Martin W. Schnell : Ethik im Zeichen vulnerabler Personen . Leiblichkeit - Endlichkeit - Nichtexklusivität

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Ethik - vulnerabel (M.W. Schnell)
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Online-Publikation: Juli 2019 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Martin W. Schnell : Ethik im Zeichen vulnerabler Personen . Leiblichkeit - Endlichkeit - Nichtexklusivität >>
193 Seiten; 294 g; 17 mm; broschiert; ISBN-13: 9783958321212; EUR 29,90
Dieser Titel ist auch im Verlag Humanities Online als E-Book erhältlich:
Velbrück Wissenschaft, D-53919 Weilerswist-Metternich; http://www.velbrueck-wissenschaft.de

Charakteristika
> vulnerabel, verletzbar, verletzlich
Vulnerabilität (von lateinisch vulnus „Wunde“ bzw. vulnerare „verwunden“) bedeutet „Verwundbarkeit“ oder „Verletzbarkeit“, findet in verschiedenen wissenschaftlichen Fachrichtungen Verwendung.
https://de.wikipedia.org/wiki/Vulnerabilit%C3%A4t
> In der Psychologie
wird Vulnerabilität als das Gegenteil von Resilienz betrachtet. Vulnerable Personen werden besonders leicht emotional verwundet und entwickeln eher psychische Störungen:[6][7]
Tendenz: aktiv, impulsiv, aggressiv und leicht zu ärgern
Tendenz: von Routine gelangweilt und äußere Reize suchend;
mangelnde Angst vor Konsequenzen der eigenen Handlungen;
wenig Einfühlungsvermögen in die Gefühle anderer Menschen;
unterdurchschnittlicher IQ.
Jeder Mensch durchläuft in seinem Leben mehrere vulnerable Phasen, wie zum Beispiel die Pubertät, in denen eine erhöhte Gefahr besteht, eine psychische Störung zu entwickeln. Siehe auch: Diathese-Stress-Modell.
https://de.wikipedia.org/wiki/Vulnerabilit%C3%A4
> Soziologie
In der Katastrophensoziologie wird ebenfalls an der Frage gearbeitet, wie der Schutz für potenziell Betroffene verbessert werden kann. Hierzu werden Indikatoren entwickelt, die Gefahren zu Schutzmöglichkeiten (einschließlich Selbstschutzmöglichkeiten) in Bezug zu setzen und für Gruppierungen von Menschen und für soziologisch abgegrenzte Räume zu erarbeiten.
> Sozialphilosophie
(selten Gesellschaftsphilosophie) beschäftigt sich mit Fragen zum Sinn und Wesen einer Gesellschaft. Insbesondere beleuchtet sie das Verhältnis zwischen dem einzelnen Menschen und der Gemeinschaft sowie die Strukturen des Zusammenlebens. Teilweise wird sie als eine Variante der Philosophie betrachtet, wenn diese sich mit der Soziologie berührt. Neben der geisteswissenschaftlichen Perspektive wird der Begriff auch auf publizistische oder essayistische Arbeiten bezogen
Sozialphilosophie als eine eigenständige philosophische Disziplin hat im angelsächsischen Sprachraum eine längere Tradition, wird dort allerdings meistens unter dem Namen „Political Philosophy“ betrieben
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Inhalt
Die vorliegende Sozialphilosophie verfolgt das Projekt, die Elemente des Ethischen
 in gesellschaftlichen Ordnungen und Systemen als nichtexklusive Schutzbereiche
 zu denken, die niemanden von Achtung und Würde ausschließen. Sie reagiert damit auf »die Hilflosigkeit der Philosophen« hinsichtlich der Erklärung, wem gegenüber wir moralische Verpflichtungen haben. Sofern es Menschen sind, ergeben sich für die meisten Philosophien Probleme, weil sie Kriterien für den Begriff des Menschen verwenden, die immer irgendjemanden zu Unrecht unbeachtet lassen: Frauen, Behinderte, Tiere, Fremde und so weiter! Die Hilflosigkeit kann durch Nichtexklusivität zumindest gemildert werden, weil der Anspruch der Nichtexklusivität eine unverrückbare Perspektive in die Analyse gesellschaftlicher Ordnungen und Systeme bringt. Ein Testfall für ethische Nichtexklusivität ist der Umgang mit Vulnerabilität. Grundsätzlich ist jede Person aufgrund ihrer Leiblichkeit und Endlichkeit vulnerabel,
 in spezieller Hinsicht kann sie es durch Krankheit, Pflegebedürftigkeit und Behinderung werden. Im Gegensatz zu traditionellen Sozialphilosophien stehen damit
 nicht mehr allein die kognitiven und zweckrationalen Eigenschaften von Personen im Mittelpunkt des Ethischen, sondern deren leibliche Verankerung in Lebenswelt, Gesellschaft und Geschichte.
 Zur Gruppe der Personen zählen alle Menschen und viele Tiere. Diese Perspektive
 kann außerdem verdeutlichen, dass sich der Diskurs, der die »große Erzählung« einst als unglaubwürdig betrachtete und gegen ein großes Patchwork aus lauter minoritären Singularitäten eintauschte, definitiv am Ende seiner Epoche befindet.
 Die Ausführungen zu einer »Ethik im Zeichen vulnerabler Personen« sind in einer Schnittstelle situiert, die zwischen der philosophischen Ethik und der Ethik der
 Wissenschaften der Heilberufe besteht.

Autor
Martin W. Schnell (Univ.-Prof. Dr., M.A.) ist Direktor des Instituts für Ethik und Kommunikation im Gesundheitswesen der Fakultät für Medizin an der Universität Witten/Herdecke. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Philosophische Ethik und Ethik der Gesundheitsberufe.

Fazit
Der Ethiker, Kommunikator und Lehrende Martin W. Schnell untersucht in ausserordentlicher Breite und Tiefe den Topos "Ethik im Zeichen vulnerabler Personen", also in ihrer verletzbaren Leiblichkeit, Endlichkeit und Nichtexklusivität.
Sein tiefer und zugleich panoramatischer Blick (1) umfasst kaleidoskopisch 18 Facetten.
Beginnend mit der Ethik Gesundheitsbedrohter in ihrer Nichtexklusivität, nähert sich sein analytischer Geist dem Kranken, Abschiedlichen und Sterbenden.
Er kommt dann auf fünf Basisethiken von Aristoteles, Kant, Mill, Levinas, Jonas und dazu noch Nietzsche zu sprechen..
Nach seinem Neuansatz in Philosophie, Medizin und Ethik  wendet er sich der Phänomenologie der Zwischen-/Leiblichkeit zu,  mit Husserl, Merleau-Ponty und Plessner.
Dabei geht es ihm im ersten Schritt und Blick um Kritik zur Potenz, Sterblichkeit, Autonomie, Fürsorge, Familie, wie auch zur Ästhetik des Selbst, Menschenwürde, und Gerechtigkeit.
Seine zweite Blick- und Kritikrichtung umkreist Person, Menschenwürde und Gerechtigkeit.
Danach schweift sein panoramatisches Interesse nichtexklusiven Andersheit und den Durchführungen im Gesundheitswesen.
Auf diese Weise macht Schnell zuletzt auf die ethisch relevante Exklusion (Perdu/Verloren!Seul/Allein! Regardé/Angeschaut!Exlu!Ausgeschlossen! . Mengele (3) lässt grüssen) von Mensch und Tier aufmerkam . Dazu zitiert Schnell als Quintessenz Musils 'Todeskampf von Fliegen, die auf einem Fliegenpapier festkleben und von dort nicht wieder frei kommen..' (und wie in S. Becketts 'Warten auf Godot'(2). Eine einzigartige panoramatische Untersuchung zum Topos Ethik
m+w.p19-8

1)  panoramatisch 
Alle parallelen Ebenen schneiden sich in einer gemeinsamen Fluchtgeraden...
Das wird beim panoramatischen Blick transzendierend, übergangen.
Panoramabild, breitformatige/s Gemälde, Fotografie, Kunst, populäres Bildmedium im 19. Jahrhundert. einserseits.
Aktuell gebräuchlich als 'panoramatischer Blick',
im Gegensatz zu einer 'perspektivischen Abbildung (Zentralprojektion) schneiden sich die Bilder aller Geraden, die im Original zueinander parallel verlaufen, aber nicht zur Bildebene parallel sind, in einem gemeinsamen Fluchtpunkt. ..
(W..Prankl, 2016)
http://www.kultur-punkt.ch/architektur-design/design-topoi-4-0/design-ueberblicke/design-maschinen-des-lebens/maschinen-virtuell-digital-culture.html
2) https://de.wikipedia.org/wiki/Warten_auf_Godot
3 https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Mengele


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