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W+B Agentur-Presseaussendung Juli 2004
<<Wir leben nicht… existieren als Heuchler…und wer denkt demoliert…>>
Hörbuchbesprechung
<<Thomas Bernhard: Ereignisse>>
Vorwort: Andreas Maier. Lesungen
Produktion: swr’68/hr’70/rias’68/br’86/orf’85; Sprecher: Thomas Bernhard
2 CD / Laufzeit ca 150 Min.; EUR 19,90, SFR 33,90
der hörverlag, München; 2003/
www.derhoerverlag.de
Erstmals spricht Thomas Bernhard zu uns im unverkennbaren, leicht
schleppenden, vor sich hin sinnierendem Originalton, vordergründig gut
verständlich. Aber STOP: da taucht mitten im Satz ein Quergedanke auf, der
uns abhält weiter seiner Stimme zu folgen und schon sind wir ins Abseits
getrieben worden, vom Skandalautor und zugleich Schamanischen, ähnlich
Beuys, nur böser und hinterhältiger – gleich seinen Figuren, in die er
während dieses Singsangs unmittelbar zu schlüpfen vermag.
Inhaltlich hören wir auf der CD1: Der Zimmerer; Frost; Ist es eine
Komödie? Ist es eine Tragödie; CD2: Ereignisse (15 Kurzerzählungen); Der
Hutmacher; Die Rede zur Verleihung des Büchner-Preises 1970.
In dieser Rede entsteht eine geradezu unheimliche, den Kern von Bernhards
Diktion und Philosophie treffende Aussage, wenn er u.v.a sagt: „Wir
leben nicht… existieren als Heuchler….durch Wissenschaft verloren… Wörter
und Missbraucher sind unverschämt…wer denkt demoliert, löst auf…“
Schliesslich stellt Thomas Bernhard fest, dass wir wohl über Leichen
von Philosophien gehen können und fragt uns wie er selbst und wir mit der
Arbeit fertig werden können? Wahrscheinlich – eher nicht!
Ein Beckett der Erzählung und Rede (manchmal klingt
seine Stimme etwa wie die von Canetti) dringt da unverkennbar in unser –
wenn waches – Ohr: sperrt sich gegen die Zuhörer und Festlegungen aller
Art – bösartig/hinterhofwienerisch und apokalyptisch zugleich. |