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W+B Agentur-Presseaussendung Januar 2008 sowie im Internet-Journal
www.kultur-punkt.ch
Buchbesprechung
<< Jean Baudrillard, Jean Nouvel: Einzigartige Objekte -
Architektur und Philosophie>>
Hg. von Peter Engelmann. Aus dem Französischen von Eva Werth
2004. 128 Seiten., 12,2 x 20,8 cm. Brosch., ISBN 3-85165-589-3 , €
18,–, sfr 28,80
Passagen Verlag, Wien, 2000;
http://www.passagen.at/
;
http://www.galerie-kulturpunkt.de/projekte.asp?kat=58;
http://www.kultur-punkt.ch/akademie4/diskurs/index.htm ;
Inhalt
Was ist ein einzigartiges Objekt? Ein seltsames Ding, ein Meteorit,
ein sich auf einen einzigen Punkt zuspitzendes Absolutes, das mit
nichts anderem austauschbar ist. Vielleicht auch eine Idee, ein
Bauwerk, eine Farbe, ein Gefühl, ein menschliches Wesen. Immer ist
es seine Einzigartigkeit, die es in Gefahr bringt.
Wo lassen sich angesichts der Mediatisierung und Globalisierung der
Kultur, der Nivellierung der Werte und Generalisierung eines
Denkens, das bloß aus Meinungen besteht, noch einzigartige Objekte
finden? Wie lassen sie sich definieren, schaffen, beschützen und
erkennen?
Der Philosoph Jean Baudrillard und der Architekt Jean Nouvel spinnen
ihren Dialog um diese Themen herum und schneiden damit grundlegende
Probleme an, die uns in den nächsten Jahren beschäftigen werden. Sie
imaginieren die Stadt von morgen. Fragen, warum das Ideal der
Transparenz nach und nach alle Bereiche durchdringt. Und sprechen
schließlich auch von der Schwierigkeit, frei zu sein.
Ein Versuch über die Einzigartigkeit, die beider Werk und Forschung
beseelt. Ein Text, der sich leidenschaftlich mit den großen
Wandlungen unserer Zeit auseinandersetzt.
Weitere Literatur:
Paroxysmus (ISBN 3-85165-521-4)
Das Andere selbst (ISBN 3-85165-120-0)
Der reine Terror (ISBN 3-85165-083-2)
Der Geist des Terrorismus (ISBN 3-85165-610-5)
Die Intelligenz des Bösen (ISBN 3-85165-745-4)
Diskursteam
Jean Baudrillard
(1929-2007) war emeritierter Professor für Soziologie an der
Universität Paris-Nanterre.
Jean Nouvel
ist Architekt. Zu seinen bekanntesten Bauwerken zählen das Institut
du monde arabe in Paris, die Galerie Lafayette in Berlin und das
Kongreßzentrum in Luzern.
Walter Prankl
ist Essayist (Ex-Architekt, Foto-, -Grafiker, Oeko-Skulpteur,
Online-Publizist..). Entwand sich als Kind dem Hitlerregime (v.3-10
J.) und danach als Jugendlicher dem Stalinregime in Niederösterreich
(v.10-20 J.) wurde sozialästhetisch-geomantischer Demokrat, gründete
die Online - PlatonAkademie4 (seit 1999 im Diskurs)...
Fazit mit imaginärer Teilnahme am Gespräch von B:audriard und
N:ouvel durch P:rankl
Gesprächsinhalt
Erstes Gespräch
B: ..Man wird nicht mit dem Nichts anfangen..eher ein Endpunkt.. Die
Radikalität....mehr ein Bereich des Schreibens, der Theorie und
weniger im Bereich der Architektur.... mehr des Raumes ..vielleicht
des Nichts...
P: Stimme dem zu – das erklärt auch mein Verschwinden aus dem
Architektur-Szenario als Handelnder und die Hinwendung zum
publizierenden Denker…
B:...des Sichtbaren und des Unsichtbaren...die der angenommenen
Realität einer Welt ihre radikale Illusion (Unentschlossenheit,
Schwindel...) gegenüberstellt.
P: Diese Überzeugung teile ich mit Ihnen…
N: Schwierigkeiten der Architektur = ...Schaffen und Vergessen...Du
(N: zu B:) hast gesagt: "New York (= Utopie) ist das Epizentrum des
Weltunterganges...man muss diese Utopie des Weltunterganges retten,
das ist die Arbeit der Intellektuellen..."
P: (zu beiden) ..Retten heisst doch die Utopie in eine Vision zu
verwandeln, ist keine romantische Anwandlung…
B:..Architektur pendelt zwischen Nostalgie und Antizipation..(=
Retrospektive...= Provokation als Verführung ....und Geheimnis...die
Kultur ist überall...."punktum" (Barthes in Bezug zur Photographie
....Architektur)
P: .. aus diesem Grund nannten wir (Marga und Walter) folgerichtig
unseren virtuellen Standort „kultur-punkt“ als kritische Begleitung
dieser Retrospektive der Verführung…
N: ...in der Kunst und in der Architektur geht es um eine Suche nach
der Grenze...es gibt ein Vergnügen an der Destruktion (Fast-Nichts..
Nichts...Weisses Quadrat auf weissem Grund...)..
P: Ich verstehe Malevitsch, sein „Schwarzes Quadrat auf (leicht
verschmutzt-) weissem (Schnee-)Grund“ seinen Suprematismus (der
einfachsten Empfindung seiner Malerei) als das Verschwinden in die
Retrospektive der Ikonenmalerei seiner Anwesenheits-Zeit, zugleich
als existenz-bedingte Flucht (wie Schostakovitch) aus der
todbringenden Verantwortung seiner totalitären Umwelt…um der
Vernichtung zu entfliehen..
B: Die Ästhetik des Verschwindens...(Vernichtung bei Virilios ).. in
den Netzwerken ( wo jeder der Klon oder die Metastase von etwas
anderem wird), der Verflüchtigung... das "Konzept der Nullität"....des
Nichts" = eine Form der Metamorphose: ein Erscheinen und
Verschwinden...= ist alles nicht mehr wirklich klärbar.. man muss
auch spielen, gezwungenermassen...das Objekt (heute) hat sich
zerstreut ( nicht verloren, das wäre nostalgisch) ist verschwunden,
weggegangen.. kommt vielleicht in einer fatalen Form zurück...
P: Es geht um O und 1, Welle und Korpuskel, ein Diabolon…so ich
begreife, ja empfinde ich Ihre Nullität ganz ausserordentlich
intensiv… stimme ihnen zu…
Zweites Gespräch
B:...jetzt ist es zweideutig, ambivalent, reversibel und aleatorisch
(real zeitlich)...das Objekt verschwindet im äussersten Falle..
P: Jetzt sind wir an einem Punkt angekommen, die Karten offen zu
legen – ich sehe unser Gesprächs-Bewegtheit nach unten gerichtet zu
sein, in die unterste Ebene von Platon’s Höhlengleichnis: Es ist der
gefesselte, behinderte, be- und gefangene Mensch, dem wir da
begegnen, der ( Ihren Ausführungen folgend) nicht einmal mehr
Schatten vor sich wahrnimmt – in neuer Sicht-Losigkeit (Blindheit ?)
die pure Nullität erspürt, erahnt. Und so schliesse ich daraus, dass
das Feuer im Gleichnis nicht vor-scheint , erloschen oder ebenso
behindert ist – zu erscheinen - wie der gefesselte Mensch es ist und
es erlebt….Von der Schattenwelt in die „Schattenlose RaumZeit“?..
N: Mutation (..man hat in Rekordzeit .. Dinge, Räume, Gebäude,
Vororte, auch Nicht-Orte produziert und reproduziert... )
P: In einer sprunghaften Abänderung der Lebensweisen kommen wir (
wenn wir dem Höhlengleichnis weiter folgen) zu den beiden höheren
Ebenen: Bunte und Bewegte Welt, Verwirrtheit ( Super-, Weltmarkt..
Neo-Babylon..) zur Doxa ( Masse, Meinung, Medien..) ..
Ich sehe in Ihrer Haltung zur Destruktion, die Sie im ersten
Gespräch erwähnten, eine Lust, die in Ihrem Metier üblich und
erfolgreich auftritt als paranoide Arroganz oder auch als monomane
Ich-Zentriertheit bezeichnet werden kann… ( Ausnahmen sind selten im
vergangenen Jahrhundert: Aalto, Neutra…) am Beispiel Luzern wird das
deutlich, wie Sie die Kernfunktion, die musikalische Funktion
(Hörqualität) erst einmal zugunsten der monumental-ästhetischen
Ausdrucksgestaltung beiseite geschoben haben…und so zum Verschwinden
des Zuhörens und der Zuhörenden beigetragen haben…
B: was Mutation oder kulturell nennt, ist nur eine Ansammlung von
polymorphen, perversen Aktivitäten...
..man müsste eine Architektur entwerfen, die auf der Logik der
Datenverarbeitung beruht.. dann gibt es Multikulturalität
(Identitätswechsel).. die Dinge, die werden sind selten, sind dem
Verkennen ausgesetzt, und vielleicht dem Verschwinden.
P: Sie lieben es, wie ich bemerke, zwischen den beiden Begriffen
„Verwirrung und Verlöschtem“ der beginnenden Nullität gedanklich zu
pendeln ..
B: Umwelt, Ökologie.. habe ein Vorurteil gegen diese Dinge.. diese
existiert auf der Grundlage von einem Verschwinden aller natürlichen
Gegebenheiten ..um eine perfekte künstliche Welt zu errichten, in
der Räume der Natur zu Naturschutzgebieten werden...
P: Ich steigere Ihre These noch, indem ich feststelle, dass unsere
Um-Räume „Natur und -Schutz“ zu Macht- und Gewalt-Szenarien
verkommen…
N: Architektur als reines Ereignis sagtest Du?
B: Ja, ich unterscheide das Mondiale, das Universelle und das
Einzigartige...
N: .. und zum Neutralen?
B: Dafür brauchen wir keine Architekten...
P: Wir haben genug „Ampassdeure“ , die sich aus ihrer universellen
Verantwortung clever heraushalten, statt sich als mitfühlende und
integre, soziale Wesen zu offerieren…
B: .. Alles was Ideen, Träume und Utopien waren, ist virtuell
verwirklicht. Du stehst vor dem Paradoxon einer Freiheit, die keine
Finalität hat…
P: Für diese Schlussbemerkung danke ich Ihnen Beiden und das
anregende Gespräch.
08-1 kultur-punkt
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