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Online-Publikation: März 2008 im Internet-Journal <<kultur-punkt>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Karin Zogmayer (Herausgeberin) - Margarete Schütte-Lihotzky:
Warum ich Architektin wurde . Erinnerungen und Betrachtungen >>
Mit zahlreichen S/W-Abbildungen, 240 Seiten, 130x205 Hardcover,
ISBN: 3701713693, EUR 22,90 / sFr 39,90
Residenz Verlag, A-3100 St. Pölten 2004,
www.residenzverlag.at
Inhalt
Eine Frau mit Weitblick: Die »Jahrhundertarchitektin« erzählt von
ihren Lehrern und Förderern, den ersten Berufsjahren und ihrem
Einsatz für ein ebenso zeitgemäßes wie soziales Wohnen.
Es gehört schon eine ordentliche Portion Mut und Willenskraft dazu,
den Beruf der Architektin anzustreben, in einer Zeit, in der sich
noch niemand vorstellen kann, sich von einer Frau ein Haus bauen zu
lassen. Margarete Schütte-Lihotzky berichtet, wie sie es dennoch
wagte und als erste Österreicherin ein Architekturstudium
absolvierte. In ihren Erinnerungen zeichnet sie sehr persönliche
Portraits, u. a. von Oskar Strnad, Ernst May, Otto Neurath und dem
Architekten und (politischen) Menschen Adolf Loos, mit dem sie nicht
nur in der Wiener Siedlerbewegung zusammengearbeitet hat. Sie
erzählt ihre »Klimt-Anekdote« und von der Nacht, die sie mit Hitler
unter einem Dach verbracht hat.
Ihre Person wird gern mit ihrem bekanntesten Werk, der »Frankfurter
Küche«, identifiziert, eine Gleichsetzung, die sie zunehmend als
Belastung empfand. 1930 ging sie unter der Bedingung, keine Küchen
mehr bauen zu müssen, nach Rußland. Weder vor noch nach der
Entwicklung der »Frankfurter Küche« habe sie selbst gekocht, aber
wissenschaftliche Studien zur rationellen Haushaltsführung gelesen
und selbst erarbeitet.
Margarete Schütte-Lihotzy ist es ein Anliegen gewesen, deutlich zu
machen, daß und inwiefern Architektur in ihre Zeit eingebettet ist
und daß die romantische Sehnsucht nach früheren Wohnformen eine
verfehlte Nostalgie darstellt.
Die Architektin, die diesen Text Anfang der achtziger Jahre zu
schreiben begann, lebte damals schon längst in ihrer Wiener
Stadtwohnung mit Dachgarten. Sie, die das ganze 20. Jahrhundert
bewußt erlebt hat, wollte nie als Mensch der Vergangenheit gelten.
Mit diesem Buch hat sie Erinnerungen für die Zukunft geschrieben. Im
Zuge der Aufarbeitung des Nachlasses stieß die Herausgeberin auf das
Manuskript, das sich als herausragendes kulturgeschichtliches
Dokument erwies und dringend nach Veröffentlichung verlangte.
Autorin
Margarete Schütte-Lihotzky geb. 1897 in Wien, gestorben 2000 ebenda.
Doyenne der österreichischen Architektur. Bisher erschienen:
Erinnerungen aus dem Widerstand – Das kämpferische Leben einer
Architektin von 1938–1945.
Herausgeberin
Karin Zogmayer, geboren 1977 in Horn (Niederösterreich). Studium
Philosophie und Deutsche Philologie in Wien und Berlin Publikationen
zu Elias Canetti und Margarete Schütte-Lihotzky. Lebt in Wien.
Fazit
"Eine Frau mit Weitblick", ohne Nostalgie und eine Innovative ihrer
Zeit, wobei diese dann aus den Fugen geriet, deren Utopie von
Material und puritaner Funktions-Zerrgliederung zerschellte sowohl
am Humanum als auch durch Kriegs-Grauen. Allein der kreative Mensch,
der in ihr überlebte berichtet uns in der uns sehr entgegenkommenden
charakteristischen intellektuellen Frauensprache mit Klarheit,
Einfachheit und Animation.
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