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Online-Publikation: August 2008 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Simon, Claude: Der blinde Orion . Eine bibliophile
Erstausgabe: Literaturnobelpreisträger Claude Simon über die
Geschwisterschaft von Literatur und Kunst >>
Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. 22 Bilder. 170 Seiten.
Format 16,5x21,5 cm. Fadenheftung. Leinen mit Blindprägung und
eingeklebtem Bild. 24,90 €. GP. Nr. 200347.
http://www.zweitausendeins.de; 2008;
Angela.Tieger@geonet.de
Inhalt
"Das eigentümliche Abenteuer des Erzählers, der nicht aufhört, durch
das Schreiben tastend die Welt zu entdecken:" Claude Simon: Der
blinde Orion.
Als einer der wichtigsten Autoren des Nouveau Roman hat Claude Simon
wie kaum ein anderer die moderne französische Literatur geprägt,
indem er, die Gewissheiten und Anmaßungen der Literatur in Frage
stellend, neue Ausdrucksformen des Erzählens suchte und fand. 1985
wurde er dafür mit dem Literaturnobelpreis geehrt. "Gemessen an
seiner Prosa kann wenig anderes bestehen", fasst
Schriftstellerkollege Reto Hänny bewundernd zusammen.
Beispielhaft für Simons virtuoses experimentelles Spiel mit der
erzählenden Sprache ist "Der blinde Orion", entstanden 1970 auf
Anregung des legendären Kunstverlegers Albert Skira in der berühmt
gewordenen Reihe "Die Pfade der Schöpfung", in der neben Simon so
illustre Namen wie Aragon, Ionesco und Dubuffet vertreten sind. Das
schmale Büchlein ist ein wahres Feuerwerk sprachlicher
Assoziationen; Szenen, die immer wieder in Bildern erstarren, um
gleich darauf wieder zu prallem Leben zu erwachen, ranken sich um
wirkliche Bilder - Skizzen, Fotografien, Collagen, anatomische
Illustrationen aus medizinischen Lehrbüchern. Im Zentrum steht das
Monumentalgemälde "Der blinde Orion sucht die Sonne" von Nicolas
Poussin, eines von Simons Lieblingsbildern.
Fazit
Im biblophil und mit Faksimilen gestalteten Buch "Der blinde Orion"
kommt Simon's Prosa erst richtig zum Ausdruck: Schimmernde
Bildpunkte und poetische Textstreifen mit eindruckvollen Abbildungen
(von Rauschenberg bis Dubuffet, von Picasso bis zu
Tierkreiszeichen..) wechseln sich in einem stetigen Rhythmus ab,
ausdruckstark übersetzt von Eva Moldenhauer, mit Lesefaden zum
Verweil und Wiederlesen einladend.
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