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Online-Publikation: Oktober 2009 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Herta Müller, Nobelpreisträgerin 2009: Atemschaukel . Roman
>>
Fester Einband, 304 Seiten, ISBN 978-3-446-23391-1; 19.90 € (D) /
34.50 sFR (CH) / 20.50 € (A)
Hanser Verlag, München 2009;
www.hanser-literaturverlage.de
Inhalt
Rumänien 1945: Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Die deutsche
Bevölkerung lebt in Angst. "Es war 3 Uhr in der Nacht zum 15. Januar
1945, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren -15º
C." So beginnt ein junger Mann den Bericht über seine Deportation in
ein Lager nach Russland. Anhand seines Lebens erzählt Herta Müller
von dem Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen. In
Gesprächen mit dem Lyriker Oskar Pastior und anderen Überlebenden
hat sie den Stoff gesammelt, den sie nun zu einem großen neuen Roman
geformt hat. Ihr gelingt es, die Verfolgung Rumäniendeutscher unter
Stalin in einer zutiefst individuellen Geschichte sichtbar zu
machen.
Autorin
1953 in Nitzkydorf bei Temeschwar im deutschsprachigen Banat
geboren, war ihre Kindheit geprägt von den Folgen des Kriegs, von
Deportation der Mutter in ein stalinistisches Straflager, dem
Alkoholismus des Vaters und der Enteignung der Familie und harter
Arbeit.
O-Text der Autorin: "Ich hatte keine schöne Kindheit", sagt Herta
Müller. "Ich glaube, Kinder sind selten glücklich. Wir Erwachsene
meinen immer, Kinder sind so leicht glücklich; ich bezweifle das.
Ich hatte auch keine Märchenbücher und ich glaube, ich habe dadurch
auch immer alles eins zu eins genommen. Dann entsteht eine verrückte
Welt. Das war auch viel damit verbunden, dass ich als Kind immer
allein war und dass ich arbeiten musste."
Und: "Heimat ist das, was man nicht aushält und nicht los wird".
Weitere Buchtitel der Autorin
Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt .Eine Erzählung
Der Fuchs war damals schon der Jäger
Herztier . Roman
Die blassen Herren mit den Mokkatassen
Der König verneigt sich und tötet
Fazit
Der Roman "Atemschaukel" der
Ich-Erzählerin Herta Müller, Nobelpreisträgerin 2009, wirkt
ergreifend, zugleich bedrückend bis verzweifelnd ob der steten
grausamen Ausgrenzung und Erniedrigung im alltäglichen
Ausgeliefert-Sein durch die Mehrheit der Un/ter-Menschen des
Geheimdienstes. Widerständisch und in innerster Energieumwandlung
ist so ein einfaches und glasklares Literaturwerk einer
Sprach-Meisterin des Südostdeutschen entstanden ( "... im Präsenz
einfach - mit Misstrauen - bauen und keine Konjunktive..") , das
durch seelische Höllen-Reifung nach jahrzehntelanger
Trauerkunstarbeit nun ent-drängend und klärend dokumentiert
erscheint. w.p. 09-10
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