<<Leben aus Chaos und Ordnung>>
W+B Agentur-Presseaussendung Mai 2000
<<Helmut Metzner : Vom Chaos zum Bios>>
Gedanken zum Fänomen Leben
S. Hirzel Verlag, Stuttgart, Leipzig, 2000, 391 S.,
75 Abb., 23 Tabellen, gebunden; DEM 68.-; ATS 496-; SFR 68.-
www.hirzel.de
Der Autor, emeritierter Professor für Chemische Pflanzenfysiologie
an der Uni Tübungen und Präsident der Europäischen Akademie für
Umweltfragen, entwickelt Fragestellungen und gibt, soweit es die
vielseitig zitierten und langzeitlichen Wissensquellen zulassen,
Antworten zum Thema Leben.
Was Chaos ist, erfahren wir am Eindringlichsten bereits im Vorwort,
indem er diesen Begriff von den Theologen und Filosofen der Antike,
allen voran Platon, als schöpferischen Impuls herleitet und bis zum
aktuellen Wissensstand als eine fehlende Information mit einem hohen
Kontrast von Zustandsgrössen gekennzeichnet sieht. Im Verlauf der
Entwicklung der Chaostheorie kommt er, am Beispiel des
Mischungsverhältnisses zwischen Protonen und Neutronen, zum Schluss,
dass es dabei keine feste Grösse gibt. Auch die für die Stabilität
der Elementarteilchen sorgenden Magischen Zahlen (u.a. 2. 10, 18,
36, 54 86 oder 118) sind nicht plausibel erklärbar.
Auch den Bios-Begriff leitet Metzner aus dem antiken Kosmos her,
gleichbedeutend mit Ordnung: ".. die in einem winzigen Teil dieses
unvorstellbare grossen Kosmos aus einem Chaos das Bios hatte
entstehen lassen, eine strukturierte Materie, die durch einen hohen
Ordnungsgrad gekennzeichnet ist."
Er gliedert seine Ausführung in fünf Systeme: atomar; molekular;
supramolekular (intermolekulare Kräfte, die unter anderen bei
Grenzflächen, Membranen auftreten); kosmisch; lebend; womit Metzner
die Welt der Organismen, nach dem Was und Wie frägt und geistreiche,
wie ausgewogene Antworten gibt.
Am spannendsten wirkt der Autor, wenn er auf die Besonderheiten
lebender Systeme zu sprechen kommt, so charakterisiert er die
Organismen mit drei Merkmalen: 1. Sie besitzen Stoffwechsel (von
unbelebt zu belebt); 2. Lebewesen sind reizbar ( haben eine
zeitlich- und umfeld-bedingte Reaktion auf Veränderungen); 3.
Organismen bringen Nachkommen (auch mittels Metamorfose) hervor.
Faszinierend ist, unter vielen anderen, das Abbildungsbeispiel der
Regeneration eines in Teilstücke zerschnittenen Strudelwurms. Dessen
Restitution zu einem funktionstüchtigen Organis-mus auch bei
wesentlich komplizierteren Tieren wie dem Süsswasserpolypen, sogar
bei Säugetieren auftreten können, z.B. getrennte Nierenteile oder
Leberlappen wachsen wieder funktionstüchtig zusammen.
Am Ende seiner lebendigen und tiefschürfenden Ausführungen und
bildhaft dargebotenen Vergleiche, sieht er neben der Sorge, dass der
Mensch "sich heute eigentlich nur noch durch seinesgleichen bedroht"
und hinzu kommt , dass der Mensch gelernt hat, das Erbgut eines
Organismus zu verändern. Diese Manipulationsmöglichkeit hat künftig
im ethischen Diskurs Vorrang. |
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