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<<Prof. Harald Lesch:
Begegnungen
mit der Dritten Art –Gibt es außerirdische Intelligenz? Oder: Leben im
Universum bedingt Ozon; Teil 1-2>>
SWR2 AULA
Redaktion: Ralf Caspary, Susanne Paluch;
Sendung: Sonntag, 16. Januar 2005, 8.30 Uhr, SWR 2.
Bitte beachten Sie:
Das Manuskript ist ausschließlich zum persönlichen, privaten Gebrauch
bestimmt.
Jede weitere Vervielfältigung und Verbreitung bedarf der ausdrücklichen
Genehmigung des Urhebers bzw. des SWR.
Sind wir allein im Universum? Das ist eigentlich so eine klassische Frage,
auf die es natürlich erst dann eine Antwort geben kann, wenn man tatsächlich
mal irgendwo außerirdisches Leben entdeckt hat. Bis heute ist es eine der
interessantesten Fragen, die es überhaupt in der Astrophysik gibt. Aber bis
jetzt haben wir einfach keine Antwort. Wir können nur spekulieren. Wir
können nur versuchen, einigermaßen plausible Argumente dafür zu erdenken,
warum wir möglicherweise nicht allein sind im Universum. Mit anderen Worten:
Wir können uns überlegen, unter welchen Bedingungen auf einem anderen
Planeten irgendwo im Universum noch Leben entstanden sein könnte. Und hat
sich dieses Leben – das ist ja das allerwichtigste – tatsächlich bis zur
Intelligenz entwickelt?
Denn was uns interessiert, sind ja nicht die kleinen grünen Würmer oder
irgendwelche Pflanzen. Sondern am besten wäre es natürlich, wir hätten es
mit Außerirdischen zu tun, die mindestens so schlau sind wie wir – was immer
das zu bedeuten hat -, und die natürlich die Probleme, die wir heute haben,
- hoffentlich – alle schon gelöst haben. Das Tollste wäre der Kontakt zu
einem Außerirdischen, wie man das von den Science Fiction-Geschichten her
kennt, der über die ganze Weisheit dieses Universums verfügt und uns damit
klar macht, a) wie dumm wir sind als Menschen und b) wie wunderbar einfach
die schwierigsten Probleme des Universums zu lösen sind. Sie merken schon,
ich drifte hier ab in eine romantische Vorstellung, die überhaupt nichts mit
Wissenschaft zu tun hat.
Denn in der Tat ist es so: Das Thema „Sind wir alleine im Universum“ ist
eigentlich ein Thema, das gehört in den Bereich der Science Fiction, also zu
einer Literaturgattung, in der man versucht, sich mit Hilfe von
wissenschaftlichen Thesen und Modellen etwas auszudenken, wie es denn sein
könnte. Dadurch ist unsere Vorstellung vom Außerirdischen schon stark
geprägt worden. Wir haben heute Vorstellungen vom Außerirdischen, die gehen
mehr oder weniger auf die mehr oder weniger abstrusen Vorstellungen von
Regisseuren zurück, die Science Fiction-Filme gedreht haben oder Science
Fiction-Serien. Es gibt Science Fiction-Filme, da fliegen die Außerirdischen
erst Billionen von Kilometern hierher und positionieren ein riesengroßes
Raumschiff mit einer Viertel Mondmasse in einem Abstand von etwa 40.000 km
zur Erde. Von diesem riesengroßen Raumschiff wiederum entfernen sich
kleinere Raumschiffe, die aber immer noch kilometergroß sind, und die
positionieren sich über den Machtzentren der Welt, also Washington, Moskau,
London, Paris, Peking usw. und dann zerstören diese Außerirdischen aus
unerfindlichen Gründen die ganze Welt. Das ist also eine massive Bedrohung.
Aber in diesem Film gelingt es einem Erdling, einem Menschen, mit Hilfe
eines Laptops - und daran merkt man schon, wie abstrus das ist - ein Virus
in den Computer der Außerirdischen zu schleusen.
Nehmen Sie es
mir nicht übel, aber Außerirdische, die nicht weiter gekommen sind als
Microsoft und Apple, sind für mich momentan überhaupt keine Gesprächspartner.
Ich will, wenn ich schon über Außerirdische spreche, die echten
„Superbringer“ sehen, die absolut Unbezwingbaren. Das ist das, was uns von
den Science Ficition-Filmen in gewisser Weise nach wie vor nicht präsentiert
wird, nämlich Außerirdische, die so gut sind, dass wir vor Ehrfurcht
vergehen müssten.
Das Thema „Außerirdische“ ist jedenfalls ein Thema, das man eigentlich gar
nicht in der Nähe von seriösen Naturwissenschaften vermutet. Sondern es ist
doch eher ein schlüpfriges Thema, zu dem sich die Naturwissenschaftler im
allgemeinen überhaupt nicht äußern.
Trotzdem ist es so, dass die Frage „Sind wir allein im Universum?“ zu den
zentralen Themen der Astrophysik gehört. Wenn heutzutage irgendwo ein
astronomisches Programm aufgelegt wird, dann gibt es neben den
kosmologischen Themen („Wie ist das Universum entstanden?“) nur eine einzige
große Frage, die uns interessiert: Gibt es noch andere Planeten im
Universum, die so ähnlich funktionieren wie die Erde? Also auf denen die
Bedingungen für die
Entstehung von
Leben
so ähnlich sind wie auf der Erde, und ist auf diesen anderen Planeten
möglicherweise Leben entstanden?
Das ist tatsächlich ein zentrales
Thema der
modernen Astrophysik.
Begonnen haben wir damit vor etwa 10 Jahren, nachdem es zum ersten Mal
gelungen war, Planeten um einen anderen Stern herum zu finden. Seit 1994 ist
bekannt– das werden wir noch in aller Ruhe betrachten -, es gibt tatsächlich
Planeten um andere Sterne herum. Und diese Sterne sind alle sonnenähnlich,
d. h. sie haben ungefähr die gleiche Temperatur an der Oberfläche, sie haben
ungefähr das gleiche elektromagnetische Spektrum. Davon wird noch zu
sprechen sein. Der eine oder andere Planet mag vielleicht tatsächlich die
Bedingungen bieten, dass es da Leben gibt. Aber wir werden sehen.
Zunächst einmal ist folgendes festzuhalten: Allgemeines Credo ist, der
Außerirdische – wir haben ihn noch nicht gefunden – ist auch nur ein Mensch.
Das meine ich völlig ernst. Es geht nämlich schlicht und ergreifend darum,
dass der Außerirdische genau wie wir Teil dieses Universums ist. Und in
diesem Universum herrschen gewisse Naturgesetze. Wir haben inzwischen einige
dieser Naturgesetze entdeckt und wissen, wie die Natur funktioniert –
zumindest soweit wir das bis heute feststellen konnten. Und jetzt kommt der
Punkt:
Eine der wichtigsten Voraussetzungen in der modernen Astrophysik überhaupt
ist die Annahme, dass die Naturgesetze, die hier auf der Erde gelten,
überall im Universum gültig sind. D. h. die Naturgesetze, die wir kennen,
bilden das Minimalprogramm.
Es mag noch mehr geben, die die Naturgesetze, die wir kennen, enthalten.
Aber sie dürfen ihnen nicht widersprechen. Mit anderen Worten: Wenn der
Außerirdische ein Lebewesen ist, dann hängt es extrem davon ab a) wie weit
sein Planet von dem entsprechenden Stern entfernt ist, b) ob sein Planet die
entsprechenden Bedingungen bietet für Leben. D. h. all diese Bedingungen,
die für unser Leben wichtig sind und die wir möglicherweise als
Zentraleuropäer längst vergessen haben, weil wir mit der Natur kaum noch im
Kontakt sind, sind von grundlegender Bedeutung.
Ein paar dieser Bedingungen möchte ich hier kurz erläutern:
Nehmen wir mal irgendeinen Planeten irgendwo im Universum und gucken uns
seinen Tagesablauf an. Denn dass es einen Tagesablauf gibt, ist völlig klar.
Es muss auch eine Nacht geben.
Ein Planet,
der sich nicht um einen Stern herumdreht, ist eine Katastrophe. Es muss
einen Tag und eine Nacht geben. Warum muss es eine Nacht geben? Weil der
Planet sich drehen muss. Wenn es eine Nacht gibt, wird natürlich ein
Lebewesen sich auch erholen während der Nacht. Es wird nicht rund um die Uhr
aktiv sein.
Weiterhin ist
wichtig: Dieses Lebewesen besteht vor allen Dingen aus Materie, aus Atomen.
Und für alle, die schon mal Kartendienst in der Schule gehabt haben und sich
noch daran erinnern, die wissen natürlich, wovon jetzt die Rede sein wird.
Es geht um das Periodensystem der Elemente. Wo kommen die chemischen
Elemente eigentlich her, die in diesem Periodensystem angegeben sind:
Wasserstoff, Helium, Lithium, Beryllium, Bor, Stickstoff, Sauerstoff,
Kohlenstoff usw.? Daran sieht man schon, dass die Frage „Sind wir allein im
Universum?“ sofort astrophysikalische Fragen nach sich zieht: Woher kommen
eigentlich diese Elemente? Wie ist das mit den Naturgesetzen? Ist das
Periodensystem die Grenze, die wir nicht verlassen dürfen und können? Ist
die Annahme, dass die Naturgesetze, die wir hier auf der Erde finden,
überall im Universum gelten, gerechtfertigt? Oder ist das alles Quatsch?
Um das jetzt mal alles zu sortieren, fangen wir mit folgendem an: Wie ist
das Thema „Sind wir allein im Universum?“ eigentlich in die Wissenschaft
gekommen? Denn bis etwa 1960 war das Thema im wesentlichen etwas für Science
-Fiction-Autoren. Da wurden die tollsten Geschichten erfunden. Ufos wurden
„entdeckt“, darüber wollen wir in diesem Zusammenhang überhaupt nicht reden.
Das ist ja alles Quatsch – jetzt mal unter uns gesagt. Stellen Sie sich doch
mal vor:
Da fliegen
Außerirdische mit Untertassen, warum das Untertassen sein sollen, habe ich
bis heute nicht verstanden; denn es gibt keinen Grund, im Universum eine
bestimmte Form anzunehmen, denn es gibt keine Luft, also kein Trägermedium
im Universum. Eine Scheibenform ist nur dann interessant, wenn man in der
Atmosphäre fliegt. Aber die Untertassen fliegen ja meistens durch das
Universum, also die Raumschiffe der Außerirdischen können alle möglichen
Formen haben, das spielt überhaupt keine Rolle. Und dann – denken Sie vor
allem daran: die Außerirdischen verfügen über eine Technologie, die sie
befähigt, Lichtjahre zu fliegen. Mehrere hunderttausend Lichtjahre
möglicherweise. Wissen Sie, wie weit ein Lichtjahr ist? Das können Sie mal
ausrechen, das ist wahnsinnig: 9 Billionen Kilometer.
Das ist irrsinnig weit. Die verfügen also über Technologien, so weit zu
fliegen. Und dann sind sie nicht in der Lage, eine Untertasse in der Wüste,
wo kein Baum und kein Strauch ist, exakt zu landen? Also nehmen Sie es mir
nicht übel, dass wir hier immer nur die Untertassen kriegen, wo ein „L“ für
„Learner“ hinten drauf steht, das kann doch nicht sein. Spaß beiseite – über
Ufos wird hier nicht gesprochen werden, und wir wollen auch nicht über die
Science Fiction-Vorstellung reden, sondern darüber, was ist eigentlich
naturwissenschaftlich an der Frage „Sind wir allein im Universum?“ dran?
Das Ganze hat damit begonnen, dass Ende der 50-, Anfang der 60-er Jahre zwei
berühmte Physiker – Giuseppe Cocconi und Philip Morrison – einen Artikel in
einer Zeitschrift veröffentlicht haben mit dem Titel: „Searching for
interstellar communications“ (Suche nach interstellaren
Kommunikationsmöglichkeiten). Die beiden Herren haben damals das Feld SETI –
so heißt das heute – „Search for extraterrestrial intelligence“ (Suche nach
außerirdischen Intelligenzen) gegründet, indem sie folgendes gesagt haben:
Wenn es die anderen geben sollte und wenn die anderen mindestens so clever
wie wir sind, dann wissen die anderen auch, dass Wasserstoff das häufigste
Element im Universum ist. Und dann wissen sie auch, dass Wasserstoff in
einem ganz bestimmten Bereich der elektromagnetischen Strahlung, nämlich im
Radio-Bereich – um es genau zu sagen: bei 1,4 GHz, also bei einer
Wellenlänge von 21 cm – eine ganz besondere Form von Strahlung abgibt. Und
wenn die anderen so clever sind wie wir, werden sie auch so denken wie wir
und sie werden denken: Wenn es die anderen – also uns – gibt, dann wird eine
interstellare Kommunikation natürlich genau in der Bandbreite stattfinden,
in der diese besondere Strahlung von Wasserstoff auftaucht. Also schlossen
die beiden damals ihren Artikel mit dem Vorschlag, wir sollten riesengroße
Radioteleskope bauen und den Himmel absuchen nach besonderen Signalen, die
am Himmel möglicherweise darauf hindeuten, dass es sich dabei nicht um
natürliche Emissionen handelt, sondern um künstlich hervorgebrachte
Strahlung. Das war der Beginn der Suche nach außerirdischen Intelligenzen.
Bis dahin hatten sich offenbar schon mehrere Wissenschaftler Gedanken
gemacht, denn nachdem Cocconi und Morrison in der Zeitschrift „nature“,
einer ziemlich wichtigen Zeitung für alle Naturwissenschaftler, diesen
Artikel veröffentlicht hatten, kamen etliche Kollegen „aus ihren Löchern
heraus“ und sagten, sie haben sich auch schon ihre Gedanken gemacht. Und so
kam es zu einer Konferenz, der sogenannten Green Bank Conference. Und auf
dieser Konferenz 1960 hat man zum ersten Mal versucht auszurechnen, wie
viele kommunikationsbereite Zivilisationen es im Universumgeben könnte?
Oder, um es kleiner zu machen, in der Milchstraße?
Bevor ich weiterrede, machen wir mal eine kurze Reise ins Universum, nur
damit Sie wissen, in welch wahnsinnig tollem und großem Universum wir leben.
Weißt du, wie viele Sternlein stehen?
Ja, wenn wir
nachts nicht so eine starke Beleuchtung hätten, würden wir ungefähr 6.000
Sterne am Himmel sehen. Das ist noch nicht besonders viel, das sind nur die
in unseren näheren Umgebung. Wie viele Sterne hat die Milchstraße? 100
Milliarden. Wie viele Milchstraßen gibt es? 100 Milliarden. Also haben wir
im gesamten Universum 100 Milliarden mal 100 Milliarden Sterne. Das ist
schon mal ganz ordentlich. Aber wir werden sehen, die Zahl 1022,
also eine 1 mit 22 Nullen, ist zwar ordentlich groß, aber nicht wirklich
groß.
Wir werden sehen, was davon übrig bleibt.
Das andere: Wie groß sind die Entfernungen? Nun, erst mal müssen wir
festhalten: alle Information im Universum kann sich höchstens mit
Lichtgeschwindigkeit ausbreiten. Deswegen werden in der Astrophysik
sämtliche Entfernungen in Lichtgeschwindigkeit gemessen. Nehmen wir mal ein
Beispiel: die Entfernung Erde – Mond ist 400.000 km, d. h.
das Licht mit
300.000 km pro Sekunde braucht etwas mehr als eine Sekunde, um von der Erde
zum Mond zu kommen. Jede elektromagnetische Welle kann sich höchstens mit
Lichtgeschwindigkeit ausbreiten. D. h. wenn ein Astronaut auf dem Mond steht
und einfach nur „guten Tag“ sagt, dann kommt diese Nachricht erst 1,1
Sekunden später bei uns an. Die Sonne ist 150 Million Kilometer von uns
entfernt, und das Licht von ihr zu uns braucht 8 Minuten. D. h. wir sind 8
Lichtminuten von der Sonne entfernt. Der Jupiter ist fünf Mal so weit von
der Sonne entfernt wie die Erde, d. h. ein Astronaut, der gerade den Jupiter
umkreist, bekommt erst 40 Minuten später einen Lichtblitz von der Sonne. D.
h. also, wenn die Sonne jetzt ausginge – nur mal spekulativ, dann würden wir
das 8 Minuten später erst merken. Also das Sonnensystem insgesamt ist im
Bereich von einem halben Lichttag, also die Entfernung, die das Licht
ungefähr in einem halben Tag zurücklegt. Aber das ist immer noch nichts. Als
Astronom würde man sagen, da ist man noch nicht mal aus dem „Haus
rausgegangen“.
Die
Entfernungen zum nächsten Stern betragen vier Lichtjahre. Die Milchstraße,
eine große Scheibengalaxie, hat einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren.
D. h. also, eine Pizzabestellung von einem Ende der Galaxie zum anderen
dauert 100.000 Jahre.
Das ist übrigens etwas – nur mal am Rande bemerkt -, was mich bei vielen
Science Fiction-Geschichten so aufregt: Da fliegt ein Raumschiff irgendwo an
einen Rand der Milchstraße, dann gibt es an Bord eine Krise und der Captain
sagt zu seinem Leutnant „verbinden Sie mich mal mit der Zentrale“. Also
eigentlich, auch bei einer 45-Minuten-Sendung, müsste das ewig und drei Tage
dauern, bis die miteinander verbunden sind. Aber nein, die Zentrale ist
sofort da. Also man sieht schon, mit den Science Fiction-Geschichten ist das
alles nicht so einfach.
Kommen wir
wieder zurück zur Ausdehnung des Universums: Also unsere Milchstraße misst
100.000 Lichtjahre, der Abstand zur nächsten großen Milchstraße, zu
Andromeda, ist 2,2 Millionen Lichtjahre. D. h. wenn Sie jetzt mit einem
Feldstecher z. B. fast genau über Ihnen im Norden die Andromeda-Galaxie am
Himmel betrachten, dann sehen Sie etwas, was vor 2,2 Millionen Jahren
existiert hat. Ob die jetzt noch existiert, das können Sie gar nicht wissen.
Astrophysik ist immer Archäologie. Wir sehen immer nur Vergangenheit –
immer! Es gibt nichts anderes.
Man sieht schon, das Universum basiert auf riesigen Entfernungen. Das ist
also alles sehr sehr groß, und deswegen werden wir uns zunächst mal darauf
beschränken, die Anzahl der kommunikationsbereiten Zivilisationen in der
Milchstraße zu berechnen, um wieder zurück auf Green Bank zu kommen.
Vergessen Sie nicht, wir waren ja eben noch bei der Konferenz von 1960. Und
es geht offenbar auch nicht um Leben an sich. Wir werden weder über Pflanzen
noch über Würmer noch über Rauhaardackel noch über sonst irgendwas sprechen
können, noch nicht mal über Zivilisationen, die bis zu einer Dampfmaschine
gekommen sind. Sondern wir können nur über Zivilisationen sprechen, die auf
einem Planeten entstanden sind, die selber elektromagnetische Strahlung in
erheblicher Menge erzeugen, um sich damit – entweder gewollt oder ungewollt
– dem Universum bekannt zu machen. Wir tun das erst seit ungefähr 50 bis 60
Jahren durch unsere elektromagnetischen Strahlungsgeber, also Sender von
Radio, Fernsehen usw. Möglicherweise ist das ja auch tatsächlich ein Grund,
weshalb wir noch keinen Kontakt zu Außerirdischen bekommen haben; wenn es
denen nämlich gelungen sein sollte, einige unserer Fernsehprogramme zu
entziffern, dann sagen die sich möglicherweise, mit denen wollen wir gar
keinen Kontakt haben. Wer weiß?
Also wir werden nicht über Leben an und für sich sprechen können, weil wir
gar nicht wissen können – zumindest ist das momentan der Stand der Dinge -,
ob auf einem Planeten irgendwo Leben entstanden ist. Aber möglicherweise
können wir eine nicht-natürliche Strahlungsquelle am Himmel dadurch
herausfiltern, indem wir z. B. Schmalbandigkeit von Radiostrahlung usw.
feststellen. D. h. wenn ein sehr sehr intensiver Strahlungspuls kommt, dann
könnte es sich dabei um eine Quelle handeln, die von Außerirdischen
zusammengebaut wurde, nur um uns mitzuteilen: „Hey, wir sind hier“.
Zurück zur Konferenz:Wie haben die das damals im Rahmen dieser Konferenz
gemacht, wie haben die versucht auszurechnen, wieviel kommunikationsbereite
Zivilisationen in der Milchstraße existieren? Na ja, man sagt sich zunächst
einmal, auf welchen Himmelskörpern kann überhaupt Leben entstehen? Auf
Planeten. Der Planet braucht eine Energiequelle, und das ist ein Stern. Also
müssen wir erst mal darüber reden, wie viele Sterne bilden eigentlich so
eine Galaxie? Und wenn ein solches Planetensystem tatsächlich auch Planeten
hat, entwickelt sich auf jedem Planeten Leben? Entwickelt sich dieses Leben
immer zur Intelligenz? Wenn sich intelligentes Leben entwickelt hat, ist das
immer kommunikationsbereit? Und wie lange kann eine solche
kommunikationsbereite Intelligenz eigentlich tatsächlich existieren auf
einem Planeten? Und da kamen ganz verschiedene Zahlen heraus. Es ist ganz
interessant wenigstens einigen dieser Faktoren nachzugehen. Die Milchstraße
z. B. hat ein Alter von 10 Milliarden Jahren. Gehen wir mal davon aus, dass
wir eine typische Sternentstehungsrate haben von ungefähr einer Sonnenmasse
pro Jahr, d. h. die Milchstraße macht aus Gaswolken – das kann man auch in
aller Ruhe betrachten – Sterne. Sagen wir mal, sie macht eine oder zehn
Sonnenmassen pro Jahr. Und sagen wir, alles andere lesen wir mehr oder
weniger aus unserem Sonnensystem ab. Denn – und jetzt kommt der gesunde
Menschenverstand bei aller Fantasie, die man sich leisten kann – der gesunde
Menschenverstand sagt: Wenn wir überhaupt etwas lernen wollen, dann dürfen
wir uns selbst weder an die Spitze noch ans Ende der Tabelle stellen. Wir
sind weder die Besten im Universum noch die Schlechtesten, sondern wir sind
Otto-Normalverbraucher. So wie wir sind die Außerirdischen im Durchschnitt.
Wenn das aber so ist, dann können wir aus den Eigenschaften unseres
Sonnensystems ablesen: Was sind die durchschnittlichen Eigenschaften jedes
anderen Sonnensystems.
Wir haben einen Planeten in der bewohnbaren Zone. Was das ist, werden wir
noch klären. Diese bewohnbare Zone wird von einem Planeten besetzt, auf dem
Leben entstanden ist. Denn offenbar ist ja auf so einem Planeten, wenn er
die richtige Entfernung zur Sonne hat, Leben überhaupt kein Problem. Dieses
Leben entwickelt sich immer zu Intelligenz. Das ist Diskussionsgrundlage,
obwohl man das nicht so genau weiß. Kommunikationsbereitschaft ist auch
nicht immer da. Es gibt einfach Menschen, mit denen kann man nicht reden.
Und das kann man sogar auf Zivilisationen übertragen. Und wie lange lebt
eine solche kommunikationsbereite Zivilisation?
Diese Überlegungen fanden im Rahmen der Konferenz statt. Das war 1960. 1960
war der Kalte Krieg. Wie lange lebt eine kommunikationsbereite Zivilisation
auf einem Planeten? Es gab durchaus einige Wissenschaftler bei der Green
Bank-Konferenz, die gesagt haben, länger als 100 Jahre wird eine
Hochtechnologie auf einem Planeten nicht überleben, dann kommt der atomare
Schlag und es ist Feierabend. Und die anderen haben gesagt, ach was, diese
Auseinandersetzung zwischen den politischen Blöcken wird schon vergehen, und
wir werden es schaffen, mindestens so lange zu leben wie die Sonne, nämlich
im Bereich von Milliarden Jahren. D. h. wir haben da eine unglaubliche
Bandbreite. Aber was die astrophysikalischen bzw. sogar die soziokulturellen
Faktoren dieser Formeln betrifft, ist was ganz Interessantes aufgetaucht.
All diese Probleme führten letztlich zu der Frage, wieviele
kommunikationsbereite Zivilisationen werden tatsächlich auf einem Planeten
entstehen?
Wieviele sind denn bis jetzt auf der Erde entstanden? Die Antwort ist
relativ einfach. Es sind, wenn wir großzügig sind, 10 Hochkulturen auf
diesem Planeten da gewesen. Und nur eine einzige Hochkultur hat es
geschafft, den gesamten Planeten von Norden bis Süden und von Osten nach
Westen zu beackern. Und das ist die abendländische. Die Chinesen z. B. haben
riesengroße Dschunken gebaut, unglaublich große Schiffe, sind bis nach Saudi
Arabien gefahren, haben sich aber dann aus irgendwelchen Gründen überlegt,
wir fahren wieder nach Hause. Und haben nie wieder Entdeckungsreisen
unternommen. Aber die Europäer haben den gesamten Planeten wirklich komplett
durchforstet. Was im übrigen damals auch schon zu der Auffassung führte,
dass wir aufpassen sollten mit den Vorschlägen, Sender zu bauen, um uns den
Außerirdischen mitzuteilen. Denn wenn die anderen so sind wie wir, dann
wissen sie natürlich auch, dass es ein erheblicher Unterschied ist, ob man
Entdecker ist oder Entdeckter, also zu den Gewinnern gehört oder zu den
Verlierern. Das kann man an der Menschheitsgeschichte ablesen. Es stellte
sich also heraus, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine Hochkultur auf
einem Planeten tatsächlich kommunikationsbereit ist in dem Sinne, dass sie
neugierig ist auf das Weltall, dass sie anfängt, Raumfahrt zu betreiben,
Technologien zu entwickeln usw., dass diese Wahrscheinlichkeit nicht
besonders groß ist ist. Sondern dass es durchaus Zivilisationen gegeben hat,
die alles mehr oder weniger für den Schreibtisch oder die Schublade
entwickelt haben und nur an bestimmten rituellen Festen freigelassen haben,
diese Kulturen haben sich abgeschottet. Daran muss man denken.
Also die Anzahl der kommunikationsbereiten Zivilisationen lag für die einen
Experten in der Gegend von mehreren Millionen und für die anderen in der
Gegend von 1. Die entscheidende Zahl, die dieses Konferenz-Ergebnis am
deutlichsten beeinflusst hat, war die Anzahl der Jahre, die eine solche
kommunikationsbereite Zivilisation sich dem Universum überhaupt mitteilt.
Wenn nämlich die Zivilisation relativ schnell wieder verschwindet, also
schon nach 100 Jahren, dann hätte eine nachfolgende Generation überhaupt
keine Chance mehr festzustellen, dass es diese Kultur mal gegeben hat. Die
Kulturen müssen also lange genug leben, damit wir überhaupt eine Chance
haben, sie im Universum zu bemerken. Ansonsten wird überhaupt nichts
passieren.
Das Resultat dieser Green Bank-Konferenz war dann, dass man angefangen hat,
Radioteleskope zu verwenden, um nach außerirdischen Zivilisationen zu
suchen. Man hat also gesucht und gesucht, aber dabei ist nichts heraus
gekommen! Gar nichts! Möglicherweise muss man Tausende von Jahre das
Universum abhorchen, um überhaupt mal ein Signal von einer außerirdischen
Zivilisation zu finden. So war zumindest die Meinung einiger Experten, die
nach 20 Jahren vergeblichen Bemühens gemeint haben, möglicherweise müsste
man nach unseren Rechnungen 5000 bis 6000 Jahre suchen, bis man überhaupt
eine vernünftige Chance hat, die anderen zu finden. Wie dem auch sei – es
ist nichts entdeckt worden.
Aus dieser Nicht-Entdeckung haben einige schon geschlossen, es gibt keine
anderen Zivilisationen im Weltall. In diesem Zusammenhang gibt es überhaupt
interessante Argumente, wie sie zuerst von Enrico Fermi in den 50-er Jahren
schon entwickelt worden sind. Der hat sich folgendes überlegt, und daran
müssen wir immer denken, wenn wir jetzt in Zukunft in der Astrophysik über
die Frage „Sind wir allein im Universum?“ überhaupt sprechen: Wenn es die
anderen gibt und die sind schon seit Milliarden Jahren da, dann verfügen sie
über ein Wissen und eine Erkenntnis und Weisheit, die ungeheuerlich sind.
Dann ist es ihnen sicherlich auch gelungen, interstellare Raumfahrt zu
betreiben, also sich mit annähernd Lichtgeschwindigkeit durch den Weltraum
zu bewegen und andere Planeten zu kolonisieren usw. Und da kann man
ausrechnen, wenn man dieses Modell annimmt, dass sich eine außerirdische
Intelligenz quasi wie ein Virus über die Milchstraße verteilt hat. Das
dauert ungefähr 30 bis 40 Millionen Jahre, bis die Milchstraße komplett
kolonisiert ist, indem Generationen in Raumschiffen auf den Weg geschickt
werden, die treffen auf einen Planeten, und verbreiten sich auf diese Art
und Weise über die gesamte Milchstraße. Wenn man sich jetzt überlegt, dass
die Milchstraße 10 Milliarden Jahre alt ist und eine Kolonisationsphase etwa
30 Millionen Jahre dauert, dann sind schon mehrere Kolonisationsphasen über
die gesamte Milchstraße gegangen. Eigentlich müsste der interstellare Raum
nur so wimmeln von Zivilisationen, und zwar von solchen, die gerade dabei
sind sich zu entwickeln, solche die auf ihrem Höhepunkt stehen und viele,
die gerade dabei sind zu zerfallen.
Leider ist bis heute überhaupt nichts von irgendwelchen Zivilisationen
bemerkt worden. Und um dieses Problem zu umgehen, haben einige Leute gesagt,
ja vielleicht sind wir in einem galaktischen Zoo. Vielleicht gucken die
Außerirdischen nur immer mal von draußen und möchten uns in Ruhe lassen,
damit wir uns entwickeln können. Das ist natürlich eine interessante, sehr
fantasievolle Erklärung, aber was soll man damit anfangen? Wir müssen
aufpassen, dass wir bei der Frage „Sind wir alleine im Universum?“ mit
unseren Argumenten nicht übers Ziel hinausschießen.
Also – Resultat: Es wurde gesucht und es wurde nichts gefunden! Gar nichts.
Es wird heute noch gesucht. „SETI at home“ ist ein großes wichtiges
Programm, an dem sich Menschen mit ihrem Personal Computer zuhause sogar
beteiligen können, d. h. wir haben wirklich jede Menge Rechenleistung auf
dem Planeten Erde zur Zeit, die dazu verwendet wird, Außerirdische zu
suchen. Aber es wurde nichts gefunden.
Wie kann das sein? Damals in Green Bank gab es drei verschiedene Klassen von
Teilnehmern: Es gab die Optimisten, die sagten, wir werden Hunderte von
Millionen von außerirdischen Zivilisationen treffen; es gab die Pessimisten,
die sagten, nein, wir sind mehr oder weniger allein; und es gab diejenigen,
die eine zurückhaltend optimistisch-pessimistische Meinung hatten, na ja,
vielleicht finden wir ja doch ein paar. Kann es sein, dass selbst die
Pessimisten damals noch viel zu optimistisch gewesen sind? Denn wenn man
sich die Zahlen anschaut, die damals verwendet worden sind, dann könnte es
sein, dass das astronomische und astrophysikalische Know-how einfach noch
nicht gut genug war, um tatsächlich einigermaßen verlässliches Datenmaterial
zusammen zu stellen, um der Frage „Sind wir allein im Universum?“
nachzugehen.
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<<Prof. Harald
Lesch:
Begegnungen mit der Dritten Art –Gibt es außerirdische Intelligenz? Teil 2
Warum es die Erde nur einmal gibt>>
SWR2 AULA
Redaktion: Ralf Caspary, Susanne Paluch;
Sendung: Sonntag, 16. Januar 2005, 8.30 Uhr, SWR 2.
Bitte beachten Sie:
Das Manuskript ist ausschließlich zum persönlichen, privaten Gebrauch
bestimmt.
Jede weitere Vervielfältigung und Verbreitung bedarf der ausdrücklichen
Genehmigung des Urhebers bzw. des SWR.
Sind alle Sterne im Universum dazu geeignet, die Entwicklung von Leben zu
ermöglichen? Sterne entstehen aus Gaswolken. Wenn eine Gaswolke unter ihrem
eigenen Gewicht zusammenbricht, dann entstehen Sterne. Es gibt große und
kleine Sterne. Die großen Sterne fusionieren, also verschmelzen; ihre
Prozesse im Inneren verlaufen sehr sehr viel schneller als die Prozesse bei
den kleinen Sternen. Warum? Weil ein Stern ein Gleichgewicht-Gebilde ist.
Also: Die Schwerkraft des Sterns zieht alles nach innen, und während der
Verschmelzung von Atomkernen wird Energie frei. Dadurch wird wiederum ein
Druck aufgebaut, der nach außen drückt. Das Gleichgewicht dieser beiden
Kräfte, der Schwerkraft nach innen und der Druckkraft nach außen, lässt den
Stern in einer gewissen Balance. Und solange diese Balance in Ordnung ist,
wird der Stern einfach nur scheinen und strahlen. Das ist genau das, was die
Sonne seit 4 ½ Milliarden Jahren tut und auch noch mindestens weitere 4 ½
Milliarden Jahr tun wird. Also wir können ganz beruhigt sein, die Sonne ist
in einem hervorragenden Zustand.
Das, was ich eben erläutert habe, bedeutet aber auch, dass ein sehr schwerer
Stern einen sehr viel höheren Druck in seinem Inneren hat als ein leichter
Stern. Ein höherer Druck heißt eine höhere Temperatur, und bei höherer
Temperatur verlaufen die Fusionsprozesse sehr viel schneller als bei
niedrigen Temperaturen. Auf diese Art und Weise verbrennt ein Stern von 50
Sonnenmassen seinen Wasserstoff innerhalb von wenigen Millionen Jahren,
während unsere Sonne eine Lebensdauer von 10 Milliarden Jahren hat. Das
heißt also: Ein großer Stern ist heiß, ein kleiner Stern ist kühl, ein
großer Stern lebt kurz, ein kleiner Stern lebt lang.
Die Kernfusion ist die entscheidende Energiequelle. Allerdings hört dieser
Fusionsprozess irgendwann auch auf, und zwar genau dann, wenn in einem Stern
gewisse Elemente entstanden sind. Die ganz großen Sterne - und darauf will
ich zunächst mal kommen - sind wichtig, denn sie explodieren und geben dem
Universum die Möglichkeit, in einem großen Materie-Kreislauf überhaupt erst
mal wieder Planeten zu machen, Planeten mit einer festen Oberfläche so wie
unsere Erde. Wir stehen ja hier auf der Erde auf Silizium, Magnesium,
Aluminium, Eisen und Nickel. Ich bin hier in einem Studio, mir gegenüber
sitzt jemand, eine Kohlenstoffeinheit müsste man als Physiker sagen.
Menschen sind nichts anderes als Kohlenstoffeinheiten. Kohlenstoff,
Stickstoff, Sauerstoff, ein bisschen Phosphor, Fluor in den Zähnen, Jod in
der Schilddrüse, Kalzium in den Knochen usw. Das ist eigentlich alles. Und
noch viele andere Spurenelemente. Aber all diese Elemente müssen ja irgendwo
her kommen. Sie sind nicht von Anfang an hier gewesen. Sie sind enstanden
durch mindestens eine, möglicherweise mehrere Explosionen von Sternen.
Und was
passiert eigentlich, wenn eine Super Nova explodiert? Die Hüllen, die mit
den schweren Elementen angereichert sind, werden mit Geschwindigkeiten von
bis zu 20.000 km pro Sekunde ins Universum geschossen. Auf Aufnahmen kann
man sehen, dass tatsächlich die gesamte Bandbreite der chemischen Elemente
des Periodensystems von den Sternen geliefert wird. Diese Super Novae haben
eine sehr sehr kurze Lebensdauer. Dieser Materie-Kreislauf in unserer
Milchstraße, den ich eben beschrieben habe, pumpt mit einem Schlag-Rhythmus
von 30 Millionen Jahren immer wieder schwere Elemente ins Universum zurück.
Und jetzt kommt’s: Sie können sich vorstellen, wenn so ein Stern explodiert,
bleibt in der Nähe „kein Auge trocken“. Auf einem Planet in der Nähe einer
Super Nova wird sicherlich nie Leben entstehen können. Warum nicht? Weil
dieser Stern so wahnsinnig heiß war, dass er sein Maximum an Leuchtkraft im
UV-Bereich hat. Und diese Strahlung verhindert, dass sich Moleküle
zusammenbauen, dass sie zu komplexen Molekül-Strukturen werden, wie wir
Menschen das z. B. darstellen. Wir sind eine außerordentlich komplexe
Molekül-Ansammlung und wir könnten nicht in einer Welt leben, die ständig
unter Ultraviolett-Beschuss steht. Aber davon einmal abgesehen: eine Super
Nova ist eine absolut tödliche Angelegenheit für komplexes Leben in einem
Radius von 30 Lichtjahren, denn bei einer Super Nova-Explosion wird auch
Gamma-Strahlung frei. Und dieser Gamma-Blitz wäre enorm. Für die Erde würde
das bedeuten, dass nicht nur erhebliche Schäden des organischen Materials da
wären, sondern z. B. auch große Teile der Ozonschicht abgebaut werden und
dadurch Lachgas in großen Mengen entsteht.
Summa
summarum: Super Novae haben zwei Seiten einer Medaille. Eine Seite ist die
positive: Sie haben dafür gesorgt, dass es überhaupt schwere Elemente im
Universum gibt, dass neue Gaswolken zur Verfügung stehen, um zu Sternen zu
werden. Auf der anderen Seite sind Super Novae aber auch echte Killer. Vor
allen Dingen aber sind sie völlig ungeeignet für die Entstehung von Leben,
weil sie sich viel zu kurz entwickeln. Wenn wir auf der Erde - nach dem
Prinzip der Durchschnittlichkeit - der Durchschnitt sind, dann dauert die
Entwicklung bis zum intelligenten Lebewesen auf einem Planeten 4 ½
Milliarden Jahre.
Das heißt also, wir können bei der Frage, ob es außerirdische Intelligenz
gibt, keine Sterne berücksichtigen, die nicht mindestens 4 ½ Milliarden
Jahre leben. Das heißt, dass man die Sterne, die schwerer sind als 1,2
Sonnenmassen, komplett „ausschalten“ muss. Diese sind für unsere Diskussion
völlig uninteressant, denn sie entwickeln sich viel zu schnell, können also,
wenn das Prinzip der Durchschnittlichkeit angewendet wird, überhaupt nicht
berücksichtigt werden.
Es gibt noch eine andere Schranke: Sterne, die kleiner sind als 0,8
Sonnenmassen, können ebenfalls nicht berücksichtigt werden, weil deren
Strahlung zu schwach ist. Die sind so kühl, dass sie hauptsächlich im Rot-
bzw. Infrarot-Bereich strahlen. Und Sie wissen ja, wenn Sie Hunger haben,
können Sie sich nicht in eine Mikrowelle legen, obwohl Sie möglicherweise
durch die Mikrowellenstrahlung jede Menge Kalorien durch Ihre Haut aufnehmen
würden, Sie werden nicht satt. Warum nicht? Weil wir Menschen darauf
angewiesen sind, Energien in einer ganz bestimmten Art und Weise
aufzunehmen. Es nützt überhaupt nichts, einen Stern um einen Planeten herum
anzubieten, der eben nur im Infrarot-Bereich strahlt. Außerdem werden wir
sehen, dass ein Planet so nah an den Stern herankommen muss, dass er in
seinen Eigenschaften außerordentlich dramatisch beeinflusst wird.
Unsere Betrachtung zeigte bereits, dass man bei der Anzahl der Sterne im
Universum schon Einschränkungen machen kann, die naturwissenschaftlich
absolut seriös sind. Das ist kein Science Fiction, sondern wir können klipp
und klar sagen: Da die Naturgesetze im Universum überall gültig sind, werden
auch die Sterne überall so funktionieren, wie wir es bisher gekannt haben.
Es wird keine Sterne geben, die diesen Naturgesetzen, die wir kennen,
widersprechen. Sondern sie werden tatsächlich als Fusionsreaktoren so
funktionieren, wie ich das Ihnen erzählt habe. Dann ist klar, dass alle
schweren Elemente aus diesen Sternen kommen, aber dass irgendwann für einen
Stern auch mal Schluss ist und seine Lebenserwartung extrem davon abhängt,
wie schwer er ist. Wenn er zu schwer ist, stirbt er zu schnell und kann nach
dem Prinzip der Durchschnittlichkeit auch nicht die Entwicklung von Leben
ermöglichen.
Übrigens habe ich Ihnen gerade den ersten Chauvinismus „unter die
Großhirnrinde gejubelt“, und zwar mit der Geschichte, dass wir der
Durchschnitt sind. Sie wissen ja, Chauvinismus ist der Glaube an die
Überlegenheit der eigenen Gruppe. Und wenn wir als Naturwissenschaftler über
das Thema „Sind wir allein im Universum?“ sprechen, müssen wir gewissen
Annahmen machen. Und die erste Annahme war, dass wir der kosmische
Durchschnitt sind. Wenn wir der kosmische Durchschnitt sind, dann gibt es
den sogenannten G-Stern-Chauvinismus: Es muss sich nämlich, wenn wir nach
den Bedingungen von Leben suchen, um einen Stern handeln wie unsere Sonne,
ein sogenannter G-Stern. Diese Sterne sind die einzigen Sterne, die
wahrscheinlich Leben tragen können, weil sie genau die richtige
elektromagnetische Strahlung abgeben. Die
Sonne ist ein
Stern, der heute mit 4,5 bis 4,6 Milliarden Jahren eine
Oberflächentemperatur von 6.000 Grad hat. Sie hat eine Masse von 300.000
Erdmassen. Ihr Radius ist 700.000 km. Darunter kann man sich kaum etwas
vorstellen, deshalb vielleicht eine andere Zahl: Wenn man mit einer Boeing
747 die Sonne umkreisen wollte, müsste man zwei Monate fliegen. Eines Tages
wird die Sonne sterben, nämlich dann wenn sie im Inneren ihren Wasserstoff
zu Helium verbrannt hat bzw. ihr Helium zu Kohlenstoff und vielleicht zu
etwas Sauerstoff. Die Sonne wird als kleiner weißer Zwerg, der ungefähr so
groß ist wie die heutige Erde, also ein paar Tausend Kilometer im Radius
hat, für immer verglühen.
Es stellt sich die Frage, welche Eigenschaften hat denn unser
Planetensystem? Wenn Sie sich vorstellen:
Die
Milchstraße ist 10 Milliarden Jahre alt,
also fast so alt wie das Universum. Und in dieser Milchstraße haben sich
ständig Sterne in chemische Elemente verändert. Diese chemischen Elemente
sind teilweise an das interstellare Medium, also an das Material zwischen
den Sternen, zurückgegeben worden. Und es braucht natürlich erst mal eine
gewisse Zeit, bis eine Milchstraße genügend schwere Elemente hat, damit in
ihr genügend Planeten-Systeme entstehen können. Am Anfang bestanden alle
Sterne nur aus Wasserstoff und Helium, da konnten überhaupt keine
Planetensysteme existieren. Und möglicherweise sind wir heutzutage, das ist
eine der Thesen, die in der Astrophysik ernsthaft diskutiert werden, die
Ersten in der Milchstraße, die zu lebendigen Wesen geworden sind, weil
vorher noch gar nicht genügend Elemente da waren, um überhaupt auf einem
Planeten Leben erzeugen zu können.
Aber kommen wir zurück zu unserer Sonne. Was könnte an unserer Sonne
besonders interessant sein? Nun, unsere Sonne ist einer von vielen
G-Sternen. Es gibt etwa 100 Millionen G-Sterne, allerdings sind ungefähr 75
Prozent davon Doppel- oder Dreifach-Systeme, d. h. da drehen sich Sterne
umeinander. Da kann man sich schon vorstellen, dass es verdammt schwierig
ist für Planeten, in einem Doppel-System zu existieren, weil die Teilchen
entweder auf den einen Stern fallen oder auf den anderen. Auf jeden Fall
gibt es so gut wie keine Möglichkeit, dass ein Planeten-System wie unseres
in einem Doppel-System aufgebaut werden kann. Also können wir diese
Doppel-Systeme aus unseren Überlegungen herausnehmen.
Unsere Sonne
hat als Begleiter die Planeten. Die Planeten bieten nur 1 Prozent der
Gesamtmasse an, 99 Prozent der Masse des Sonnensystems ist in der Sonne.
Allerdings haben die Planeten 99 Prozent des Drehimpulses, also der
Rotationsenergie, während die Sonne so gut wie überhaupt keine Drehenergie
mehr hat. Sie dreht sich sehr langsam, am Äquator mit 25 Tagen, am Pol mit
30 Tagen.
Die interessante Frage lautet nun: Wie hat die Sonne es geschafft, ihre
Rotationsenergie an die Planeten abzugeben? Denn es gilt der
Drehimpuls-Erhaltungssatz. Denken Sie an Eiskunstlauf: Wenn sich ein
Eiskunstläufer auf dem Eis dreht und die Arme anzieht, wird er schneller.
Das hat damit zu tun, dass der Drehimpuls tatsächlich nicht verloren gehen
kann. Der bleibt da. Der Drehimpuls hat etwas damit zu tun, wie groß so ein
System wird.
Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Gaswolke, die ganz langsam rotiert. Und
diese Gaswolke schrumpft unter ihrem eigenen Gewicht zusammen. Was macht der
Drehimpuls? Die Rotationsgeschwindigkeit wird immer größer. Wenn aber so
eine Gaswolke tatsächlich zum Stern werden soll, dann ist eine zu große
Drehung ein Hemmnis. Das kennen alle, die mal Karussell gefahren sind. Wenn
das Karussell sich richtig dreht, dann tritt eine Kraft auf, die uns nach
außen reißt. D. h. also, der Kollaps eines Sterns, einer Gaswolke würde
behindert werden, wenn die Wolke sich zu schnell dreht. Also irgendwie muss
der Stern bzw. die Wolke es geschafft haben, den Drehimpuls auf die Planeten
außen herum zu verteilen. – Und denken Sie immer daran: Der Außerirdische
ist auch nur Mensch. Bei dem ist es ganz genauso gelaufen.
Ein Planetensystem um einen Stern herum wird immer in einer Scheibe sein,
und wenn jetzt der Drehimpuls um diese Planeten zu gering ist, dann hat man
ein Riesenproblem. Denn die Bahn eines Planeten um seinen Stern hängt ab von
seiner Drehgeschwindigkeit um seinen Stern. Wenn ein Planet sich zu langsam
dreht, muss er näher ran, denn die Planetenbahn in unserem und in jedem
anderen Sonnensystem ist wieder eine Gleichgewichtssituation: Die
Zentrifugalkraft nach außen, die Schwerkraft nach innen. Wenn der Stern
nicht in der Lage ist, seinen Drehimpuls an die Umgebung abzugeben und die
Planeten sich zu langsam drehen, dann werden sie alle sehr sehr nah an ihrem
Stern sein. Und wenn sie alle sehr nah an ihrem Stern sind, wird es sehr
heiß. Sehr heißt bedeutet: Es gibt kein Leben.
Also: eine
unbedingte Voraussetzung für die Entwicklung von Leben in einem
Planetensystem ist, dass es dem Stern gelungen ist, seinen Drehimpuls an die
Umgebung abzugeben. Aber nicht nur das. Der Planet selbst muss sich auch
noch schnell genug um seine eigenen Achse drehen, so dass die eine Seite
nicht immer „durchgeglüht“ wird und die andere Seite eiskalt ist.
Jetzt können Sie natürlich sagen, es gibt ja immer noch den
Übergangsbereich. Aber gerade der Übergangsbereich ist eine absolute
Katastrophe, weil die Druck- und Temperaturverhältnisse dafür sorgen, dass
dort wahnsinnige Winde wehen. Also wir brauchen Planeten, die sich schnell
genug um ihre eigene Achse drehen, aber auch schnell genug um ihren Stern,
damit sie weit genug von ihrem Stern weg sein können. Das ist der Punkt, auf
den ich eigentlich hinaus will:
Die
Leuchtkraft der Sonne entscheidet darüber, in welchem Abstand von ihr es
eine Zone gibt, die man als bewohnbare Zone definiert.
Die Sonne ist etwas Besonderes in dem Sinne, dass sie es geschafft hat,
ihren Drehimpuls an ihre Umgebung abzugeben. Die Sonne ist etwas Besonderes,
weil sie in einer Umgebung in der Milchstraße aufgetaucht ist, in der es
offenbar keine Explosion von anderen Sternen gegeben hat. Alle
Gesteinsuntersuchungen weisen darauf hin, dass es, seitdem die Erde
existiert, keine großen Sternexplosionen mehr in der Nähe gegeben hat. Und
die
Sonne ist etwas Besonderes, weil offenbar ihre Position in der Milchstraße
außerordentlich bemerkenswert ist. Denn eigentlich sollte sie alle 100 bis
200 Millionen Jahre immer mal wieder in die Nähe einer Gaswolke kommen, in
der Sterne entstehen, und damit auch solche, die explodiert sind. Aber das
ist eben nicht passiert. Wir sind also in einem System – ich sage immer in
einem galaktischen Hinterhof -, der außerordentlich angenehm und ruhig ist.
Aber die Leuchtkraft der Sonne war und ist nicht konstant. Früher war die
Sonne viel kühler. Als sie etwa 1 Milliarde Jahre alt war, hatte sie nur
drei Viertel der Leuchtkraft von heute. Und trotzdem hat der Planet Erde es
geschafft, dass seine mittlere Temperatur von ungefähr 15 - 20 Grad Celsius
ziemlich gut und konstant gehalten wird. Was ist da passiert?
Worauf ich eigentlich hinaus möchte, ist der Begriff der „habitablen“ Zone,
der bewohnbaren Zone. Dazu müssen wir uns die Kandidaten im Sonnensystem mal
anschauen, die möglicherweise am Rand der bewohnbaren Zone stehen, damit Sie
wissen, was ich mit dem Begriff der bewohnbaren Zone meine. Das ist nämlich
der Temperaturbereich um die Sonne herum, in der Wasser nicht mehr gefroren
ist und noch nicht gasförmig ist, also zwischen 0 und 100 Grad Celsius auf
der Planetenoberfläche. In unserem Fall gibt es genau drei Planeten. Das
sind: Venus (innen), Erde (Mitte) und Mars (außen).
Die Venus ist ein interessantes Beispiel dafür, was mit einem Planeten
passiert, der Pech gehabt hat. Anders kann man es nicht formulieren. Denn
sie ist eigentlich ein ziemlich guter Zwilling der Erde. Sie hat fast die
gleiche Masse und die gleiche Größe. Aber sie dreht sich so gut wie nicht.
Mit ihr ist also etwas passiert, von dem wir nicht wissen, was es war.
Möglicherweise ein Zusammenstoß mit einem anderen Himmelskörper. Auf jeden
Fall dreht sich die Venus fast gar nicht. Bis in die 60-er Jahre hinein war
die Venus eigentlich der beliebte Kandidat für die Science Fiction-Autoren,
die meinten, dort würden Venusianer und Venusianerinnen ein wunderbares
Leben führen, dort sei es schön warm wie zu Zeiten der Dinosaurier. Aber
leider – alles Blödsinn! Die Russen haben Sonden (Venera-Sonden)
hingeschickt, die die Temperaturen gemessen haben: 450 Grad Celsius
Oberflächentemperatur, 90 Atmosphären-Druck, Schwefelsäurewolken, kein
flüssiges Wasser, die ganze Atmosphäre ist voller Kohlendioxid. Was ist da
passiert? Womöglich ein galoppierender Treibhauseffekt. Dieser galoppierende
Treibhauseffekt hat die mittlere Gleichgewichts-Temperatur der Venus von 450
Grad Celsius aufgeheizt. Da gibt es kein Leben.
Der Mars wiederum ist ein Planet, der viel zu klein ist, um eine
Planetenatmosphäre zu halten. Der hat nämlich nur ein Zehntel Erdmasse, er
ist also in gewisser Weise „Atmosphären-inkontinent“. Er hat so gut wie kein
Wasser, auf keinen Fall jedoch flüssiges Wasser, weil der Druck an seiner
Oberfläche so niedrig ist wie bei uns in 48 km Höhe. Nur mal als Beispiel:
Wenn ein Marsianer atmet und mit einem Atemzug so viele Atome aufnehmen
würde wie wir, dann müsste dieser arme Marsianer einen Brustkorb haben so
groß wie ein ICE-Waggon. Deswegen habe ich schon mal vorgeschlagen, immer
mal wieder zu gucken, ob sich nicht große Mengen von ICE-Waggons auf der
Marsoberfläche gerade hin- und herbewegen, wenn sie dort oben z. B.
fußballspielen. Stellen Sie sich mal vor: 50000 ICE-Waggons sind gerade auf
dem Weg zum Münchener Olympia-Stadion! Dass man die noch nicht gefunden hat,
bedeutet wohl, dass es so große Marsianer nicht gibt. Aber Spaß beiseite:
Der Mars hat offenbar keine Anzeichen von Leben. Er ist sehr kalt, mittlere
Temperaturen von 60 bis 70 Grad Celsius unter Null sind normal. Wenn Sie
sich überlegen, dass auf unserem Planeten die mittlere Temperatur 15 Grad
Celsius ist – und welche Spannbreite haben wir! Von minus 70 bis plus 70
Grad. Da können Sie sich vorstellen, was eine mittlere Temperatur von minus
70 Grad Celsius bedeutet. Das muss unglaublich kalt sein. Und genau das ist
der Fall.
Man kann ein nettes Spiel spielen und sich fragen: Wie weit kann man die
Erde weiter nach innen zur Sonne bringen, so dass sie zur Venus wird, oder
wie weit kann ich die Erde nach außen bringen, um sie zum Mars werden zu
lassen? Dann stellt man fest, dass dieser Bereich sehr sehr klein ist. Das
sind nur wenige Prozent. Wenn die Erde zu nah an der Sonne wäre, hätte sie
einen galoppierenden Treibhauseffekt erlebt. Sie wäre sehr heiß geworden.
Wenn sie zu weit weg gewesen wäre, wäre sie sehr kalt geworden,
möglicherweise komplett vergletschert.
De facto ist festzustellen: Wenn wir der kosmische Durchschnitt sind, dann
bräuchte ein Planet einen Trabanten, wie die Erde ihn hat. Wir haben einen
außerordentlich großen Trabanten, nämlich den Mond. Ich behaupte, es gäbe
uns nicht, wenn es keinen Mond gäbe. Ganz einfach. Wenn der Mond nicht da
wäre, würde die Erde sich heute mit 9 bis 10 Stunden um die eigene Achse
drehen. Warum? Weil der Mond durch die Gezeitenreibung die Erde in ihrer
Eigenrotation von den zunächst 6 bis 7 Stunden auf die heutigen 24 Stunden
abgebremst hat. Wenn der Mond nicht da wäre, würde nur die Gezeitenreibung
der Sonne auf die Erde wirken, dann hätten wir heute nur 9 bis 10 Stunden.
Sie werden sagen, na ja gut, dann wäre der Tag kürzer, so what? Das Wetter
auf einem Planeten, meine Damen und Herren, hängt extrem davon ab, wie
schnell er sich dreht. Wenn wir den Mond nicht hätten, würde sich die Erde
mit 9 bis 10 Stunden drehen und wir hätten hier Winde zwischen 300 und 400
km/h. D. h. wenn es Lebewesen auf unserem Planeten gäbe, wären sie in jeder
Hinsicht sehr flach. Und wir wären sicherlich nicht da. Wenn der Mond nicht
da wäre, gäbe es uns nicht – und außerdem würde auch die Rotationsachse der
Erde schwanken.
Was braucht ein Planet wie die Erde noch, damit dort überhaupt Leben
entstehen kann? Wir brauchen einen Jupiter. Der Jupiter ist Ihnen vielleicht
bis jetzt noch gar nicht weiter aufgefallen. Der Jupiter ist fünf Mal so
weit von der Sonne entfernt wie die Erde. In einer Simulation am Computer im
Jahr 1998 hat man den Jupiter aus dem Sonnensystem herausgenommen und sich
gefragt, was passiert eigentlich mit all den Gesteinsbrocken, die von außen
ins Sonnensystem eindringen, wenn der Jupiter nicht da ist? Wenn der Jupiter
nicht da wäre, hätten wir alle 100.000 bis 200.000 Jahre den Einschlag eines
10 km großen Brockens auf der Erde.
Jupiter ist doppelt so schwer wie alle anderen Planeten zusammen, und er ist
in der Tat ein Schutz für die Erde. Denn er „saugt“ praktisch alle
Eindringlinge von außen durch seine Schwerkraft auf.
Also man muss tatsächlich ein System haben, in dem ein sehr schwerer Planet
– ich sage es noch einmal, Jupiter ist doppelt so schwer wie alle anderen
Planeten zusammen (um Haaresbreite wäre er ja ein eigener Stern geworden) –
weit genug von dem Stern entfernt ist, damit ein kleiner Planet in der
bewohnbaren Zone, also näher am Stern dran, sich entwickeln kann. Natürlich
werden Sie sagen, ein Einschlag von einem Asteroiden bedeutet ja nicht
automatisch das Ende von Leben auf einem Planeten. Aber es bedeutet doch
eine erhebliche Veränderung. Es kann zu einer Beschleunigung führen oder zu
einem völligen Zusammenbruch der kosmischen Evolution.
Weiter:
Der
Treibhauseffekt auf einem Planeten ist ganz wichtig. Der Planet darf nicht
zu schwer sein, sonst ist die Schwerkraft zu stark und der Druck auf die
Gesteinsschichten so hoch, dass möglicherweise zu viel CO2
ausgegast wird und damit hätte man wieder die Möglichkeit, dass sich ein
galoppierender Treibhauseffekt entwickelt. Der Planet darf aber auch nicht
zu klein sein. Sonst kann er keine Atmosphäre halten. Eine Atmosphäre ist
natürlich eine ganz wichtige Voraussetzung. Ohne Atmosphäre kann kein
Lebewesen entstehen und existieren. Der Planet muss eine kreisförmige
Umlaufbahn um einen Stern herum haben.
In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass die Erde einem
galoppierenden Treibhauseffekt wahrscheinlich nur deswegen entgangen ist,
weil auf sie, kurz nachdem sie entstanden ist und ihre Oberfläche noch
ziemlich flüssig war, ein Asteroid eingeschlagen ist, der doppelt so schwer
war wie der Mars, also ungefähr 20 Prozent Erdmasse hatte. Er ist streifend
eingeschlagen und hat sich dadurch mehr oder weniger völlig zerstört. Große
Teile der Erdkruste wurden herausgeschleudert, und es entstand in einem
Abstand von 60.000 km, also 10 Erdradien, der Mond. Das wissen wir aus den
Gesteinsproben, die die amerikanischen Astronauten vom Mond mitgebracht
haben. Wenn dieser Einschlag nicht gewesen wäre, hätte die Erde heute zuviel
Kohlendioxid. Das zumindest ist die Vermutung etlicher Planetologen.
Außerdem hat der Einschlag von damals der Erde soviel Energie im Inneren
„injiziert“, dass die Konvektionsbewegungen der tektonischen Platten bis
heute dadurch angetrieben werden.
Summa summarum können wir eine ganze Reihe von Bedingungen angeben, die
letztlich die Existenz von Außerirdischen in bestimmten Bereichen gar nicht
mehr so wahrscheinlich erscheinen lassen. Man kann tatsächlich zeigen, dass
die Strahlung von Sternen, die kleiner sind als die Sonne - und das sind
fast 99 Prozent -, zu schwach ist. Will man einen Planeten in die habitable
Zone bringen, dann ist die Entfernung zu diesem kleinen Stern so gering,
dass er in seiner Eigendrehung gnadenlos abgebremst wird und dem Stern immer
die gleiche Seite zeigt. D. h. wir haben bei der überwiegenden Anzahl aller
Planetensysteme im Universum fast überhaupt keine Möglichkeit, einen
Planeten in einer habitablen Zone zu haben.
Der Hammer
kommt aber jetzt: Als die Sonne vor 4,5 Milliarden Jahren entstanden ist,
war die große Stern-Entstehungsparty im Universum schon lange vorbei. Die
fand nämlich etwa 2 Milliarden Jahre nach dem Urknall statt. Damals, 2
Milliarden Jahre nach dem Urknall, sind Sterne entstanden. Das wissen wir.
Wir können heute, von der Erde aus,in diese Zeit zurückblicken und sehen,
dass damals die Galaxien Gasscheiben waren, in denen Hunderte von
Sonnenmassen pro Tag in Sterne verwandelt worden sind. Als die Sonne
entstanden ist, waren 99 Prozent aller Sterne im Universum bereits gemacht.
Wenn wir also tatsächlich der Meinung sind, dass es ein G-Stern sein muss,
um den herum sich ein Planet im richtigen Abstand drehen soll, haben wir
schon sehr große Einschränkungen bei der Frage, wann überhaupt Leben in der
Milchstraße entstanden sein kann.
Das hört sich jetzt alles sehr negativ an, aber im Grunde genommen hat es
zunächst mal nur den Rahmen gesetzt für die wissenschaftliche Forschung über
eine Frage, die zu den interessantesten gehört, die es überhaupt in der
Wissenschaft zu stellen gibt, nämlich: Sind die Naturgesetze, die wir hier
kennen, nicht nur die physikalischen, sondern auch die Gesetze, die zu
biologischen Strukturen geführt haben (Entstehung von großen Molekülen,
Reproduktion von großen Molekülen bis hin dazu, dass Evolutionsprozesse auf
einem Planeten angeregt werden), überall die gleichen?
Wenn Lebewesen
auf einem anderen Planeten existieren, dann werden sie auf einem Planeten
existieren, der eine Atmosphäre hat.
Deswegen ist es völlig normal, dass Lebewesen auf einem anderen Planeten
genau wie wir Schallsensoren haben. Denken Sie an Ihre Ohren. Wenn Lebewesen
auf einem anderen Planeten existieren und das in der Nähe eines anderen
Sterns, dessen Maximum irgendwo im grün-gelben Licht liegt, dann werden
diese Lebewesen auch Sensoren haben für dieses Licht. Deswegen ist es kein
Wunder, dass wir Augen haben. Und die anderen (Außerirdischen) werden
ebenfalls solche Öffnungen und Sensoren haben.
Ein Lebewesen
definiert sich vor allen Dingen dadurch, dass es sich abgrenzt von seiner
Umgebung. Ein Lebewesen braucht eine sehr gute Schutzhülle. D. h. die
Außerirdischen werden auch nicht irgendwelche wabernden Wesen sein, sondern
sie werden eine ganz klipp und klare Oberfläche haben wie unsere Haut. Sie
werden Körperöffnungen haben, um Nahrung aufzunehmen. Und sie werden
Körperöffnungen haben, um die verbrannte Nahrung abzugeben. Sie werden
möglicherweise ihre zentrale Prozessoreneinheit, die CPU, also ihr Großhirn
oder was immer bei ihnen denkt, möglichst weit weg von der Oberfläche des
Planeten haben. Deswegen tragen wir den Kopf oben, denn da unten ist es zu
gefährlich. Wie sie sich bewegen, wissen wir nicht. Eines ist aber klar: Es
werden keine Wasserwesen sein. Denn Wasserwesen entwickeln keine
Hochspannungstechnologie. Das machen sie ein Mal und dann nie wieder. Denn
die elektrischen Ströme im Wasser sind so dramatisch, dass jedes Lebewesen
daran sterben wird. Das ist sicher. Die Gleichungen, die die Elektrodynamik
und Elektrotechnik betreffen, gelten überall im Universum. Da können wir
sicher sein.
Aber wir können vielleicht andere Überlegungen anstellen auf einem etwas
niedrigeren Niveau. Warum reden wir nicht mal einen Moment von den Zeichen,
die die biologische Entwicklung auf der Erde tatsächlich abgibt an das
Universum? Was ist denn das wesentliche Zeichen, dass auf unserem Planeten
Leben existiert? Wie könnte ein Lebewesen in einem Abstand von 5-, 6- oder
7-tausend Lichtjahren feststellen, dass um den Stern, den wir Sonne nennen,
ein Planet existiert? Es muss nach einer bestimmten Strahlung suchen, die es
nicht vom Stern bekommt. Es muss sich um etwas handeln, das nur von einem
Planeten kommen kann mit einer gewissen biologischen Aktivität.
Ich will Sie nicht auf die Folter spannen. Das entscheidende Molekül ist
Ozon. Ozon entsteht auf der Erde, weil ein riesengroßer globaler Prozess,
nämlich die planetare Photosynthese, ständig freien Sauerstoff in die
Atmosphäre jagt, dieser Sauerstoff in der Hochatmosphäre durch die
UV-Strahlung zerlegt wird in Ozon. Ozon kann nur dann in nennenswerter Menge
bestehen bleiben, wenn immer Sauerstoff nachgeliefert wird.
Deshalb
versuchen wir Astrophysiker also im Universum nach Ozonlinien zu fahnden, wo
das Licht eines Sterns, wenn es durch die Atmosphäre eines solchen Planeten
geht, in dem Bereich der Ozonabsorptionslinie tatsächlich absorbiert wird.
Wenn wir eines Tages Ozon gefunden haben, dann bin ich mir völlig sicher,
können wir sagen, wir sind nicht allein im Universum. Dann gibt es
mindestens noch einen weiteren Planeten, auf dem sich eine große biologische
Transformation von Materie vollzogen hat, bei der aus toter Materie
lebendige Materie geworden ist.
* Zum Autor:
Prof. Dr. Harald Lesch lehrt theoretische Physik an der
Ludwig-Maximilians-Universität München; seine Forschungsschwerpunkte sind:
Schwarze Löcher, Neutronensterne und kosmische Plasmaphysik. Lesch ist
Fachgutachter für Astrophysik bei der DFG und Mitglied der astronomischen
Gesellschaft.
Bücher:
- Kosmologie für Fußgänger. Goldmann.
- Big Bang. Zweiter Akt. Bertelsmann.
- Physik für die Westentasche. Piper. |