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Agentur-Presseaussendung Dezember 2005
Buchbesprechung
<<Dieter Berdel oder da Bredl: en 4 fiadln; gedichta, liada,
schbrüch, anagrammaln & palindromaln: In vier Vierteln>>
112 S.; broschiert mit Schutzumschlag; Wien 2005
eidizjon doppla hoppla EDITION DOPPELPUNKT, Wien 2005
http://www.doppelpunkt.at /
renate.niedermaier@doppelpunkt.at
Dieter Berdel,
dieter.berdel@chello.at ein begnadeter Dialektdichter, jüngerer
Zeit- und Dialektgefährte
mit Artmann und Jandl. Ist burgenländischer Herkunft,
und mit einem Blick
ausgestattet, der Fernweh erzeugt,
in die terziäre Bucht Pannoniens
bis Fernost gerichtet ist.
So ist da Bredl auch Geomantiker, was sich besonders im 2.fiadl dieses
Buches offenbart.
Sicher kennen die meisten Leser von uns den Film dazu:
Ich denke oft an Piroschka..
Auf Umwegen – auch im sumpfreichen Zickseengebiet wie der Rezensent des
nachts – kann sich der Wanderer ver-irren, gelangt da Bredl zur
Dialektdichtung. Er studierte Desing pardon Design in Wien
wobei zwischen sign und sing ja bereits eine innige
Verwandtschaft besteht. Gründet 1975 mit Pruner u.a. das Institut für
Soziales Design, war als Gestalter und Forschender
zugleich unterwegs.
Im Verborgenen – bis 1995 entstehen im Gegenzug zur Alltagswelt –
dialektische Niederschriften und –trachten in der Art Abwehr- und
Hinter-Hofsprache zum Dudendeutsch und zur Offizial-Hofsprache:
so erscheinen ab dieser Zeit Visuelle Poesie und Nonsentexte in
Zeitschriften, Anthologien und in Büchern:
mia wean mia; ann und pfirsich; fost kane rosn; 60 ausxuachte und
numariate Weanarix/Limericks; Untherdruck; Ach Wurttzeln schlug mein Hertz,
erschienen in den zu gleichfalls zu lobenden Atelier Braunsteiner und
Doppelpunkt für diese Hinterhof-Nischen-Produktion.
Im Buch-Vorwort bekennt sich Berdel zur Spezialität der Wiener Weinbau- und
Heurigenkultur: Dabei werden unterschiedliche Rebsorten mit gleicher
Reifezeit gleichzeitig gelesen, gekeltert und ausgebaut. So entsteht der
originäre Gemischte Satz im Gegensatz zum so genannten Verschnitt.
Da Bredl gestaltet den Inhalt in 4 autobiographische Zeiträume:
1.fiadl: Es entsteht Dialektlyrik zwischen 1958 und 1965
2.fiadl: Es werden Nachdichtungen der Werke alter chinesischer Meister im
Wiener Idiom (Li-tai-pe…8. Jhdt..)
in der deutschprachigen Fassung von Klabund, bis 1974
variiert. Ein geomantisches und prägendes Beispiel dazu:
da oide süwareia
en heabst do fliagt men eastn schnee
a oida süwareia iwan see
e schde am ufa ummadum
und schau ens laund
gaunz schdad und schdum
3.fiadl: Ab 1975 schreibt er aus der Laimgrube ( 6. Bezirk Mariahilf), ein
Ort mit Genius Loci wie Nasch- und Flohmarkt, Einkaufstempeln und
Touristischem Schmus, was Ironie, Sarkasmus und den besonders ausgeprägten
Wienerischen Fatalismus, den Kraus-en Humor zur verdichteten Reifung
verhilft.
4.fiadl: Parallel zum Design-Alltag dringt sein Forscherdrang und seine
buchstabierende Wortgewalt in die Welt der Anagramme(buchstabenversetzte
Worte, Sätze) und Palindrome ein(lawal/Laibchen..):
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En wiazhaus
aubissans gschia
augschissans bia |
Ein Wirtshaus
Angebissenes Geschirr
Angeschissenes Bier |
Der
Vergleich mit der Hinterhofsprache mit der standardisierten
Hochsprache zeigt die Ausdruckstiefe des urbanen Dialektes.
Fazit: Da Bredl /Berdel bohrt dunkle Sprachlöcher in das eingebrannte
Medienbrett und lässt so den Blick frei in das durch seine lokale
Sprachkraft sich so erhellende Dunkel des Hinterhofs der zunehmende
globalisierten deutschen Sprache. |