|
Online-Publikation: August 2008 im Internet-Journal <<kultur-punkt>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Werner Fritsch: Enigma Emmy Göring . Hörspiel, gesprochen
von Irm Hermann-Roberg >>
Sprecherin: Irm Hermann-Roberg
Regie: Werner Fritsch
Produktion:Südwestrundfunk Werner Fritsch
Format: Hörspiel ; Genre: Literatur
1 CDs, 54 Min., 978-3-86717-307-0; 14,95 €, 26,70 SFR
Der Hörverlag - München, 2008;
http://www.hoerverlag.de
Inhalt
Emmy Göring ist eine richtig süße. Die Süße pur! Ihr Vater war
schließlich Schokoladenfabrikant. Ein schokoladiger Kindheitstraum,
über allem lag und liegt ein flüssigbrauner Guss. Auch der Führer:
schokoladenbraun. Und der Hermann auch. Jetzt monologisiert sie als
ehemalige Schauspielerin und übriggebliebene Gattin. Sie plaudert in
naiv-spießigem Ton aus dem Nähkästchen der schockierend-verbrämten
Pseudo-Tugendhaftigkeit der Nazi-Elite.
Autor und Regisseur
Werner Fritsch wurde 1960 in Waldsassen/Oberpfalz geboren. 1987
erschien sein vielbeachteter Roman „Cherubim“. Es folgten zahlreiche
Veröffentlichungen von Prosa, Dramatik, Hörspielen und Filmen, die
Frisch zum Teil selbst auf der Bühne, für den Rundfunk oder fürs
Kino realisiert hat. Seine Arbeiten wurden u.a. mit dem
Robert-Walser-Preis, dem Hörspielpreis der Kriegsblinden und dem
Else-Lasker-Schüler-Preis ausgezeichnet. Für sein aktuelles Hörspiel
„Enigma Emmy Göring“ erhielt er die Auszeichnung „Hörspiel des
Jahres 2006“. Werner Fritsch lebt in Hendelmühle und Berlin
Sprecher
Irm Hermann-Roberg
wurde 1942 in München geboren. Nach dem Besuch der Volksschule eine
Lehre als Verlagskauffrau. Sie lernte 1966 zufällig bei einem
Dramenwettbewerb der Jungen Akademie München Rainer Werner
Fassbinder kennen. Fassbinder setzte sie noch im selben Jahr in
seinem Kurzfilm „Der Stadtstreicher“ ein. Mit ihm und u. a. Hanna
Schygulla gründete sie das spätere antiteater, in dem sie bis 1969
zahlreiche Rollen übernahm. Danach wirkte sie bis 1975 in über 20
Fassbinderproduktionen mit, unter anderem in „Katzelmacher“ und
„Angst essen Seele auf“. Sie wurde, meist in Nebenrollen,
Fassbinders Standardbesetzung für grandios mürrische Spießerinnen.
Diesen Typ verkörperte sie auch in ihrer einzigen Hauptrolle in
einem Fassbinder-Film als Irmgard Epp in „Händler der vier
Jahreszeiten“. 1975 zog sie nach Berlin. Dort arbeitete sie mit
Regisseuren wie Percy Adlon, Werner Herzog und Hans W. Geißendörfer
zusammen. Daneben spielte sie seit 1979/80 an der Freien Volksbühne.
Mit ihrem Ehemann, dem Kinderbuchautor Dietmar Roberg, hat sie zwei
Kinder.
Fazit
Wer den Nationalsozialismus an Leib, Seele, im Geist und A-Sozialem
neben Erwachsenen und Erziehern als Kind und Jugendlicher durchlebt
hat, spürt hier beim Hörspiel "Enigma Emmy Göring" von Werner
Fritsch wiedermal die ausgelieferte Ungeheuerlichkeit eines totalen
Staates - traumatisch - wenn dieses junge
Wesen unter der Bettdecke mit Detektor-Radio den Stimmen aus England
lauschte - und hier nun die boshaft-verpackte Nachspülung mit der
abgefeimt-naiven Sprache der national"sozialistischen"
Oberschicht-Tante Göring in der phantastischen Stimmgewalt von Irm
Hermann-Roberg - unwiederholbar gut.
|