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Online-Publikation: März 2008 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Sydney Pollack: Sketches of Frank Gehry . DVD-Video>>
84 Min. FSK o.A. DSS. Arthaus. DVD 14,99 €. Nr. 852986.
http://www.zweitausendeins.de; Angela.Tieger@geonet.de
ÜBERBLICK
"So spannend und lehrreich kann Architektur sein!". Der neue Film
von Sidney Pollack erstmals auf DVD. Nur bei uns. Fünf Jahre lang
hat Sydney Pollack (7 Oscars allein für "Jenseits von Afrika")
seinen Freund Frank Gehry, einen der größten Architekten unserer
Zeit, mit einer handlichen DV-Kamera begleitet, um hinter das
Geheimnis seines kreativen Schaffensprozesses zu kommen. Er führte
Gespräche mit Weggefährten, Bauherren, Lehrmeistern und Widersachern
(u.a. Dennis Hopper, der Maler Julian Schnabel und
Ex-Walt-Disney-Chef Michael Eisner) und beobachtete seinen
Protagonisten in Arbeitssituationen ... "Dem Zuschauer kommt zugute,
dass Pollack nach eigenem Eingeständnis von Architektur nicht viel
versteht und sich deshalb dem Objekt seiner Beobachtung mit der
Neugier eines faszinierten Laien nähert" (Filmdienst): "Woran
Pollack vor allem interessiert ist, ist der künstlerische
Entstehungsprozess als solcher. Bei Gehry sind es flüchtig
hingeworfene Skizzen (sketches), die der Film wie prächtige Paläste
inszeniert", staunt die taz: „Die andere Methode des Anfangens
lautet Basteln." Wie sich zerknülltes Packpapier in dreidimensionale
Modelle verwandelt und wie unter der Mitarbeit von
CAD-Konstrukteuren, Statikern und Werkstoffentwicklern schließlich
Bauwerke aus Titanium und Glas, Beton und Stahl, Holz und Stein
entstehen, zeigt die "ebenso lehrreiche wie unterhaltsame Doku" (TV
Spielfilm). "Eine ungemein bereichernde Gelegenheit, anderthalb
Stunden in der Gesellschaft eines außergewöhnlichen Künstlers zu
verbringen" (Variety). "Sketches of Frank Gehry". DVD-Premiere. USA
2005. Dokumentation von Sydney Pollack.
INHALT
des Films: "Sketches of Frank Gehry"
Der Produzent und Regisseur Sydney Pollack beschäftigt sich in
seinem ersten Dokumentarfilm, einer erkennbaren Freundschaftsarbeit,
mit dem kanadisch-amerikanischen Architekten Frank Gehry. Durch die
Bescheidenheit und Neugier, mit der er sich der Person und Arbeit
des gefeierten Architekten nähert, bietet er die Gelegenheit zur
schrittweisen ?Dechiffrierung? des Genies und seiner Werke. Obwohl
mehr Bewunderung ausdrückend als auch den Argumenten der
Gehry-Kritiker nachgehend, entstand ein farbiges, spannendes
Dokument über einen der wichtigsten Baumeister der Gegenwart und
zugleich ein Film, der für jeden an Architektur Interessierten
Bemerkenswertes zu bieten hat.
Filmkritik: "Sketches of Frank Gehry"
Sydney Pollack ist sein Leben lang ein besserer Produzent als
Regisseur gewesen. Das kommt seinem ersten Versuch auf dem Gebiet
des Dokumentarfilms zugute. Nach der Wahl seines Objekts blieb da
nicht viel zu inszenieren. Die kleine Videokamera auf dem Schoß, hat
sich Pollack mehrere Jahre lang an einem Mann abgearbeitet, der
einer der größten Architekten unserer Zeit, aber auch ein
phänomenaler Selbstdarsteller ist. Es ist bezeichnend, dass sich
Pollack nicht veranlasst fühlte, einen Film über Rem Koolhaas oder
Daniel Libeskind zu machen, nicht einmal über den fantasievollen
Brückenbauer Santiago Calatrava, die alle in Amerika gleichermaßen
geschätzt werden, sondern über Frank Gehry, den Erbauer des
Guggenheim Museums in Bilbao und der Walt Disney Concert Hall in Los
Angeles. Von den Genannten ist Gehry fraglos die farbigste, filmisch
ergiebigste Figur: ein auf die 80 zugehender Mann von imponierender
Statur, konversationswillig, witzig und sichtlich vom Erfolg
geprägt. Er sagt von sich, er sei keinem Risiko abgeneigt; aber mit
Pollack, dem langjährigen Freund, ist er erst gar keines
eingegangen. Von den ersten Bildern des Films an ist klar, dass
Pollack ein hemmungsloser Bewunderer ist, auch wenn er gelegentlich
- um der Ausgewogenheit willen - ein paar kritische Töne einfließen
lässt. Der Film nähert sich Gehry und dessen Werk von der
Arbeitsweise und Method ik des Architekten her. Dabei fließen kaum
merklich Details der industriellen Fertigung von Designs und
Modellen mit ein, die für strukturell so komplizierte Bauwerke wie
die jüngsten Arbeiten aus Gehrys Ideenfabrik unerlässlich ist.
Pollack verheddert sich nicht in der Vielzahl der Beispiele, sondern
nimmt die konkreten Bauten eher zum Anlass für filmische Montagen,
die den Betrachter in die Lage versetzen, Unterschiede und
Gemeinsamkeiten in Design, Material und Form zu erkennen. Dabei
scheint er sich der Herausforderung durchaus bewusst gewesen zu
sein, die darin besteht, die dreidimensionale Fantasie des
Architekten in die zweidimensionale Ebene des Films zu übertragen,
ohne den Sinn der Arbeit darüber zu verlieren. Dem Zuschauer kommt
unzweifelhaft zugute, dass Pollack nach eigenem Eingeständnis von
Architektur nicht viel versteht und sich deshalb dem Objekt seiner
Beobachtung mit der Neugier eines faszinierten Laien nähert. Im
Staunen des Filmemachers werden immer wieder die bemerkenswerten
Eigenheiten Frank Gehrys sichtbar, ohne dass es überkomplizierter
Deduktionen bedürfte: Wie Gehry seinen individuellen Stil aus der
Verfolgung und Umsetzung von Schlangenlinien und Kurven, von Licht
und Reflexionen entwickelt hat, wie die Suche nach einer neuen
Ordnung aus ungeordnetem Material jede Phase seiner Arbeit bestimmt.
Pollack, der im Film auch den Gesprächsp artner spielt, hält sich
selbst mit Werturteilen zurück. Stattdessen lässt er eine Reihe von
Fachleuten und Zeitzeugen aufmarschieren, die aber in ihrer Mehrzahl
auch nur akklamierend Stellung nehmen. Dadurch kommt die umstrittene
Position, die Gehry in der Öffentlichkeit wie auch in Fachkreisen
einnimmt, ein wenig zu kurz. Seine die Sinne des Betrachters
beflügelnde "Wing-on-Wing"-Technik, die Gehry selbst mit den
geblähten Segeln eines Schiffes vergleicht, setzt vor allem seine
jüngsten Bauwerke von den Arbeiten seiner Kollegen und Konkurrenten
ab, hat aber auch herbe Kritik erfahren. Immer wieder wird zum
Beispiel eingewandt, dass Gehrys Gebäude zu wenig in die bereits
existierende Bausubstanz und in die natürliche Umgebung integriert
seien. Auch Anhänger seiner Kunst müssen zugeben, dass er damit sehr
weit entfernt ist von dem heute in Amerika vielleicht am stärksten
verehrten Architekten des 20. Jahrhunderts, Frank Lloyd Wright. Das
Problem mit Gehrys Bauten ist, dass sie oft eher sich selbst
genügende gigantische Skulpturen sind, die dem eigenen
Erscheinungsbild mehr Wichtigkeit beimessen als der Landschaft, die
sie ergänzen, und dem Zweck, dem sie dienen sollen. Solche
Problematik bleibt in Pollacks Film weitgehend außen vor. Mehr Glück
als mit der in ganz wenigen Ansätzen steckenbleibenden Einordnung
Gehrys in die Architekturbewegungen der Neuzeit hat Pollacks Film
mit der Hinterfragung der Person Gehrys, der eigentlich Ephraim
Goldberg heißt und nur auf Drängen seiner ersten Frau seinen
Geburtsnamen geändert hat. Bei Autofahrten durch Los Angeles und bei
entspannten Zweiergesprächen kommen so manche kleine Geschichten und
Erlebnisse zur Sprache, die sich als durchaus motivierend für Gehrys
berufliche Entwicklung herausstellen. Ein großes Glück für den Film
war vor allem die Erlaubnis, mit Gehrys Therapeuten vor der Kamera
reden zu können. 35 Jahre lang hat Gehry alle seine privaten und
beruflichen Probleme vor dem Psychoanalysten Milton Wexler
ausgebreitet, sodass der alte, aber immer noch erstaunlich rüstige
Analyst heute den Menschen Frank Gehry wohl besser kennt als der
sich selbst. Es sind nicht zuletzt diese Unterhaltungen Pollacks mit
Milton Wexler, die das Porträt Frank Gehrys abrunden und den Film
vor der Eintönigkeit einer ausschließlichen Werk- und
Kunstbetrachtung bewahren. Franz Everschor
Fazit
Zwei der Erfolgreichsten in Architektur : Frank Gehry (Gestalter und
Künstler) und Film : Sydney Pollack (Regisseur und Produzent),
treffen einander - Es entsteht ein Feuerwerk von Intuition,
Diskursoffenheit und Geistesblitzen, die sich in Raum und Skulpurale
Architektur und Projektion verdichten und verwirklichen.
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