ging nach Abschluss seines Studiums zum
Diplomvolkswirt an der Universität Bologna im Jahr 1939 nach Rom.
Hier wollte er fortan sein Leben den Filmen widmen. Seine Frühwerke
werden dem italienischen Neorealismus zugerechnet. Seit einem
Schlaganfall vor über 20 Jahren war Antonioni an einen Rollstuhl
gefesselt, blieb seiner Leidenschaft für das Kino aber bis ins hohe
Alter treu.
Kernanliegen:
Seine bevorzugte Tageszeit war die Dämmerung, seine Themen hießen
Einsamkeit, innere Leere und Entfremdung. Bei den Filmfestspielen
von Venedig wurde Michelangelo Antonioni vor einigen Jahren noch
einmal groß gefeiert, als Klassiker der Moderne und legendäre Figur
der Kinokunst.
"Regisseur für wenige"
Antonioni war einer der bekanntesten Filmemacher Italiens. Zu den
Hauptwerken in den sechs Jahrzehnten seiner Karriere zählten der
Oscar-nominierte Film "Blow-up" und der Streifen "Die mit der Liebe
spielen". Antonioni gelangte in den 1960er und frühen 70er-Jahren
mit einer Reihe avantgardistischer Produktionen zu Ruhm. "Regisseur
für wenige", nannte er sich einmal selbst, als "Analytiker der
Seele" feierten ihn Kritiker. Dem breiten Publikum wurde der
Italiener aus Ferrara vor allem durch den Thriller "Blow up"
bekannt.
Kurzbiografie
Geboren 1912 als Sohn eines Gutsbesitzers in Ferrara, hatte die
Landschaft der Po-Ebene prägende Kraft: Der häufige Nebel, das
milchige Licht, das die Konturen aufweicht und vieles zerfließen
lässt, faszinierten Antonioni. Seine Arbeiten durchziehen eine
seltsame Mischung aus Geheimnis, Erotik und Gesellschaftskritik,
Antonioni selbst nannte sich einmal einen "marxistischen
Intellektuellen".
Seit seinem Schlaganfall Mitte der 80er-Jahre konnte Antonioni nicht
mehr sprechen. Er war an einen Rollstuhl gefesselt und konnte nur
noch mühsam mit der linken Hand kommunizieren. Trotzdem führte er
1995 nochmals Regie, "Jenseits der Wolken" hieß der Episodenfilm,
Wim Wenders half dem alten Mann dabei. "Ein Film über die Sehnsucht
nach Liebe, über das, was alle wollen und nicht finden", ließ der
Maestro mitteilen. 1995 wurde er in Hollywood mit einem Ehren-Oscar
für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Sein letzter Streifen hieß "Eros", das war 2004, und wieder ging es
um eine zerrüttete Beziehung, ein Paar im mittleren Alter, der Mann
geht mit einer Jüngeren fremd. "Ich habe immer dieselben Filme
gemacht", bekannte der publikumsscheue Antonioni später einmal.
"Krankheit der Gefühle", nannte er sein Thema. (sams) |
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