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<<Heribert Heere, München-Zürich, zu Walter Prankls Skulpturen
1991-2008>>
http://www.galerie-kulturpunkt.de/projekte.asp?kat=58;
http://www.kultur-punkt.ch/praesentation/ereignisse/heere-neue-ikonen.htm
http://www.kultur-punkt.ch/praesentation/ereignisse/heere-neue-ikonen.htm
Zum Werk
Prankl arbeitet mit Fundsachen.
Er findet sie auf Spaziergängen, aber auch im Gerümpel oder auf
verlassenen Baustellen, was ihn für einige Zeitgenossen verdächtig
macht. Wie kann man denn in diesem Zeug suchen. Er muss da bestimmt
auf etwas aus sein. Ist er auch. In der Tat. Zuerst einmal zum
Finden. Wie im wirklichen Leben findet man ja nur das, was man
sucht. Und das auch nicht immer. Bei Walter Prankl geschieht das
Finden intuitiv. In seiner Vorstellung ist der Gegenstand, auf den
die Aufmerksamkeit gerichtet ist, schon ein anderer geworden, hat in
der Idee schon Metamorphose durchgemacht, in der er sich uns dann
hier präsentiert. Was nicht heißt, Walter Prankl sei ein
konzeptueller Künstler, die Wandlung vom Gefundenen zur Skulptur
dauert manchmal lang, erfolgt manchmal spontan; immer ist der
Augenschein wichtig. Trotzdem spielt in seinen Skulpturen das
ursprüngliche Material noch eine bedeutende Rolle. Im Gegensatz zu
herkömmlichen künstlerischen Materialien, deren Eigenbedeutung im
fertigen Werk ausgelöscht wird. Auch das scheint sich übrigens in
neuesten Interpretationen zu ändern, in denen die moderne Kunst als
Weg hin zum Immateriellen gesehen wird. Diese Auffassung beruht
natürlich auf der Struktur der elektronischen Medien, auf dem
virtuellen Bild also. Als gelernter Architekt kennt Walter Prankl
sich auch mit Baustellen aus. Kennt er sich auch mit
Götterdämmerungen aus. Ich sagte vorhin, seine Fundsachen spielen
auch nach ihrer künstlerischen Bearbeitung eine Rolle. Im Lichte der
Ideen des Künstlers werden sie zu geheimnisvollen Trägern magischer
Bedeutung, darin Fetischen gleich. Diese waren in den sogenannten
primitiven Gesellschaften im Gegensatz zu Kunstwerken selbst mit
Kraft, mit mana aufgeladen. Im Bildzauber der Devotionalien, wie man
sie an jedem Wallfahrtsort findet, steckt noch ein Rest jener
Fetischgläubigkeit. Nimmt also Walter Prankl mit seinen Skulpturen
das Ende der Welt vorweg und gestattet uns einen nicht gerade
pessimistischen Rückblick darauf - Ich kann Sie beruhigen, Walter
Prankl ist alles andere als wahnhaft in sich selbst verstrickt, er
kann zwischen Sein und Schein unterscheiden. In seinen Skulpturen
spielt Walter Prankl mit den Bedeutungen, auch mit den wahnhaften.
Er füllt das Bedeutungslose, selbst das Nicht-mehr-nützliche, wieder
mit Bedeutung. Er will den Himmel auf die Erde holen und nicht
umgekehrt. Aber auch Stationen seiner Biographie, seines
Arbeitslebens hat Walter Prankl in seine Skulpturen hineingewoben.
Die Textur seiner Arbeiten spiegelt Leben wieder. Im Gegensatz zu
einer Ästhetik des Verschwindens sagt Prankl: Unsere Zeit, die uns
noch bleibt, loslassen lernen und in Häppchen genießen. Was ich
Ihnen hiermit empfehle, mit seinen Skulpturen zu tun.
Heribert Heere, München-Zürich, zu Walter Prankls Skulpturen, 1991 -
2008. |