Europäischer
Städtebau-Diskurs - am
Beispiel Salzburg

Städtebaulicher Diskurs : Qualität und Versagen
In Kürze:
Leserbrief vom 13. 7. 2007 (verweigert
von Salzburger Nachrichten, Bruchmann)
Leserbrief vom
15.01.2004
Norbert Mayr: Städtebau-Kritik
am aktuellen Beispiel Salzburg
-----
Original Message -----
From:
Gisela Schuler-Wallner
To:
B. Gappmair
Cc:
H.Breidenbach
Sent:
Thursday, January 15, 2004 3:01 PM
Subject:
Leserbrief zu "Altstadt braucht Vitalität..." im Salzburger Fenster
01/2oo4
Sehr
geehrte Damen und Herren,
Ich
bitte um Veröffentlichung des nachstehenden Leserbriefes.
Grundsätzlich kann man feststellen, dass Stadtentwicklung ohne Kritik und
Anstösse von außen meist sich selbst "ad absurdum" führt.
Erst durch massive Zeitungskritik wurden z. B. die öden Plattenbauten der
Gemeinde Wien gegen Ende der 60er Jahre durch differenzierte Wohnformen
abgelöst.
Ich war selbst Mitinitiator von Arbeitskreisen, die durch permante Kritik
und öffentliche Aufklärung zur Beendigung der brutalen Zerstörung der
wertvollen Bausubstanz von Wien anfangs der 70er Jahre beigetragen haben.
Und als Stadtplaner in Tübingen erlebte ich eine gleichgeschaltete Presse,
die einen überdimensionalen Straßenbau forcierte. Als ich mich dagegen
wehrte, mußte ich gehen.
Ich weiß auch umgekehrt, dass kritische Stadträte hier in Salzburg anfangs
der 80er Jahre einen unglaublichen Umschwung bzw. Fortschritt auf dem
Gebiet der Stadtentwicklung erreicht haben.
Ich finde also Norbert Mayr,
einen der wenigen qualifizierten Architekturkritiker, die es in Österreich
außerhalb von Wien gibt, außerordentlich wichtig.
Gäbe es keine solchen Kritiker, begänne das zu blühen, was in der
Altstadt-Sachverständigenkommission (SVK) in Ansätzen bereits vorhanden
ist: Überheblichkeit (siehe die Bezeich-nung "Selbsternannter
Architekturkritiker") und Bürgerferne (keine öffentlichen Sitzungen und
keine Protokolle).
Mit
freundlichen Grüßen
Gerhard
Wallner
Zwieselweg 3 D
5020 Salzburg
--------------------------------
Grober Klotz
Leserbrief 16.09.2003
Konnte nach Intensiven Recherchen den letzten Aufrechten in
Salzburg finden, der einen Sonderplatz kulturpunktiert verdient.
Lg.Norbert
Salzburger Nachrichten,
Städtebauliche Qualität in wenigen Worten zu beschreiben, ist
sicher nicht leicht. Dennoch der Versuch: Zunächst ist Städtebau
Raumbildung in einem bestimmten Maßstab, der in der Salzburger
Altstadt - im Gegensatz zu anderen Städten wie z. B. Wien oder gar
New York - relativ klein ist mit Ausnahme von Kirchen und
Repräsentationsbauten. Das ist auch der Grund, warum
Massenveranstaltungen in der Altstadt fehl am Platze sind. Dass sich
der Maßstab in den Stadtteilzentren (Herrnau, Lehen, Bahnhof),
vergrößert, ist verständlich. Überall aber spielt die Raum- oder
Platzbildung eine große Rolle. Ein weiterer wichtiger Aspekt sind
städtebauliche Charakteristika wie auch Unterbrechungen von
Baustrukturen, z. B. die kleinen Parks von Gründerzeit-Gebieten in
Wien. In Salzburg findet sich ein solches Beispiel in der
Markus-Sittikus-Straße, die "Ceconi-Villa" von 1892 mit parkartigem
Garten und großartigem Baumbestand. Es ist also völlig
unverständlich, dass die Sachverständigenkommission für die
Altstadterhaltung (SVK) und die Stadtplanung in Salzburg diese
stadträumlich einmalige Situation aufgeben und einen
zerstörerischen, 24 Meter hohen Klotz eines privaten Investors
genehmigen wollen. Dieser erschlägt in seiner dreifachen Größe
regelrecht die Villa und auf der Südseite bleibt kein einziger Baum
mehr erhalten. In Salzburg wird immer von Verschönerung und
Verbesserung gesprochen, hier wird verschandelt und verschlechtert.
Dipl.-Ing. Gerhard Wallner
5020 Salzburg
Gute Idee Stadtteilforum
Salzburger Nachrichten, Leserbrief 21.06.2003
Wenn der Sozialwissenschafter Günther Marchner die Vernachlässigung
insbesondere des Stadtteils Lehen beklagt (SN, Seite 8 vom 13. 6.),
so muss ich ihm, auch aus der Sicht des Stadtplaners, völlig Recht
geben. Auf der anderen Seite beobachte ich seit Monaten den Aufwand,
den man in der Altstadt mit so genannten "Events" betreibt -
Massenveranstaltungen, die weder im optischen Maßstab noch in der
Lautstärke dorthin passen. Wenn man schon dieses riesige Stadion vor
Schloss Kleß-heim gebaut hat, warum nutzt man es nicht für solche
Großveranstaltungen? Sage niemand, man will durch diese Events die
Altstadt beleben. Man sieht doch jedesmal das Chaos vor, während und
nach den Veranstaltungen. Die Überbleibsel müssen dann tagelang
entsorgt werden. Man könnte sich diese "Schnapsideen" sparen und
dafür die Stadtteile unterstützen, die wirklich Hilfe bräuchten. Die
Idee eines "Stadtteilforums", in dem sich Soziologen, Stadtplaner,
Politiker und Bürger auseindersetzen können, finde ich
ausgezeichnet.
Dipl. Ing. Gerhard Wallner
5020 Salzburg
Gesamtplanung tut not
Salzburger Nachrichten, Leserbrief 11.03.2002
Wie fatal es ist, einen Stadtentwicklungsplan ständig zu ignorieren
oder zu wenig ernst zu nehmen, hat sich in Salzburg in letzter Zeit
deutlich gezeigt.
Der Standort des neuen Stadions ist falsch, weil es das berühmte
Schloss Kleßheim beeinträchtigt, der geplante Museumsklotz auf dem
Berg wäre ein riesiger städtebaulicher Fehler im Vergleich zum
transparenten Cafe` Winkler, die Tiefgarage Makartplatz ist unnötig
und läge zu weit im Stadtzentrum, man denke nur an die Zufahrten,
der Standort für das neue Hallenbad ist ganz schlecht, weil viel zu
eng und im Vergleich zu anderen möglichen Standorten weder schön
noch verkehrstechnisch günstig, weil durch die Einkaufszentren und
das neue Stadion der Knoten Kleßheim ohnehin stärkstens belastet
ist.
Ein schönes Hallenbad mit Außenbecken braucht auch eine schöne
Aussicht in die Landschaft, wie sie in Liefering oder Leopoldskron
möglich wäre. Das Argument Kosten ist immer ein schlechtes Argument
bei öffentlichen Einrichtungen.
Man denke nur an die Schulen der 60er Jahre, die jetzt teuer saniert
werden müssen, weil sie meistens sehr "kostengünstig" gebaut wurden.
Als eine weitere gravierende Fehlentscheidung muss wohl die Bebauung
in Puch an der Autobahn und entlang der Salzach und des gesamten
Salzachtales angesehen werden.
Die Verlagerung der FH nach weit außerhalb ist ein weiterer
städtebaulicher Fehler, der kaum wieder gut zu machen ist. Wie
werden die Schüler dann dorthin kommen? Per Auto?
Ein ernst genommener, immer wieder mit allen Gremien und
Interessenten durchdiskutierter Stadtentwicklungsplan hätte diese
Fehler vermieden und Salzburg wäre nicht nur auf dem Gebiet der
Radwege und einiger Einzelprojekte vorbildlich.
Entscheidend ist eine Gesamtplanung über die Grenzen hinaus. Das ist
auch meine 30-jährige Erfahrung als Stadtplaner in Deutschland.
Dipl.-Ing. Gerhard Wallner
5020 Salzburg
Museum - eine Fehlentscheidung
Salzburger Nachrichten, Leserbrief 27.04.2001
1976 ist der Stadt Salzburg mit dem Grandcafe` Winkler etwas sehr
Schönes gelungen. Es war eine echte Bereicherung für die Salzburger
und noch mehr für die Touristen. Seit Jahren habe ich meine
Bus-Reisen nach Österreich, die ich von Baden-Baden und Darmstadt
aus organisierte, immer über Salzburg geleitet und dabei die
Besucher über den Mönchsberg zum Cafe` Winkler geführt. Es war ein
Hö-hepunkt der Reise, und die Besucher waren von der Aussicht
hingerissen. Traumhaft war die Situation, wenn in der Dämmerung die
Lichter der Stadt angingen. Als ich vor kurzem erfahren habe, dass
anstatt des Cafe`s Winkler ein Museum gebaut werden soll, dachte
ich, das kann doch nicht wahr sein. Wo bleibt denn hier ein
weitsichtiger Städtebau? Was soll denn ein Museum auf einem Berg?
Wirkt ein Museum nach innen oder nach außen? Zugegeben, am Cafe`
Winkler ist ein gewisser Umbau erforderlich, weil Räume für
Veranstaltungen fehlen, das kann aber sicher geschehen ohne das
bestehende Gebäude komplett abzureißen. Dieser Standort ist
prädestiniert für ein gehobenes Restaurant, ein attraktives Cafe`
und für kleinere Kongresse und Tagungen. Das "Museum am Berg" ist
eine krasse städtebauliche und kulturelle Fehlentscheidung des
Landeshauptmannes für den schönsten Bauplatz der Altstadt.
Dipl.-Ing. Gerhard Wallner
5020 Salzburg
Unkoordiniertes Wachstum in der Stadtregion
- Salzburg -
Architekturpublizist
Norbert Mayr
Kirchturmpolitik im Speckgürtel
"Baukultur, die der Europark im Stadtteil Taxham vertritt, und
raumordnerische Kompetenz müssen Wildwuchs wie das Airportcenter in
Wals-Siezenheim ersetzen."
"Wo bleiben Schausbergers Berater, wo die Fachbeamten, die im
Vorfeld solche Peinlichkeiten verhindern oder zumindest nachher
sanieren?"
"Wenn sich die Stadt und ihre Umgebungsgemeinden weiterhin der
Kirchturmpolitik widmen, werden sie im Wettbewerb der Regionen
untergehen. "
Der Salzburger Architekturpublizist Norbert Mayr macht im
SF-Meinungsforum die (zu*) große Autonomie der Gemeinden und die
Macht der Bürgermeister für das Raumordnungschaos im Salzburger
Zentralraum verantwortlich. (* Zusatz der
Kulturpunkt-Redaktion)
Der Flachgau muss eine eigene Bezirkshauptstadt bekommen. Das
ist auch für die Identität des Bezirks wichtig", erklärte
Landeshauptmann Franz Schausberger im Juli 2001. Drei Jahre zuvor
war die Bezirksbehörde Salzburg-Umgebung in den Porschehof am
Hauptbahnhof eingezogen, den das Land mit dem Hauptargument guter
Erreichbarkeit um stolze 410 Millionen Schilling gekauft hatte.
Schausbergers Vorschlag, die Bezirkshauptmannschaft
Salzburg-Umgebung aus der Landeshauptstadt abzusiedeln, ist
"sinnlos, skurril, kontraproduktiv." Diese Fachmeinung unabhängiger
Raumplanungsexperten im August 2001 beim Symposion "Das Phänomen
Speckgürtel und die Salzburger Stadtregion" deckt sich mit dem
Hausverstand. Dem Geographen der Universität Wien, Prof. Peter
Weichhart, fiel es nicht schwer, die "Argumente" Schausbergers zu
konterkarieren.
Wo bleiben Schausbergers Berater, wo die Fachbeamten, die im Vorfeld
solche Peinlichkeiten verhindern oder zumindest nachher sanieren?
Der Leiter der Raumordnung, Fritz Mair, schweigt. Er wurde vor
Inkraftsetzung der Verordnung zum Objektivierungsgesetz Ende 2000
eingesetzt. Er war vorher, wie er selbst sagt, auch "bei Politikern
in den Sekretariaten tätig". Als Geschäftsführer der
Baulandsicherungsgesellschaft "Land-Invest" machte er klar, dass die
Verfügbarkeit von Grund vor raumordnerische Kriterien geht.
Scheibchenweise, ohne erkennbare Gesamtkonzepte, wurden in den
Gemeinden Gewerbegebiete "entwickelt". Nutzungskonflikte mit
benachbarten Wohngebieten, etwa im Bereich der Schwarzenbergkaserne
in Wals-Siezenheim wurden durch Lärmschutzwände "gelöst". Die
Stadionerrichtungsgesellschaft unter Mairs Führung ebnete im
ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiet vor den Toren des
Barockschlosses Kleßheim dem Fußballstadion das Feld. Er
exekutierte den politischen Schnellschuss, der die Eliminierung der
letzten unverbauten Landschaftsreserven bedeutet. Dass Mair die
ungeordnete Entwicklung des Speckgürtels rund um Salzburg nicht als
Problem erkennen will, überrascht daher nicht, ist aber bei seiner
Position als Raumordnungs-Chef fatal.
Massive Zersiedelung
Der Speckgürtel ist eine bauliche Agglomeration rund um Salzburg
mit verschiedenen, mehr oder weniger getrennten Zonierungen für
Wohnen, Gewerbe und Einkaufen. Diese Erweiterung der Stadt Salzburg
auf das Gebiet der Umlandgemeinden hauptsächlich entlang der
Autobahn im Westen und Norden fand als unkoordiniertes Wachstum
statt. Es spiegelt die große Autonomie der Gemeinden und die Macht
der Bürgermeister wider. Die Ausdehnung des Speckgürtels erfolgt im
Wesentlichen als Bebauung und Versiegelung von Freiflächen, bar von
Freiraum- und Architekturqualität, sodass Landschaftsräume nicht
beachtet oder gar zerstört werden. Das ist bedauerlich in einer
Stadtregion, die von einer zum Teil mystifizierten, einzigartigen
Symbiose von Natur und Gebautem lebt.
Das Problem einer massiven Zersiedlung der Landschaft betrifft das
gesamte Umland Salzburgs. In den Ballungsrandgemeinden im
Speckgürtel selbst stieg die Einwohnerzahl in den letzten 20 Jahren
um rund 40 Prozent auf rund 50.000, während die Zahl der
Stadtbewohner bei rund 144.000 stagniert. Eine Verlagerung von
Gewerbe und Industrie in den Speckgürtel mit seinem günstigen
Grundpreis begann in größerem Ausmaß in den 70er Jahren, "gefördert"
durch die betriebsfeindliche Haltung der Stadt Salzburg. Den Boom an
Einzelhandels- und Fachmarktzentren im Speckgürtel während des
letzten Jahrzehnts dokumentieren Zahlen vom Herbst 2000: Die
Entwicklung bei der Flächenkapazität der Einzelhandels-zentren in
der Stadt Salzburg stagnierte zwischen 1995 und 2000 bei rund
200.000 Quadratmetern. Jene der Randgemeinden Salzburgs,
Wals-Siezenheim, Hallwang und Bergheim, Eugendorf und Anif, stieg im
selben Zeitraum hingegen "um mehr als 30 Prozent" auf rund 160.000
Quadratmeter. Ein weiterhin unkontrolliert und überproportional
wachsender Speckgürtel bedeutet einen Anstieg der Verkehrsbelastung
und ist für die Stadtteilzentren und für die Stadtregion
gleichermaßen kontraproduktiv. Der Stadtbegriff mit zentralem Kern
und Peripherie wird aufgehoben, während sich eine Art
Semizentralität entlang der Autobahn etabliert. Die Stadtteile
zwischen Altstadt und Speckgürtel, wie zum Beispiel Lehen, werden
ausgedünnt. Auf deren aktive Förderung und Weiterentwicklung müsste
die Stadt viel mehr Augenmerk legen.
Umdenken in der Stadt
Seit den Siebzigerjahren hätte der "Regionalverband Stadt
Salzburg und Umgebungsgemeinden" ordnend agieren müssen. Aber das
1999 beschlossene Regionalprogramm ist nur der kleinste gemeinsame
Nenner von Stadt und den zehn Umgebungsgemeinden. Das
Grüngürtel-Konzept wird besonders durch die Gemeinde Wals-Siezenheim
durchlöchert. Das Land als Aufsichtsbehörde hat 1998 die für das
Stadion vor Schloss Kleßheim notwendige Fläche aus dem
Programmentwurf eliminiert.
In der Stadt fand nach der fehlgelaufenen Stadtentwicklung der
Nachkriegsjahrzehnte ein Umdenken statt.
Eine breite Protestbewegung (Stichwort Prof. Hans Sedlmayrs Buch
"Stadt ohne Landschaft" 1970) führte Mitte der Achtzigerjahre zu der
vom Gemeinderat "feierlich beschlossenen" Grünlanddeklaration.
Der Gestaltungsbeirat wurde zur Sicherung der architektonischen
Qualität eingeführt.
Für eine ähnliche Entwicklung im Speckgürtel ist es höchste Zeit.
Baukultur, die der Europark im Stadtteil Taxham vertritt, und
raumordnerische Kompetenz müssen Wildwuchs wie das Airportcenter in
Wals-Siezenheim ersetzen. Dazu bietet sich ein verbindliches,
interkommunales Kooperationsmodell für die Gemeinden der Region an,
das auch Teile Bayerns einbindet. Dieser Weg wird seit letztem
Herbst von der Stadt Salzburg vorangetrieben. Weichhart beschreibt
ihn als "hart, steinig, dornig und mühsam".
Das müsste nicht sein, steht doch der leidigen Realität des
Stadt-Umlandkonfliktes ein schlagendes, wirtschaftliches Argument
gegenüber: Wenn sich die Stadt und ihre Umgebungsgemeinden weiterhin
der Kirchturmpolitik widmen, werden sie im Wettbewerb der Regionen
untergehen. Norbert Mayr
Städtebauliche Fehl-Leistungen
Salzburg
Salzburger Fenster, 7. November 2001, Ausgabe 32/01
Meinungsforum
"Salzburg - Gesamtplanung wäre notwendig": Gerhard Wallner,
Urbanist
Wie fatal es ist, einen Stadtentwicklungsplan ständig zu
ignorieren oder zu wenig ernst zu nehmen, hat sich in Salzburg in
letzter Zeit deutlich gezeigt.
Der Standort des neuen Stadions ist falsch, weil es das berühmte
Schloss Kleßheim beeinträchtigt, der geplante Museumsklotz auf dem
Berg wäre ein riesiger städtebaulicher Fehler im Vergleich zum
transparenten Cafe` Winkler, die Tiefgarage Makartplatz ist unnötig
und läge zu weit im Stadtzentrum, man denke nur an die Zufahrten,
der Standort für das neue Hallenbad ist ganz schlecht, weil viel zu
eng und im Vergleich zu anderen möglichen Standorten weder schön
noch verkehrstechnisch günstig, weil durch die Einkaufszentren und
das neue Stadion der Knoten Kleßheim ohnehin stärkstens belastet
ist.
Ein schönes Hallenbad mit Außenbecken braucht auch eine schöne
Aussicht in die Landschaft, wie sie in Liefering oder Leopoldskron
möglich wäre. Das Argument Kosten ist immer ein schlechtes Argument
bei öffentlichen Einrichtungen.
Man denke nur an die Schulen der 60er Jahre, die jetzt teuer saniert
werden müssen, weil sie meistens sehr "kostengünstig" gebaut wurden.
Als eine weitere gravierende Fehlentscheidung muss wohl die Bebauung
in Puch an der Autobahn und entlang der Salzach und des gesamten
Salzachtales angesehen werden.
Die Verlagerung der FH nach weit außerhalb ist ein weiterer
städtebaulicher Fehler, der kaum wieder gut zu machen ist. Wie
werden die Schüler dann dorthin kommen? Per Auto?
Ein ernst genommener, immer wieder mit allen Gremien und
Interessenten durchdiskutierter Stadtentwicklungsplan hätte diese
Fehler vermieden und Salzburg wäre nicht nur auf dem Gebiet der
Radwege und einiger Einzelprojekte vorbildlich.
Entscheidend ist eine Gesamtplanung über die Grenzen hinaus. Das ist
auch meine 30-jährige Erfahrung als Stadtplaner in Deutschland.
Dipl.-Ing. Gerhard Wallner
Stärkung der Stadtteilzentren
Salzburg – Wallner, Mayr,
Otto, Aichhorn
---- Original Message ----- From: Norbert Mayr To:
Prankl Sent: Monday, December 23, 2002 10:38 AM Subject:
Stadtplaner Wallner schlägt zu
Lieber Walter,
Anbei der Brief vom Chef der Stadtplanungsphilosophen.
Herzliche Weihnachtsgrüße auch von Christa Otto, Ferdinand
Aichhorn
Gerhard und Norbert
Salzburger Nachrichten, Lokal, 23.12.2002
Stärkung der Stadtteilzentren
Im Rahmen der Sommerakademie 2001 haben wir mit zahlreichen
Experten der Stadt, des Landes und der Region in Ober-österreich
und Bayern ausgiebig über Stadt- und Regionalplanung diskutiert.
Dazu wird auch demnächst eine Broschüre, speziell zum Thema
"Speckgürtel", der die Zonen beiderseits der Autobahn betrifft,
erscheinen. Kurz gesagt: Wir wollen die Stadtteilzentren stärken -
im Gegensatz zur jüngsten Entwicklung, die in Richtung Verlagerung
zur Peripherie ging, wir fordern weiters einen klaren
Innenstadtring mit der Konsequenz eines Kapuzinerbergtunnels und
gleichzeitig aber auch die weitgehende Befreiung der Innenstadt
vom Individualverkehr; das bedeutet, dass der öffentliche Verkehr
(Busse, Taxis), der Lieferverkehr, der Notverkehr (Feuerwehr,
Rettung, Polizei) und auch Zufahrten für Bewohner bestehen
bleiben. Was unserer Meinung in einer Kulturstadt unhaltbar ist,
sind die wartenden Trauben von Menschen, die unerquicklichen
Unterführungen bei der Staatsbrücke und die endlosen Autoschlangen
mitten durch das Altstadtgebiet. Für uns erstreckt sich die
Altstadt natürlich auch über die Salzach, wie es auch in der
Geschichte immer so war. Wenn also heute plötzlich die
Wirtschaftskammer, die ÖVP und die SPÖ für einen
Kapuzinerbergtunnel plädieren, dann sollten sie dies in jedem Fall
mit der weitgehenden Beruhigung der Innenstadt verbinden. Es gibt
genug Möglichkeiten, von allen Richtungen zu den günstigen
Parkierungsanlagen rund um die Altstadt zu kommen: Es sind im
Süden die Mönchsberggaragen vorhanden, im Westen der
Rot-Kreuz-Parkplatz, die Raiffeisen- und Mirabellgarage, im
Kapuzinerberg bestünde in Zukunft eine große Busgarage, und am
Kajetanerplatz könnte ohne Probleme eine Tiefgarage gebaut werden.
Der heute dort bestehende Blechhaufen ist keine schöne
Visitenkarte für eine Kulturstadt.
Dipl.-Ing. Gerhard Wallner
5020 Salzburg
|