|
Eike Gebhardt: Die Schwierigkeit nein zu sagen - Ein
Spaziergang mit dem Philosophen Klaus Heinrich
SWR2 RadioART: Feature
Autor: Eike Gebhardt;
Eikegeb@aol.com
Redaktion: Paul Assall
Sendung: Mittwoch, 19. Juni 2006, 21.03 Uhr, SWR 2
Bitte beachten Sie:Das Manuskript ist ausschließlich zum persönlichen,
privaten Gebrauch bestimmt.
Jede weitere Vervielfältigung und Verbreitung bedarf der ausdrücklichen
Genehmigung des Urhebers bzw. des SWR.
INHALT:
MUSIK: Schubert; „Winterreise“ (1. Strophe: „Fremd bin ich eingezogen“)
Spr 1
Früh übt sich, was ein Meisterdenker werden will ...
O-Ton
„Seit ich schwimmen konnte - das war eh ich eingeschult wurde und überhaupt
angefangen hatte, irgendetwas für meine spätere Bildung zu machen: also ABC
zu lernen - ehe ich das alles tat, musste ich richtig schwimmen können,
sonst hätte die Eltern große Angst gehabt. So ging es allen Kindern der
Familie dort, dass sie ins Wasser fallen und ertrinken - ja und dann standen
uns alle Boote zur Verfügung. Ich bin meist mit unserem soliden Kahn über
die Gewässer gefahren, über den gr. Zernsee bin ich auch geschwommen (auch
das durfte ich alleine, nachdem ich's einmal in Begleitung gemacht hatte);
für weitere Touren nahm ich das Fahrrad, und sonst bin ich in die Umgebung
gelaufen.
Ansage: Die Schwierigkeit nein zu sagen
Ein Spaziergang mit dem Philosophen Klaus Heinrich
Von Eike Gebhardt
O-Ton
Meine Lieblingstour war, mich mit Proviant einzudecken, Mutter gab mir
Orangeade mit in einer gr. Flasche, ich nahm Bücher mit und etwas zum
Schreiben, Dann bin ich zur Insel Werder gerudert ..., hab dort unten den
Kahn hingelegt, bin dann in dem Inselstädtchen - das ist wunderschön, wie
ein heiliger Berg dort oben auf dem wunderschönen Friedhof mit großen freien
Grasflächen ... hab dort oben mich auf eine Decke gelegt, getafelt, und habe
gelesen ...“
Spr 1
Auf die frühe Neigung zum Abenteuer blickten die Eltern offenbar mit
Wohlgefallen – sie versuchten wohl nur, seinen Sinn für Selbstschutz zu
schärfen. Überhaupt scheinen sie dem kleinen Klaus ein Umfeld von Fördern
und Fordern geboten zu haben, in dem der Junge prächtig gedieh, ein
impulsreiches, angebotsorientiertes Umfeld sozusagen. Impulsentzug musste er
wahrlich nicht leiden in dieser weitverzweigten, wohlhabenden
großbürgerlichen Familie mit Stadt- und Landwohnungen - ein Clan, dessen
Zweige sich über die verschiedensten Areale des Großfriedhofs in der Nähe
seiner heutigen Penthouse-Wohnung ranken. Ein Spaziergang über den Friedhof
ist ein Spaziergang durch die Familiengeschichte.
Spr 2
Klaus Heinrich, der Mythenkritiker, ein Mythos selbst schon zu Lebzeiten –
gut die Hälfte unserer Intellektuellen hat bei ihm gehört – war für die 68er
Generation der große Gegenspieler Theodor W. Adornos. In beinah jeder
Hinsicht, vom enzyklopädischen Spektrum seiner Themen über die Neigung zu
kühnen Brückenschlägen zwischen den Disziplinen bis hin zu musischen
Vorlieben und handfester, politischer Intervention.
Spr 1
Viele seiner legendären Dahlemer Vorlesungen damals begannen mit einem
Lagebericht über die Fronten und Schlachten der Studentenrevolte. Keine
Koketterie, sondern für ihn die wichtigste Frage nach den Rahmenbedingungen
von Wissen und Erkenntnis. Als Student war Klaus Heinrich Gründungsmitglied
der sogenannten "Freien Universität" in West-Berlin - eine Protestgründung
gegen die stalinistische Unterwanderung und Infiltrierung der alten
Humboldt-Universität Unter den Linden. Seither verfolgt er genau die
jeweiligen Produktionsbedingungen von Ideen - und dazu zählen für ihn weit
mehr als nur die Methodologien der einzelnen Fächer.
Spr 2
Was heute große Institute für angewandte Forschung bis ins letzte Detail der
ergonomischen Stuhllehne oder Farben und Geräuschpegel am Arbeitsplatz
untersuchen, hat Heinrich früh – ohne den Begriff zu verwenden -
"ganzheitlich" in seinen Theorien vernetzt, oft kühn spekulativ. Nichts läge
dem quirligen und doch so bedachtsamen Mann ferner als ein spezialisiertes
Expertentum, das, nach einem bösen aber wahren Wort von Chesterton, immer
mehr über immer weniger weiß. Heinrich war sich des Risikos seiner kühnen,
für manche Kollegen frivolen Brückenschläge schmerzhaft bewusst:
Zitator
"Man wird dem Verfasser vorwerfen, dass er die Disziplinen vermenge: Lyrik,
Logik, Psychoanalyse; Ontologie und Ethik; Religionswissenschaft und
Kulturkritik. Man wird ihm vorwerfen, dass er die Sphären vermische: des
menschlichen Leibes und der menschlichen Seele, Natur und Geschichte,
ethische und ästhetische Sphäre, Theorie und Praxis. -
Ich habe nur eine Verteidigung: dass alle Bereiche, Sphären, Disziplinen,
ohne die wir hilflos ausgeliefert wären den Mächten der Natur und unser
selbst, nicht endgültig scheiden. Dass wir fragen können: was in ihnen
trifft uns unbedingt? Welche Erschütterung zwingt uns, diese Sphären und
Bereiche, gerade sie und keine anderen, zu unterscheiden?
Spr 2
Fast jeder Einfall Heinrichs ist ein Sprung über Grenzen, jedes Gespräch mit
ihm ein Ausflug in ein unvermessenes Land – auch für ihn selber. Die
Assoziationskette gleich zu Beginn unseres Spaziergangs über den riesigen
Friedhof nebenan ist atemberauchend: Kulturgeschichte,
Familien-Erinnerungen, Stadtplanung, religiöser Reflexion, Politik und
Psycho-Historie. Es ist ein kühler, aber sonniger Frühlingstag, als Klaus
Heinrich mir aus dem im Krieg zerstörten, von ihm dann selber wieder
aufgebauten Erbhaus entgegentritt, gehüllt in einen hellen Wintermantel, der
Kopf geschützt von einer schräg gesetzten Baskenmütze, auf dem Gesicht jenes
halb herzliche, halb höfliche, offene, aber verschmitzt wissende Lächeln,
das weder Altersweisheit suggerieren will noch die Überlegenheit eines
olympischen Gemüts, ein Lächeln aber, das zu wissen scheint, sein Träger
zählt zu den intellektuellen Ikonen des Jahrhunderts.
Spr 1
Wir hatten ihn gebeten, uns an einige seiner Lieblingsorte zu führen.
Heinrich hat mit Bedacht nur einen einzigen gewählt, den Friedhof eben -
nicht nur, weil ein Großteil seiner Familie, einer der großen Bürgerclans
der Gegend, hier begraben liegt und er sich in dieser Familien-Saga verorten
kann, sondern weil er ein atemberaubend reiches, dichtes Stück
Stadtgeschichte verkörpert – von geplanten großbürgerlichen Kleinimperien
über Görings verschrobene Pläne für groteske Kulturmonumente über
Wildwestfilme, die hier gedreht wurden, bis hin zum größten Ruinenberg
Europas, dem berühmten „Insulaner“ -; und letztlich liebt Heinrich den
weitläufigen Hügel, der atemberaubende Ausblicke auf das Berliner
Stadtpanorama eröffnet; und schließlich, das aber mag er nicht
thematisieren, kann man sich schlecht dem morbiden Charme einer halb
gepflegten, halb naturbelassenen Enklave mitten in der Metropole entziehen,
in dem noch Füchse, Hasen, seltene Vögel hausen, und der, wenn man ein Auge
dafür hat, auch allerlei soziale Skurrilitäten bietet.
Spr 2
Es ist dieses Panorama, diese Verflechtungen zahlloser Lebensformen, die ihn
seit seiner Kindheit fasziniert. Dass er als Religionsphilosoph bekannt
wurde, hat die Sprengkraft seiner Gesellschaftsanalysen zunächst verborgen –
womöglich konnte er sie unter diesem Deckmantel desto effizienter ins
Bewusstsein seiner Studenten einschmuggeln:
Zitator
"Die Philosophie, die ich nach diesem Krieg studierte (und die die gleiche
ist, die noch heute von unseren Kathedern gelehrt wird), war von
gesellschaftlichen Triebkräften gereinigt (so wenigstens glaubte sie). Sie
kannte weder Triebgrund noch Triebsubjekte, weder Geschlechterspannung noch
eine Theorie des Bewusstseins der sozialen Klassen, die dieses anders als
die traditionelle Lehre vom Bewusstsein verstand. Mit ihren Begriffen waren
die kollektiven Vorgänge der jüngsten Gegenwart nicht einmal zu beschreiben,
geschweige denn zu erklären. ... In dieser Situation entdeckte ich, wie
realistisch die Beschreibungen sind, die den Stoff der Religionen, speziell
der Mythologie, bezeichnen. Hier war das Verdrängte der Philosophie am
Werk."
Spr. 1
Natürlich dachten wir an den Friedhof sozusagen als Bühne für den
Religionsphilosophen, und falsch lagen wir damit nicht – obwohl er anders
damit umgeht als erwartet. Friedhofsromantik liegt Heinrich fern – und doch
kommen wir beim Schlendern wie von selbst auf Themen wie die Nekropolen
vergangener Epochen, Archive der Ästhetik und Mentalitätsgeschichte; und
eben auch auf den Enklaven-Effekt, nämlich einer momentanen Freistellung vom
Rollenbewusstsein in der Welt da draußen...
Wir reflektieren über jene „Graveyard School“ der englischen Romantik, ich
frage ihn ganz nebenbei, eigentlich eher neckend, ob er neben seinen
gewichtigen material- und ideenreichen Büchern womöglich auch Gedichte
schreibe. Und siehe da: So wie Adorno selber komponierte, so schrieb sein
Gegenspieler Heinrich, auch er Ästhet und Philosoph und Mythenkritiker, sein
Leben lang Gedichte:
O-Ton
„Gedichte habe ich immer schon geschrieben – ich gebe in den nächsten Jahren
ein Bändchen heraus, damit das nicht alles umsonst gewesen ist. Ich habe das
immer weiter getrieben, nie aufgehört ...“
MUSIK: Puccini: “La Bohème”; !: Akt, Arie des Rudolfo (“Sono poeta …”
Spr 2
Heinrichs gesammelte Werke erscheinen im Stroemfeld-Verlag, Klaus Theweleits
„Männer-Phantasien“ sind dort erschienen sowie textkritische Ausgaben von
Kleist, Kafka und Hölderlin. Heinrichs sogenannte „Dahlemer Vorlesungen“
haben schon heute einen quasi-legendären Ruf. Dass er nicht nur sämtliche
Vorlesungen seiner gesamten Lehrzeit publizieren will, sondern sogar seine
Gedichte, zeugt von einem Sendungsbewusstsein, dass man bei jedem Anderen
nur mit Eitelkeit erklären würde. Für Heinrich selber scheint ein anderes
Motiv die treibende Kraft: Er wollte und will ein Modell sein – für eine
Lebensform, die üblicherweise in diverse Einzelrollen zerfällt, die man im
Mode-Jargon „ganzheitlich“ nennen könnte; sein Beispiel soll zeigen, dass
viele, einander scheinbar ausschließende Haltungen, Neigungen,
Einstellungen, Vorlieben, ja, Idiosynkrasien durchaus in Personalunion
lebensfähig sind, mehr noch: einander ergänzen, beflügeln, befruchten
können.
Spr 1
Der brillante Universalgelehrte ist durchaus nicht der zerstreute Professor,
im Gegenteil: Heinrich ist ein grundpraktischer Mensch, der mit beiden
Beinen fest auf dem Boden der Alltagsfragen steht – schon seinen
Einleitungen zu den Vorlesungen behandeln regelmäßig die banalen
Alltagsprobleme der Verwaltung, Entscheidungen und politischen
Schachbrett-Situationen; das war – im Gegensatz zu vielen seiner
zeitgenössischen Kollegen - so wenig unter seiner Würde wie die
handwerklichen Details der Wendeltreppe oder der Abstützung seiner
Penthouse-Terrasse. Dass er ironisch, verschmitzt, geradezu koboldhaft
verspielt ist und sein kann, wie es sich weder mit dem sogenannten
„wissenschaftlichen Ernst“ noch jener akademischen Würde“ zu vertragen
scheint, tangiert ganz offenbar nicht im geringsten seine Würde, so wenig
wie seine Wissenschaftlichkeit. Und dass er verträumt, sensibel, ja geradezu
ein lyrisches Gemüt ist, schlägt sich nicht nur in den Gedichten nieder,
sondern in einer feinsinnigen Empathie, einem atemberaubenden
Einfühlungsvermögen in die Vorstellungswelt Anderer, auch und sogar anderer
Epochen und Kulturen.
Spr 2
Ganz offenkundig ist Klaus Heinrich Hedonist – wohl in dem Sinne, in dem
schon Platon glaubte, der wahre Philosoph sei beflügelt von Eros. Wobei wohl
Freuds Universal-Libido, die sich an Dingen wie an Menschen, an Ideen wie an
Wahrnehmungen entzünden kann, der Einstellung wohl näher kommt. Der
intellektuelle Abenteurer verkündet immer wieder seine berühmte Formel, mit
der er gerne die Studenten auf das Thema einstimmte: „Geist ist
Triebbegriff“, sagte er einmal zu Beginn einer seiner Vorlesungen::
Zitator
"Ich beginne mit der Beziehung der Universitätsmitglieder zu ihrer
Institution. Was jeden Angehörigen meiner Generation verblüfft, ist die
totale Enterotisierung dieser Beziehung. Die Universität ist nicht mehr Haß-
und Liebesobjekt ... Es gibt (offenbar) keine Universitätsutopien mehr, und
immer weniger ehemalige Universitätsutopisten werten dies als das
Charakteristikum einer Umbruchszeit. Folgerichtig ist die Universität mit
ihren Problemen auch dem öffentlichen Interesse abhanden gekommen, das über
erotische Identifikation mit den Beteiligten viele Jahre lang an dem
Scheitern dieser ihrer letzten Liebesbeziehung teilgenommen hatte. Und die
Enterotisierung ist so komplett, dass nicht einmal der Rest von
Schoßcharakter, den Institutionen sonst bieten, und mütterlicher
Nährfunktion, die den Brüsten der Alma mater über Jahrhunderte hinweg
verklärend angedichtet worden war, zurückgeblieben ist ..."
Spr 2
All das schien gleichsam polyphon schon im jungen Heinrich angelegt. Das
Spiel, das Abenteuer, Lektüre und Fantasie-Szenarien als Heuristik, als
Erkenntnisfindung, um sich in fremde Vorstellungswelten zu transportieren,
um in fiktive Dialoge einzutreten, überhaupt sozialen Umgang zu inszenieren
im Alleinsein. Und: Im Vorgriff zu leben auf einen sozialen Zustand hin, der
eine Alternative sein könnte zum Status quo, zu all den kulturellen
Scheinselbstverständlichkeiten – den Mythen des Alltags, der Utopien, und
unseres Selbstverständnisses.
Spr 1
Kein Zufall, dass früher fiktive Interviews sein Lieblings-Genre waren, wie
er halb verlegen, halb verschmitzt eingesteht. Wer war er da, der
Interviewer oder Interviewte: Und wen hatte er sich als Gegenüber
vorgestellt?
O-Ton
„Ich war beides. Ich hatte von einem Freund ein Tonbandgerät geschenkt
bekommen... dann habe ich ununterbrochen mich interviewt. Als Interviewter
war ich alles Erdenkliche: Schiffskoch, Spaziergänger, jemand der
verschlagen war in ein fernes Land - was einem eben in dem Augenblick kommt,
in dem man sagt: So, jetzt habe ich Sie vor dem Mikro und nun sagen Sie mal
was... Ich habe mich auch oft als Zoowärter...“
Spr 2
... vorgestellt, offenkundig, weil die Tierwelt in den Mythen, schon im
Animismus, also in archaischen Vorstellungen, Teil jenes kosmischen
Rollenspiels war, dessen Fragmente oft noch heute in unseren Köpfen spuken
und denen auf die Spur zu kommen Heinrichs tiefste (intellektuelle)
Leidenschaft ist. Und weil sich die Mythen, Märchen und Archetypen über die
Jahrtausende nebeneinander, miteinander, durcheinander entwickelt haben,
bleibt für ihn sein Leben lang leitmotivisch ein Grundakkord der
Vielstimmigkeit der Welt – und des Dialogs, des Bündnisses – als ein
soziales Grund-Modell.
Spr 1
Insofern waren die fiktiven Interviews ganz offenbar auch eine Form der
Selbsterforschung per Rollenspiel:
O-Ton
„Man zerlegt sich ja in Stimmen, in Stimmchen, wenn man schreibt oder was
immer man macht. Ein Stück der Wahrheit beim Schreiben, auch beim reden, bei
der Gedankenbildung, ist ja dass man die scheinbare, fiktive Einheit der
Person widerruft - und das ist eine der großen Möglichkeiten ...“
Spr 1
Ganz nebenbei handelt er in seine Erinnerungen auch noch eine
Grundsatzkritik am abendländischen Mythos der einheitlichen Persönlichkeit
ab, jener gerade heute wieder modischen Vorstellung, es gebe ein wahres,
wesentliches, eigentliches Selbst, dass es zu finden und zu verwirklichen
gelte. Die schwadronierenden Gurus gehen ihm ebenso auf den Nerv wie die
orientierungslosen Sinnsucher, die erwartungsvoll bei ihrem Meister
einkehren, statt sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Bei denen sei
die Aufklärung noch nicht angekommen, bei diesen fröhlich Fremdbestimmten,
die nach einem Lebenssinn hungern, diesen aber von Anderen nur nicht von
sich selbst erwarten.
MUSIK: Kristofferson: „He’s a walking contradiction ...“
(Refrain)
Spr 2
„Persönlichkeit“ – das ist einer dieser Mythen, die Heinrich immer wieder
mit einer gewissen lustvollen Süffisanz auf ihre Ursprünge hin
zurückverfolgt. Ursprungsmythen, Ursprungsdenken – das sind seine
Zielscheiben. Sie sind die großen Hürden auf dem Weg zur Mündigkeit.
Spr 1
Freilich sind Mythen für den Theoretiker der Psychoanalyse, der Heinrich
auch ist, keineswegs bloße Stolpersteine. Sie sind selber die
Wahrnehmungsfilter, ja die Begriffe, durch die hindurch wir die Welt jeweils
begreifen.
Zitator
"(...) Mythoskritik (...) Kritik, die den Mythos ernstnimmt",
Spr 1
Schreibt er, wobei er das Wort „Ideologiekritik“ vermeidet. Zu sehr klingt
ihm „Ideologie“ nach „falschem Bewusstsein, ist polemisch und daher
womöglich selber ein Wahrnehmungsfilter, der die Selbstkritik verhindert.
„Mythos“ klingt ihm beinah sachlich im Vergleich, denn mythisches Denken ist
Alltagsdenken. All die kulturellen Selbstverständlichkeiten, die
stillschweigenden Annahmen, auf denen unser menschlicher Umgang beruht, all
die Wirklichkeits-Modelle, die wir ohne zu hinterfragen im Kopf haben und
die wir bei anderen genauso voraussetzen, um uns mit ihnen verständigen zu
können.
Spr 2
Die Mythen unseres Alltags? Meist vorbewusste Grundannahmen über das
Verhalten der Dinge und der Menschen in unserer Alltagswelt. Diese
vorbewusste Steuerung unseres Denkens, ja Empfindens und Erlebens versucht
die Mythenkritik dingfest zu machen. Oft genug wurzeln diese
Wirklichkeitsbilder in uralten Vorstellungen und Erzählungen, – aber viele
überleben mit erstaunenswerter Zähigkeit in einer feindlichen Wirklichkeit
und wirken so bis heute in unseren Köpfen. Wir vollstrecken sie gleichsam
hinter unserem eigenen Rücken – so ein beliebtes Bild der 68er, die Heinrich
ungemein weitläufigem Wirken so viel verdanken, wiewohl er nie so
öffentlichkeitswirksam auftrat wie Theodor W. oder Herbert Marcuse.
Spr 1
Die Mythen, diese alten Automatiken, die in unseren Köpfen ticken, versuchte
Heinrich sein Leben lang auf die Spur zu kommen. So wird unter der Hand jede
Sozialkritik, jeder politische Kommentar, ja jede erotische Verwicklung oder
ästhetische Abhandlung zu einer Spielart der Mythenkritik. Mythen seien der
geheime Kompass für das Verständnis unseres Verhaltens.
Spr 2
Nichts Anderes versucht im Grunde die Psychoanalyse:
Zitator
"Das unbewusste Über-Ich ist der von Freud vorgeschlagene Ausdruck für das
Weiterwirken der zwanghaft bindenden Macht des Ursprungs auch nach dem Bruch
mit einer ursprungsmythischen Geisteslage."
Spr 1
Ganz nebenbei flicht Heinrich hier eines seiner Leitmotive ein. Schon der
Ausdruck „ursprungsmythische Geisteslage“ ist eine auf den Kurzbegriff
komprimierte Kriegserklärung an den Fundamentalismus (wie wir heute sagen
würden), den wir fast ausschließlich mit religiösem Fanatismus in Verbindung
bringen. Ganz falsch, so Heinrichs, jede unhinterfragte
Selbstverständlichkeit ist solch ein Fundamentalismus:
O-Ton
„Das Zentrum aller meiner Unternehmungen, ohne das ich niemals zur Univ.
gegangen wäre, ist die Erf. und Verarbeitung und auch Vermeidung - ist es
möglich? - von Selbstzerstörung. Selbstzerstörung ist die zentrale Erfahrung
für mich in der NS-Zeit gewesen.“
Spr 2
Das Wort "Selbstzerstörung" hat heute einen seltsam lebensfernen Klang - es
erinnert an Freuds Todestrieb, auch kein allzu respektabler Begriff mehr.
Vor allem aber: Wer zerstört da wen? Und warum? Was wäre die Ursache?
Spr 1
Heinrich schüttelt empört das Haupt, allein die Frage!...
O-Ton
„Die Frage ist schief. Der Riss geht durch alle Zivilisationen hindurch,
also wirklich die Menschen-Gesellschaft hindurch. Der Hang zur
Selbstzerstörung ist nicht Individuelles, er kann individuell als
Resonanzboden ungeheuer verstärkt werden, kann sich in allen erdenklichen
Konstruktoren, Nationalismen, also die besonders raffinierte Form der
Selbstzerstörung ist die Nation, der Nation-Begriff, der sich erst in der
napoleonischen Zeit eigentlich prägt - und wenn man die Kriegslyrik der
damaligen Zeit liest durch ein Heer von Opfern, Blut usw., wo die Einzelnen
alle untergehen: Es steht etwas Neues auf, und das ist die Nation. D.h. in
dem Augenblick, wo die Nation da ist, ist sie auch schon etwas quasi Untotes,
lebend Untotes. ... Sie ist so ein ... Wiedergänger. Das ist einer der
mächtigsten Antriebe in unserer Geschichte gewesen...
Spr 2
Eine seltsame Formulierung – die Geschichte gleichsam als kollektive Person,
von Trieben gesteuert? Woher käme denn so ein 'Trieb'? Spukt da noch das
Lieblingsbild der 68er- Historiker, dass Geschichte zwar durch die Köpfe der
Handelnden sich vollziehe, aber auch gleichsam hinter deren eigenem Rücken?
Gibt es doch anthropologische Konstanten in Heinrichs Denken?
O-Ton
„Keine Opfer-Theorie würde verfangen, wäre da nicht ein großes
Opfer-Bedürfnis.“
Spr 1
Das klingt sehr nach einer petitio principii, werfe ich ein, nach einem
logischen Fehlschluss?
O-Ton
„Womöglich müsste man die Freudsche Gattungstheorie heranziehen. Ich habe
nie die millionenfache Bereitschaft verstanden, sich insektenhaft
abschlachten zu lassen, schon im ersten Weltkrieg. Stellen Sie sich vor,
diese Heere wären aufgestanden. Wie stark muss dieses Bedürfnis sein! Und
das hat nat. etwas zu tun - die Formel habe ich dafür geprägt: "Sucht nach
Sog". Suchtstruktur in der Gesellschaft. In jedem einzelnen Wesen. Alle
Süchte zielen ja darauf, dass man erfasst werden will von einem Sog, der man
selber nicht ist, der einen ergreift. Der Sog, der einen erfassen soll, der
einen entlastet. Es nimmt verschiedenen Formen an, ist aber immer das
Gleiche: Das ist bei den Naturvölkern so, das ist in den entwickelten
Religionen so.“
Spr 2
Will Heinrich damit andeuten, dass Religion vor allem eine Suchtform ist –
und dann auch noch eine, die wir eher mit Hedonismus in Verbindung bringen?
Einer Sucht nach Rauschzuständen, nach Ek-Stase im Wortsinn? Nach legitimen
Formen des Außer-Sich-Geratenkönnens in einer Kultur, die das wahre,
wesentliche, authentische Selbst, den Wesenskernkern der Person in 1001
Selbstfindungsweisen zu verwirklichen sucht, wie der modische Jargon es
nennt?
O-Ton
„Ja, des Befreitseins - damit will man in einen sichereren Zusammenhang
gebracht sein, das ist alles viel zu rationalistisch ausgedrückt, man will
von etwas erfasst sein, was zugleich meine Spezialbezeichnung für die
Aktualisierung des Begriffs Todestrieb bei Freud, wenn Sie so wollen. Freud
wäre ja auf den Todestrieb auch nicht verfallen, ohne dieses Massengemetzel
eines Krieges, dem er anfangs verständnisvoll gegenüberstand, bei dem sich
ihm nachher aber die Haare sträubten.“
Spr 1
Zielt die modische Rede von der Selbstfindung also womöglich aufs genaue
Gegenteil? Die Selbstauflösung, das Aufgehen in etwas Größerem? Nicht
zufällig huscht ein verschmitztes, wenn auch dezentes Schmunzeln über sein
Gesicht. Nur ganz kurz. Dann wird sein Ausdruck melancholisch, denn diese
Selbstaufgabe im Gewand der Selbstverwirklichung ist ein historischer
Sprengsatz. Heinrichs Gegenspieler Theodor W. Adorno hätte auf die
fremdbestimmte, sogenannte „Autoritäre Persönlichkeit“ verwiesen, die sich
von der Eigenverantwortung gerade entlasten will, indem sie sich – angeblich
– in etwas Größerem, Höheren wiederfindet, ganz gleich wie es sich
zeitgeistig nennt.
Zitat:
"Entkörperungsbedürfnis signalisiert eine übermäßige Belastung durch
Verkörperungsforderungen, die Gier nach 'jener' Erfahrung Erfahrungsverlust
- 'transzendentale Meditation', Yoga für Fortgeschrittene, Fitnesstraining
unter dem Namen 'Zen' und die Askese, die sich im Nichthaftenbleiben übt,
als Instrument der unbeteiligten Verfügung, darum nützlich fürs Management
ebenso wie für den Davongelaufenen, der den Traum von Unabhängigkeit noch in
den Untergang, sein vorgeblich 'kosmisches Wir', hinüberretten will, sind
Schatten unserer eigenen hilflos-positivistischen, ebenso unlebendigen wie
unpolitischen Arbeitswelt. Randphänomene spiegeln das Zentrum wider und
agieren dessen Konflikte aus."
Spr 2
Das ist einerseits löblich, andererseits eben ein Angebot an Manipulatoren,
von angeblichen Göttern bis zu religiösen oder politischen Gurus und anderen
Rattenfängern. Denn natürlich werden Menschen nie mit ihrem Werk zufrieden
sein – und für ihr Unbehagen an der Kultur einen Erlöser suchen, d.h.
jemanden, der sie von sich selber erlöst:
O-Ton
„Und natürlich ist das Bedürfnis - jetzt muss ich fast theologisch
argumentieren - das in Frieden mit einander zu leben, ist das Bedürfnis
(jetzt können sie Wunschbilder erfinden wie in allen Rel.), bleibt als Rest
des nicht Verwirklichten nur noch diese Entlastung. Das ist der Kern des
Selbstzerstörerischen. An der Stelle gibt es nur eine einzige, in 1000
Sprachen wiedergebbare Antwort: Die Spannung balancieren. Sie übersetzen in
Bedürfnisse, die Selbstaufgabe meinen.“
Spr 1
Nur eben: Warum will man vom 'Selbst' entlastet werden? Hat sich das
neuzeitliche Selbst übernommen, als es Gottes Stelle als Gesetzgeber
übernahm?
O-Ton
„Es ist ein Selbst, das einem unglaublich viel zumutet. (Bei Kants
kategorischem Imperativ Imperativ z.B. wird dem Einzelnen die Last der Welt
aufgebürdet.) ... Pos. ist für Kant der Triumph über nicht durchschaubare
Mächte. Die Offenbarungen aller Religionen werden entmächtigt an dieser
Stelle. Wenn nun von der Welt der Erscheinungen die Rede ist, so ist das
nicht mehr Blitz und Donner ... sondern jetzt ist alles gleich erscheinend,
weil es alles meine Produktion, meine Vorstellung ist.“
Spr 2
Eine Phänomenologie, die an Sartres berühmten Satz erinnert, der Mensch sei
zur Freiheit verdammt – er (oder sie) könne, ab einem bestimmten
Bewusstseinsstand, nirgendwo mehr unterkriechen ...
O-Ton
„Wer trägt jetzt die Last der Welt? Jedes einzelne Subjekt. Wer kann es?
Seither lassen Husserl, Mach, Lenin uva. das Ind. in etwas aufgehen, wo es
individuell nichts mehr zu tragen hat. Die Phänomenologie sucht ihr Heil in
der Selbstaufgabe (wenn das Selbst das einzelne Subjekt ist), der
Azephalismus sucht es in der Selbstaufgabe, die Machsche Theorie der
Erfahrungs- und Empfindungs-Verarbeitung sucht es in der Selbstaufgabe.“
Spr 1
Alles achtbare philosophischen Positionen, und die sollen versteckte Formen
der Selbstzerstörung sein?
O-Ton
„... alles Formen der Selbstzerstörung, würde ich schon sagen.“
Spr 1
„Die Schwierigkeit nein zu sagen“ - sie ist Klaus Heinrichs Leitmotiv: von
der banalen Alltagspolitik bis zur offenkundig tiefen selbstzerstörerischen
Neigung des „Menschengeschlechts“. Sie, die selbstzerstörerische Neigung,
sieht er als Flucht, ja als geradezu sehnsüchtige Heimkehr in die kindliche
Unmündigkeit; in eine Geborgenheit, die sozusagen die Treue zum
Zerstörerischen zur Tugend erklärt.
MUSIK: Morrison: „This is the end ...“
Spr 1
Ganz leicht fällt Heinrich der Sprung von der Psychologie in die Politik
wohl nicht – man sieht ihm förmlich an, wie er mit den oft allzu schlichten
Thesen der sogenannten „Psycho-Historiker“ kämpft. Wenn man so radikal
denkt, muss man da nicht eigentlich schon die Vergesellschaftung des
Menschen selber als ersten Schritt zur Selbstzerstörung begreifen?
O-Ton
„In der Tat: Der erste Schritt. Und das wirklich von Anfang an. Ich vertrete
den Begriff der Zivilisation gegen den der Kultur. Der Begriff der Kultur
ist genauso ein ursprungsmythischer Begriff wie der Nation-Begriff. Die
Zivilisation dagegen - ich kann ohne meine Begriffe nicht den
Affekthintergrund klarmachen - das ist der Bündnisbegriff. Bündnis kontra
Ursprung, das Zentrale. Und Selbstzerstörung.“
Spr 2
Wieso aber sollen Ursprungsdenken und Bündnisdenken einander ausschließen?
O-Ton
„Das Problem der Ursprünge wird überall dort, wo Bündnisse brechen - nehmen
Sie den Zivilisationsbruch durch den NS-Staat oder in ganz Europa durch den
Faschismus - jeder solcher Zivilisationsbruch ist der Bruch mit der Hoffnung
auf tragbare Bündnisse. Jedes Mal wird das, was dann aufgeboten wird
dagegen, ein exquisiter Ursprung sein, wie wir nach dem 2. Weltkrieg in
allen eine neue Ursprungssuche gehabt.“
Spr 2
Fast könnte man glauben, Heinrich argumentiere hier mit einer zeitlosen
Menschen-Natur. Und in der Tat neigt er mit einer faszinierenden Dialektik
zu transhistorischen Begriffen.
So in seinem berühmten Gegensatz von „ursprungsmythischem Denken“ einerseits
und mündiger sozialer Selbstgestaltung andererseits. Bündnispolitik versus
offene Utopie; Sackgasse versus Utopie gewissermaßen. Aber genau mit dieser
Dialektik versucht er, Antagonismen aufzulösen, d.h. das ursprungsmythische
Denken zu entlarven und vor dem Selbstbild des mündigen Bürgers ad absurden
zu führen. Bei solchen Argumentationsketten blitzt die Erinnerung an 68 auf,
als Utopien noch nicht diskreditiert waren von den Profiteuren des Status
quo, als niemand es gewagt hätte, über das Ende der Geschichte zu
räsonnieren oder von einem zeitlos gültigen Modell der menschlichen
Gesellschaft, so wie es nach der Wende Mode wurde.
Spr 1
Heinrich hütet sich, die Billig-Utopien des fälschlich so genannten
Kommunismus sowjetischer Machart zu verwechseln mit jenen offenen Utopien,
die sich selber unaufhörlich reformieren, während sie sich entwickeln. Er
war einer der Gründerväter der Freien Universität gegen die Pseudo-Utopie
des Stalinismus – aber genauso entschlossen bekämpfte er westliche
Ideologien. Das Ideal des Bündnisses vermisste er auf beiden Seiten während
des Kalten Krieges. Denn diese Leitkultur zu untergraben, dieses Leitbild
des Auswegs aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, sei das
Selbstzerstörerische im selbstgerechten Krieg der Ideologien - durch die
Epochen menschlicher Geschichte.
Spr 1
Bei alledem bleibt Heinrich Realist, Pragmatiker, ohne in Fatalismus zu
verfallen. Was er fordert ist kein unmögliches Ideal totaler Mündigkeit:
O-Ton
„Ich denke nicht in Positiva, ich denke immer in Verneinung von Negativa.
Nicht der herrliche Friedenszustand, sondern eine erfolgreiche
Angstbewältigung, nicht die Urbalance sondern die unendlich mühsame
Anstrengung in zerreißenden gegensätzlichen Strebungen dennoch eine Balance
herzustellen. Und diese Balance - Freud war ein Kind des 19. Jahrhunderts,
Naturforscher = toll aber: Lust als totaler Spannungsabbau, wie es viele
romantische Autoren der Zeit sehen, das wird aber von keiner Erfahrung
geteilt: Omne animal post coitum triste - das Halten der Spannung ist das,
was schon im animalischen Modell die Beteiligten als Lust empfinden. Die
Vermehrung der Spannung, die gehalten werden kann, die balanciert werden
kann. Das ist ein sehr viel realistischerer Lustbegriff ... Und das Anderes
ist der Resignationsbegriff von Lust: Endlich aus der Welt mit ihren
Spannungen raus in den ganz und gar entspannten Zustand.“
Spr 2
Lustvolle Rückkehr also in den Schoß der Freiheit, der Freiheit von
Verantwortung und Mündigkeit?
O-Ton
„Die Balance herzustellen und damit eigentlich die Anderen zu Verbündeten zu
machen - jede Balance ist auch ein Bündnisangebot an Andere das ist eine
Utopie, die sicherlich so alt ist wie die menschliche Gesellschaft.“
Spr 1
Das klingt paradox: Wie soll Balance ein Bündnis-Angebot beinhalten? Wenn
die Lust in der Spannung besteht, dann will man doch diese Spannung und
nicht ihre Auflösung in einer Balance? An der Geschlechterspannung lasse
sich das am leichtesten exemplifizieren:
O-Ton
„Also ich habe dieses Wort ja einmal eingeführt: Geschlechter-Spannung. Mich
ärgerte, weil man immer ausging von den einzelnen Geschlechtern. ... Im
Fluss der Medusa, Anhang, fiktives Int. über Geschlechter-Spannung.
Schließlich ist doch, was uns als Triebwesen charakterisiert, dass wir immer
in einer Spannung leben, mit uns, mit anderen; und nur von dieser Spannung
ausgehend, die z.B. auch die psychoanalytische Praxis trägt (Übertragung,
Gegen-Übertragung), wäre ohne diese Spannung nicht denkbar. ... Sie ist der
Spannungszustand, in dem sich Menschen, Tiere unter einander bewegen.“
Spr 2
Während akademische Philosophen das Thema Erotik eher scheuen, packt
Heinrich es ganz unbefangen realistisch, ja geradezu lebenspraktisch an. Er
versteckt sich nicht hinter psychoanalytischen Vorgaben und schon gar nicht
hinter dem Konflikt zwischen angeblichen sozialen Notwendigkeiten und
Glücksversprechen.
O-Ton
„Der Zweck aller Bündnisse ... zunächst einmal: Wir wollen mit einander
auskommen. Das selbstv. Bündnis, das die Psychoanalyse heute die Dyade
nennt, also zwischen Mutter und Kind mit den Spiegelungsvorstellungen diesem
Tausch der Erfahrung der allerersten Zeiten vor aller Sprachfindung - bzw.
das ist die Sprachfindung - das sind solche Bündnisse. Kann man sie
verallgemeinern? Bündnisvorstellungen des Zurücks zielen ja immer darauf,
dass man soz. den Zustand im Mutterleib wiederfindet, aber mit einem Zusatz,
den man im Mutterleib nicht haben kann: Dass man die Sprache nicht verliert
dabei. Das ist das Illusionistische daran, die Übersetzung, die eigentlich
eine solcher Zustand in einen anderen bedarf - ich habe es schematisch
gesagt: Wenn es nicht gelingt, die Liebe zur Mutter in Liebe zu anderen
Personen zu übersetzen, wird die Mutter zu einer totalitären Instanz. Wenn
es nicht gelingt, die in die Übersetzung mitzuschleppen, alles Frühere, wird
die Zukunft zu einer totalitären Instanz. Also wird der Ursprung in die
Zukunft geklappt, so wie wir es in den totalitären Spielarten des Marxismus
erlebt haben.“
Spr 1
Da ist er wieder, der zwanglose Brückenschlag zwischen Psychologie und
Politik, wie ihn kritische Sozialpsychologen von Erich Fromm bis Robert Jay
Lifton versucht haben. Heinrich aber zielt nie nur auf Analyse, sondern
immer sogleich auf praktische Anwendung:
O-Ton
„Reden wir von etwas Bitternotwendigem wie die menschliche Gesellschaft.
sich zivilisieren kann und nicht psychopathisch werden muss.“
MUSIK: Bob Dylan: “The Times They Arew A-Changin’” (Strophe “Come
Congressmen …”)
Spr 1
Und schon hat Heinrich die nächste Brücke betreten, gleichsam ein Update des
Marxschen Satzes, der Mensch mache wohl seine eigene Geschichte, aber unter
Bedingungen, die er nicht selber gemacht habe. Man könnte Heinrichs
Modernisierung von Marx als eine Art Psycho-Ökologie bezeichnen.
Spr 2
Viel zu wenig Aufmerksamkeit widmen wir unseren prägenden Lebensumfeldern,
suggeriert er immer wieder – und die reichen von Alltagsmythen über soziale
Rituale bis hin zum materiellen Umfeld, der Wohnung oder der
Stadtgestaltung. Heinrich denkt sie alle zugleich mit – zwanglos flaniert
sein Argument zwischen den verschiedenen Requisiten, dem materiellen
Lebensumfeld als Bühnenbild.
Spr 1
Grau scheint für Klaus Heinrich alle Theorie – die Einsicht drängt sich dem
Besucher auf. Der Fahrstuhl, in dem man für die unteren Stockwerke des
Hauses die entsprechenden Knöpfe drücken muss, fährt ohne Knopfdruck
schnurstracks zum Olymp - und öffnet sich direkt in die Wohnung. Der Blick
geht direkt auf die Terrasse nach Süden - sie erstreckt sich über die
gesamte Breite der Wohnung, wie eine Orangerie mit endlosen Pflanzenreihen.
Hinunter schaut man auf einen großen Garten, wie er für Berlin typisch ist:
Das Innen-Areal eines ganzen Häuserblocks. Ein Teich in der Mitte von
Baumgruppen.
Heinrich, von kleiner Gestalt und auch im häuslichen Alltag korrekt
gekleidet als ginge er gerade zur Sitzung des akademischen Senats, begrüßt
den Gast mit gemessener Herzlichkeit. Nichts an seinen Bewegungen ist
plötzlich, abrupt, spontan. Bücherwände überall wohin man schaut,
abgezirkelt und wie mit dem Lineal in einer Reihe - außer dort, wo gerade
gearbeitet, geschrieben oder redigiert wird: für den Stroemfeld Verlag, der
sein Lebenswerk herausgibt, rund ein Dutzend Bände sind es schon.
Unermüdlich widmet sich Heinrich dieser Herkules-Aufgabe, – auf eine
repräsentative Werkausgabe hin.
Spr 2
Eine gepflegte Sinnenfreude spiegelt sich im Layout seines Steglitzer
Penthouse - genauer: der gemeinsamen riesigen Doppelstock-Wohnung des
Ehepaars Heinrich. Nichts könnte Klaus Heinrich fremder sein als eine jener
kahlen Designer-Wohnungen, die Kargheit und Impulsarmut als Reinheit der
Linienführung vorspiegeln. Streng abgegrenzt sind nur die Arbeitsbereiche.
Symbolträchtige Reiseandenken, sinnfällige Geschenke von Freunden und die
Requisiten eines genussfreudigen Lebens ziehen die Blicke an. Das
doppelstöckige Penthouse der Heinrichs ist dicht gepackt aber makellos
geordnet - was die Dichte verwaltbar, handhabbar erscheinen lässt. Nirgends
das angeblich kreative Chaos, stattdessen eine überwältigende Impulsdichte,
eine Flut von Eindrücken, ein Sinnen-Dschungel.
Spr 1
Den allerdings vermisst Heinrich an den zeitgenössischen, fast gänzlich
durchfunktionalisierten Städten:
O-Ton
„Was ich immer gerne gemacht habe, ist, mich an mögl. quirlige Stellen zu
begeben. Ich habe darum gebettelt, bis ich das durfte, als Junge, als
Schüler, alleine in die Stadt fahren, zum Bhf. Friedrichstr., mit der
S-Bahn, und dann die ganze Friedrichstraße, bis zum Belle Alliance-Platz
umrunden, auf der anderen Seite der Friedrichstraße wieder zurück.
Zwischendurch im Automaten-Restaurant etwas zu trinken zu ziehen, und dann
wieder vom Bhf. Friedrichstraße zurückzufahren. Da war das noch eine
wirklich quirlige Straße. Und diese totale Friedrichstraßen-Umrundung, wenn
man so will ... Am Ende der Friedrichstraße lagen zwei Läden, die schon so
schön hießen, König und Zauber-Zentrale, und da konnten Sie z.B.
Kartenkunststücke einhandeln, tauschen, auch andere Sachen tauschen und
gucken, wie die das machten - das hatte einen Reiz, da benahmen sich
Erwachsene wie Kinder ... Das habe ich immer wieder und in allen Städten
...“
Spr 1
- gesucht, wollte er sagen, wenn ihm nicht schon wieder eine andere
Assoziation eingefallen wäre: Alles scheint mit allem vermittelt,
suggerieren seine Denksprünge, die eigentlich keine Sprünge sind, sondern
Ritte oder Flüge auf Tangenten, Nebenwegen des ursprünglichen Arguments.
Heinrichs Augen leuchten dann auf, funkeln neugierig, als hätte er gerade
einen hinter einem Stein versteckten Schatz entdeckt – dabei ist es sein
eigener Gedankengang, der ihn zu diesem Stein führte. Behutsam führe ich ihn
zurück auf unser Gleis: Wenn dieser Großstadtdschungel so verzaubert – warum
fehlt uns denn heute diese Erlebnisform in Deutschlands einziger Metropole?
Was ist denn heute anders, was fehlt?
O-Ton
„Die große Menge des Kleingewerbes, wo nicht alles in Zentren verpufft war
... Es gab eine unglaubliche Menge von Läden und noch viel Handwerk und
Gewerbe wenn Sie durch die Höfe durchgingen - man kam immer wieder in eine
andere Welt ... Das gehörte früher so selbstverständlich zu Berlin, wenn Sie
in irgendeinen Hof einbogen, was dahinter kam, war nicht zu ahnen. Manchmal
noch ein ländlicher Betrieb, Stallungen, an anderer Stelle wieder eine
richtige Fabrikanlage, also ein Gewusel., eine städtische Verdichtung eben.
Und von dieser Verdichtung ist heute keine Spur mehr.“
MUSIK: Leonard Cohen: „Where have all the Flowers Gone?“ (1. Strophe bis
einschl. Refrain “When will they ever learn?”)
Spr 2
Jeder sehnt sich nach Dichte – und doch: Unsere Innenstädte werden gebaut
und unsere Wohnungen eingerichtet, als zitterten wir vor dem ästhetischen
Urteil architektonischer Puritaner. Was ist das für eine Mentalität, die
scheut wonach sie sich sehnt, die Impulsdichte, die Heinrich aufblühen ließ
und lässt.
O-Ton
„Das war immer so. Was dazwischen gekommen ist, sind die
Ordnungsvorstellungen, ist die verordnete Stadt. Man soll so ordentlich und
aufgeräumt sein wie das um einen herum - und das wiederum spiegelt
scheinhaft die eigene Ordnung und Aufgeräumtheit. ... Es tut's nat. nicht,
s. es spiegelt etwas, dem man gern sich überlassen würde. Es ist
verinnerlichte, soz. die eingesogene große Ordnungsvorstellung. Was steht
dahinter? Nach dem ersten Weltkriegs-Expressionismus, als man Städte durch
Siedlungen ersetzen wollte, und man die Scholle soz. in die Stadt reinholte
und wo das ländliche Wohnen die verpestete Stadt ablösen sollte. Und diese
verpestete Stadt wurde in der express. Malerei und Dichtung immer als eine
Art Hure Babylon dargestellt: Die Kanäle, die Ströme, die da durchgehen,
Brücken darüber, und von zwielichtigen Gestalten besiedelt - also eine immer
noch eine Abwehr des Stadt als einer ungesunden Entwicklung.“
Spr 1
Der schier unausrottbare Mythos der kranken Stadt lässt den Mythenkritiker
Heinrich manchmal verzweifeln. Als ich ihm Nietzsches Spott anbiete: Es sei
weniger interessant, was Menschen glauben, als zu erfahren, warum sie
denken, dies oder jenes glauben zu müssen, neigt er spontan zunächst doch
dazu, die Hochkultur verantwortlich zu machen für populäre Moden:
O-Ton
„Es hängt mit der Stadtfeindschaft des Expressionismus zusammen, der sich
einerseits selber von der Dichte angezogen fühlte, andererseits sie durch
Gegenbilder besetzen wollte.“
Spr 2
Dann aber wagt er sich doch an eine Art kollektiver Psycho-Historie aus dem
Geist der Alltagsgeschichte.
O-Ton
„Die Anti-Stadt-Bewegung war nach dem ersten Weltkrieg eine dieser vielen
Ersatz-Bewegungen für Kriegsschuld, Selbstzerstörung der Ges. - wo fasse ich
sie? - und dann gehörten dann die Städte dazu, in denen das Unheil
ausgebrütet worden war, die apokalyptische Orte waren. Dagegen wurde ein
Volksgesundungskörper aufgerufen, etwas wovon die ganze Nazi-Zeit gezehrt
hat, und dazu beschwor man eben die Scholle in die Stadt, ein Wort für das
gesunde Landleben. So legte man die Siedlungen an, die berühmte
Hufeisen-Siedlung ist ja ein Stück Landsiedlung, in die Stadt hereingebracht
- und das hat unglaublich viel Schaden in den Köpfen angerichtet, weil man,
statt die Stadt zu sublimieren, die Stadt einzureißen begann.“
Spr 1
Was hätte man denn tun können, frage ich ihn ...
O-Ton
„Unendlich viel. Man hätte die Höfe restaurieren, durchlichten können, eine
vorsichtige kleine behutsame Stadterneuerung - statt Stadtviertel wegreißen,
sie bewohnbar und bearbeitbar zu machen, aus ihnen reale Arbeitszellen und
Wohnzellen innerhalb der Stadt statt Wohnzellen in denen man weggesperrt ist
sondern auf die man sicH konzentrieren kann ... So etwas. Das wäre ein
Anfang gewesen.“
Spr 2
Der Ästhet und Theoretiker übernimmt ganz selbstverständlich die Rolle des
Gesetzgebers – so als wollte er den zeitlosen Mythos vom versponnenen,
lebensfernen Philosophen widerlegen.
O-Ton
„Jeder auf der Straße versteht noch heute unter einem Phil. jemanden, der
sich nichts erschüttern lässt - das ist der späte stoische Begriff dafür -
jemand, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt: Platon im Phaidon
sagt, der Philosoph müsse versuchen, bei lebendigem Leibe schon den Toten
ähnlich zu sein, dem Gestorbensein ähnlich zu sein: Also die Reinigung von
allen Affekten, die Reinigung von allen Spannungen, die Reinigung von dieser
irdischen Welt, unberührt von Allem hindurchgehen - das würde jeder auf der
Straße schon sagen.“
Spr 1
Und auf des Volkes Stimme, auf Moden, Trends und öffentliche Themen hört
Heinrich mit geschärften Sinnen. Schon als Student vermisste er jegliche
Alltags-Substanz in der akademischen Philosophie. Die fand er dann in den
Religionen bzw. in der Religionsphilosophie – die freilich musste er
gewissermaßen erst erschaffen:
O-Ton
„Es gab eine solche Religionsphilosophie gar nicht. Die menschlichen
Konflikte sind die ganze Menschheitsgeschichte hindurch in den Religionen
ausgetragen worden. Dort hat man die Angst greifbar gemacht, hat man sich
mit ihr auseinandergesetzt; jede Religion sagt ihr spezifisches "Fürchtet
Euch nicht! ..."
Spr 2
Eine solche Urangst vor dem Unbeherrschbaren überlebt wohl noch heute in der
Abwehr des urbanen Dschungels:
O-Ton
„Die Angst vor dem Gewimmel ist nat. immer auch die Angst vor dem inneren
Gewimmel, dem eigenen Gewimmel, die Angst vor der Unübersichtlichkeit ist
immer aucH die Angst vor der eigenen Unübersichtlichkeit. Und das was man
nicht zu balancieren vermag, will man dann geordnet sehen, und man will dort
wo man sich aufhält, wo man die weiteren Häute um sich hat, also die
Stadtmauern, die Bezirke usw., das will man so ordentlich, dass es die
Projektion einer vermeintlichen inneren Ordnung ist. Das ist eine begrenzte
Form von Aufklärungs-Vorstellung: Für Kant ist "das unverbunden
Mannigfaltige" die Quelle großer Ängste - daher seine Verdammung der
Sinnlichkeit, die sich diesem unverbunden Mannigfaltigen verdankt und dem
gegenüber wird Ordnung aufgeboten, die alles in einem Koordinatensystem von
Raum und Zeit (das ist dann die zugelassene Sinnlichkeit) ordnet …
Spr 2
Kompakter kann man eine Psycho-Ökologie kaum formulieren. Es ist die
permanente Aufbruchstimmung des Kulturnomaden, der alle Völker und Epochen
schon erwandert hat – sein Spott zielt auf jene selbstgerechten Zeitgenossen
und Kollegen, die nur aus Angst vor jenen weiten, offenen Horizonten den
kleinen Ausschnitt ihrer Welt verteidigen, als wäre er die Welt im Ganzen.
Sogar beim Denken muss er wandern – und die verschiedenen Arbeitsplätze
seiner Duplex-Wohnung sind mitnichten Luxus, sondern Methode:
O-Ton
„Ich habe, solange ich mich erinnern kann, niemals eine Vorlesung im Stehen
hinter einem Pult - Vorträge ja, das ist ja klar -, aber sogar Gastvorträge
habe ich immer auf und ab gehend gemacht ...
Spr 1
Neugier ist sein Markenzeichen – subjektiv, wenn es ihm vormals Unbekanntes
meint, das an seinen Abenteuergeist appelliert; objektiv, wenn es an seinen
Pioniergeist appelliert, auf Neues zielend, das im Entstehen ist.
Das gilt für sein privates Leben ebenso wie für seine professionelle
Grundeinstellung. Nie war Klaus Heinrich interessiert, einen Kanon zeit- und
raum-übergreifender Einsichten zu erstellen oder einen solchen im Gestus der
Offenbarung zu verkünden. Mythenkritik hieß ja auch, Latentes,
Unverwirklichtes, Halbverwirklichtes, sich erst Andeutendes zu orten – eben
das, was die herrschenden Mythen aus unserem Bewusstsein aussondern oder
diskreditieren. Mythen steuern Moden - das gilt für Trends in Denkweisen,
Umgangs- und Verhaltens-, ja Empfindungsformen ebenso wie für gerade
angesagte, modische Vorstellungen, wie unser – individueller wie auch
kollektiver - Lebensraum aussehen sollte. Insofern war und ist Klaus
Heinrich immer noch ein Mann auf der Suche, ein Dauer-Reisender der
Mentalitätsgeschichte, der sein Wissen und seine Einsichten wie Scheinwerfer
auf einer endlosen Entdeckungsfahrt nutzt:
O-Ton
Die Welt der Vorstellungen ist identisch mit der Welt der Erscheinungen.
Dass die Erscheinungen unendlich viel mehr hätten sein können, lehrt ja die
Geschichte der Völker …
Spr 2
Eine unendliche Geschichte – selbst noch im unmittelbaren Lebensumfeld: Der
Friedhof wurde ihm zum beispielhaften Kosmos der Menschheitsgeschichte, das
Ferne ist in dieser Sicht nicht weniger unmittelbar als das nur scheinbar
nahe Lebensumfeld, das er deshalb auch unermüdlich, mit immer noch derselben
Neugier wie als Kind, erkundet
O-Ton
Vor allem aber will ich etwas kennen lernen, wenn ich spaziere … Einen Tag
in der Wochen schneiden wir uns immer heraus – jedes Mal in einen anderen
Stadtteil, in einen anderen Vorort, in ein nahe liegendes Dorf. Dann ist
jeder solcher Spaziergang natürlich eine Erkundung … Dass eine Stadt immer
wieder Neues bietet … das ist eine Chance, wenn man etwas im Entstehen, im
Kommen beobachten kann …
MUSIK: Schubert - „Winterreise“ (1. Strophe: „Fremd bin ich eingezogen ...“)
Darüber Absage:
„Die Schwierigkeit nein zu sagen“
Ein Spaziergang mit dem Philosophen Klaus Heinrich
Von Eike Gebhardt
Es sprachen:..
Regie Iris Arnold
Produktion Südwestrundfunk 2006
Redaktion Paul Assall |