65<<Auf den Busch klopfen und Atem holen: mit Galgenhumor>>
W+B Agentur-Presseaussendung August 2000
<<Wilhelm Busch: Da grunzte das Schwein, die Englein sangen
>>
Ausgewählt und mit einem Essay von Robert Gernhardt
Eichborn Verlag, Die andere Bibliothek, Frankfurt,
2000, 350 S., DM49,80; ÖS 364,-; SFr 46,-
Oder fürs Ohr: 2CDs, 120 Minuten, gleicher Preis.
www.eichborn.de
Ein Östereicher zahlt für dieses Schau- Lese- oder Hörvergnügen pro
Tag im Jahr, nur einen Schilling.
Was hat er und die anderen deutschsprachigen Lesenden und Hörenden
davon? Wir alle können unseren Alltagsstress und die leidigen
Fachsprachen ablegen und uns in eine stille Ecke zurückziehen oder
gemeinsam lauthals lachen über den Niedergang einer Ehe, Religion
den Lebenssinn, unsere Ver-Bildung, den Suff und der sogenannten
Kunst, wie es bei Maler Klecksel heisst: "Leicht kommt man an das
Bildermalen / Doch schwer an Leute, die’s bezahlen / Statt ihrer
ist, als ein Ersatz / Der Kritikus sofort am Platz."
Da haben wir bereits unser Fett ab, wie es Busch zeitlebens
(1832-1908) geradezu in seinem Gesamtwerk, auf 2300 Seiten von
Friedrich Bohne zusammengestellt, zelebriert. Scheinbar
unbarmherzig, grausam wie im Märchen und unserer Wirklichkeit, mit
Tiefsinn und Eleganz einfachster Sprach- und Zeichenkraft hält er
uns die Moralpauke, dass es nur so dröhnt.
Sein Welterfolg ging über Groschenromane, dank seiner äußerlich
einfach und treffsicher formulierten Reime.
Geradezu unnachgiebig und unerbittlich gehen seine negativen Held/inn/en
gerechterweise ihrem qualvollen und und meist tödlichen Un-/Geschick
entgegen.
Dabei erleben wir Busch gleichsam als Schauredner früherer
Jahrhunderte, der seine auf öffentlichen Plätzen aufgestellten
Bildtafeln daumenkinoartig bewegt und durch reimende Worte
untermalt.
So kommt auch Gernhardt nicht von ungefähr, bei seiner optimiert
gekürzten Ausgabe, die auf die Kernaussage zusteuert, auf den
Regisseur Busch und die Marx Brothers zu sprechen.
Diese Ausgabe erlaubt es jedem gestressten Menschen und
Sprachliebhaber seinem Zwang zu entfliehen. Das ist schon viel und
heilsam zugleich. |
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