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<< PA4-11-5
Platon : Ideenbegriff, u.a. >>
Nach HOMER ist Zeus patêr andrôn te theôn te (Odyss. s' 135). Er
wirkt in den Geistern der Menschen (Iliad. y' 242). HESIOD gibt eine
Theogonie (s. d.). Die »Orphiker« sehen in »Zeus« den Weltgrund:
Zeus kephalê, Zeus messa, Dios d' ek panta tetyktai (Stob. Ecl. I 2,
40).
ANAXIMANDER bezeichnet Gott als das apeiron (s. d.), ANAXAGORAS als
den »Geist« (s. d.), den noun kosmopoion (Stob. Ecl. I 2, 56). Die
Pythagoreer sehen in der »Einheit« (monas) die Gottheit (Stob. Ecl.
I 2, 58). Gott wird als der ewige, unbewegte Weltgrund bestimmt nach
PHILOLAUS: ho hêgemôn kai archôn hapantôn theos eis, aei ôn, monimos,
akinêtos, autos hautô homoios, heteros tôn allôn (bei PHILO, De
mundi opif. 23 A). Nach HERAKLIT ist Gott das vernünftige, ewige,
rastlose Weltfeuer (pyr aidion), der logos (s. d.), der in den
Welten sich entfaltet (Stob. Ecl. I 2, 60). Die Einheit Gottes
spricht energisch aus
XENOPHANES: heis theos en te theoisi kai anthrôpoisi megistos, oute
demas thnêtoisi homoiios oute noêma (Mull., Fragm. I, p. 101). Das
göttliche Eine ist das All, das All ist göttliche Einheit: hen to on
kai pan (Simplic. ad Phys. Aristot. fol. 5b; Stob. Ecl. I 2, 60).
Xenophanês de prôtos toutôn henisas... eis ton holon ouranon
apoblepsas to hen einai phêsi ton theon (Aristot., Met. I 5, 986b
24). Gott ist das Beste von allem (Simplic. a. a. O.), die Einheit
des Weltganzen (Sext. Empir. Pyrrh. hypot. I, 224). Er ist
unbegrenzt, aber materiell, von »runder« Gestalt (sphairoeidê onta
Sext. Empir. Pyrrh. hypot. I, 224), zugleich allwissend: ganz Auge,
ganz Ohr, ganz Denken (oulos hora, oulos de noei, oulos de t' akouei,
Sext. Empir. adv. Math. IX, 144; Diog. L. IX, 19); apaneuthe ponoio
noou phreni panta kradainei (Simpl. ad. Arist. Phys. fol. 6 A). »Unum
esse omnia neque id esse mutabile et id esse deum neque natum unquam
et sempiternum, conglobata figura«
(CICERO, Acad. II, 118; vgl. Simplic. ad Aristot. Phys. 22 Diels).
Die Menschen stellen sich ihren Gott anthropomorph vor, wie die
Tiere sich ihn tierähnlich vorstellen würden (Clem. Alex., Strom. V,
601e, VII, 711 b; Euseb., Praepar. evang. XIII, 13); sie schreiben
ihm menschliche Leidenschaften zu (Sext. Empir. adv. Math. IX, 193,
289; Aristot., Rhetor. II 23, 1399b 6; 1400b 5). Nach
PARMENIDES ist Gott das eine, ewige, unbewegte, leidlose Sein (s.
d.).
EMPEDOKLES soll die Menschenähnlichkeit der Götter negiert haben (Clem.
Alex., Strom. V, 644). Einige Sophisten bezweifeln die Existenz der
Götter. Nach KRITIAS ist der Götterglaube eine Erfindung kluger
Staatsmänner (Sext. Empir. adv. Math. IX, 54); ähnlich
PRODIKOS. Skeptisch scheint sich gegenüber dem Götterglauben
PROTAGORAS verhalten zu haben (peri tôn theôn ouk echô eidenai, outh'
hôs eisin, outh' hôs ouk eisin. polla gar ta kôlionta eidenai, hê d'
adêlotês kai brachys ôn ho bios tou anthrôpou (Diog. L. IX, 51).
SOKRATES glaubt an eine göttliche, allwissende, zweckmäßig wirkende
Vernunft und Vorsehung (phronêsis) im All (ho ton holon kosmon
syntattôn te kai synechôn; - panta men hêgeito theous eidenai Xenoph.,
Memorab. I, 1, 19; IV, 3, 13).
PLATO bestimmt die (unpersönliche) Gottheit als höchste der Ideen
(s. d.), als die »Idee des Guten«, das »Gute an sich«, also ethisch.
Sie ist ewigeinzig, erhaben über alle Dinge (auto kath' hauto meth'
hauton monoeides aei on, Sympos. 211 B), jenseits alles Seienden (epekeina
tês ousias, Republ. VI, 209 B), also völlig transcendent. Sie ordnet
alles aufs beste (diakosmôn panta kai epimeloumenos, Phaedr. 246 E),
als der gute Demiurg, Weltbildner (Tim. 28 ff., 29 E; Republ. X,
597; Phileb. 22 C). Gottes Güte ist der Daseinsgrund der Dinge.
XENOKRATES betrachtet die Monas (Einheit) als höchsten Gott und
stellt ihm die Dyas als weibliche Gottheit zur Seite, wie er auch
eine Vielheit göttlicher Kräfte annimmt (Plut., Plac. I, 7, 30; Dox.
304). Als von der Welt geschieden (kechôrismenê tôn aisthêtôn), also
als übersinnlich, faßt
ARISTOTELES die Gottheit auf. Sie ist einfach, leidlose,
unstoffliche, reine »Form« (s. d.), Intellekt, selbstbewußtes Denken
(hê noêsis hê kath' heautên tou kath' heauto aristou,, Met. XII 7,
1072 b 19; amerês kai adiairetos, Met. XII 7, 1072 b 6), sie denkt
sich selbst, ist noêseôs noêsis (Met. XII 9, 1074 b 34), ist das
ewig Unbewegte (zôon aidion ariston, Met. XII 7, 1072 b 29; ousia
tis aidios kai akinêtos kai kechôrismenê tôn aisthêtôn, Met. XII 7,
1073 a 4), der »erste Beweger« der Welt (to prôton kinoun, Met. XII
7, 1073 a 27); sein Wirken besteht im Streben nach ihm, das die
Dinge empfinden (kinei de hôs erômenon, kinoumenô de talla kinei,
Met. XII 7, 1072 b 3). STRATO gestaltet den Aristotelischen
Gottesbegriff zu einem naturalistischen: »Omnem vim divinam in
natura sitam esse censet, quae causas gignendi, augendi, minuendi
habeat, sed careat omni sensu et figura«
(CICERO, De nat. deor. I, 12, 35). Pantheistisch wird der
Gottesbegriff bei den Stoikern. Nach ihnen ist Gott das pneuma (s.
d.), die Kraft des Alls, die zugleich feinster Stoff und Vernunft (logos)
ist und sich in der Welt (s. d.) entfaltet und entwickelt, die
Weltseele. Gott ist das All (kosmos) in dessen Einheit, die Welt ist
der differenzierte Gott (Diog. L. VII, 139, 148; Plut., De Stoic.
rep. 41; Cicer., De nat. deor. I, 14). Alles ist beseelt, göttlicher
Herkunft; Gott wirkt in der Welt. Theon d' einai zôon athanaton,
logikon, teleion ê noeron en eudaimonia, kakon pantos anepidekton,
pronoêtikon kosmou te kai tôn en kosmô. mê einai mentoi
anthrôpomorphon. einai de ton men dêmiourgon tôn holôn kai hôsper
patera pantôn koinôs te kai to meros autou to diêkon dia pantôn, ho
pollais prosêgoriais prosonomazesthai kata tas dynameis (Diog. L.
VII 1, 147). Gott ist das gestaltende, ätherische Feuer, pyr
technikon, das vernünftig (durch die spermatikoi logoi) und zugleich
notwendig-kausal, gesetzmäßig (kath' heimarmenên) wirkt, alles
durchdringend (Stob. Ecl. I 2, 66). Gestaltlos ist die Gottheit,
aber zahllose Gestalten nimmt sie an (pneuma noeron kai pyrôdes ouk
echon men morphên, metaballon de eis ho bouletai kai
synexomoioumenon pasin (Plut., Epit. I, 6, Dox. 292 a). Gott (Zeus)
ruft
KLEANTHES so an: Kydist' athanatôn polyônyme pankrates aiei, Zeu
physeôs archêge, nomou meta panta kybernôn (Stob. Ecl. I 2, 30;
Cicer., De natur. deor. I, 14, 37). Nach
SENECA ist Gott »prima omnium causa, ea qua ceterae pendent« (De
benefic. IV, 7). »Quid est Deus? Quod vides totum, et quod non vides
totum. Sic demum magnitudo sua illi redditur, qua nihil maius
excogitari potest; si solus est omnia, opus suum et extra et intra
tenet« (Quaest. nat. I, praef. 12; vgl. MARC AUREL, In se ips.). Die
Epikureer halten die Götter für ätherische Wesen (aus den feinsten
Atomen bestehend); sie wohnen in den »Intermundien« (s. d.), führen
ein seliges Leben, kümmern sich nicht um die Schicksale der
Sterblichen, erscheinen aber zuweilen den Menschen (Diog. L. X,
123). Die Skeptiker halten die Existenz Gottes für unbeweisbar (Sext.
Empir. Pyrrh. hypot. III, 1, 9).
Eine Vereinigung griechischer mit orientalischen (jüdischen)
Anschauungen findet sich schon bei
ARISTOBULUS. Nach ihm ist Gott eine das All beherrschende,
unsichtbare, außerweltliche Kraft (diakrateisthai theia dynamei ta
panta kai genêta hyparchein kai epi pantôn einai ton theon; - saphôs
oimai dedeichthai, hoti dia pantôn hê dynamis ton theon,, Euseb.,
Praep. XII, 12).
PSEUDO-ARISTEAS unterscheidet den höchsten Gott (ho kyrieuôn
hapantôn theosaprosdeês) und dessen Macht (dynamis), die überall
wirkt (dia pantôn estin, panta topon plêrei). Ähnlich das zweite
Buch der Makkabäer (2, 39), während das Buch der Weisheit die
Weisheit als Ausfluß der Gottheit, als hagion pneuma, bestimmt (vgl.
ÜBERWEG-HEINZE, Gr. d. Gesch. d. Philos. I9, 354). PHILO bestimmt
Gott als das (persönlich) Seiende (to on), als die ewige
einzig-einfache Einheit (ho theos monos esti kai hen, ou synkrima,
physis haplê (Leg. alleg. II, 1; legesthai gar ou pephyken alla
monon einai to on, De somn. I, 39). Er ist noch über »das Gute«
erhaben (De mundi opif. I, 2); to gar on hê on estin, ouchi tôn pros
ti, auto gar heautou plêres kai auto heautô hikanon (De nom. mutat.
I, 582). Er ist allseiend, überall (De linguar. conf. I, 425), er
ist der Ort der Dinge (De somn. l). Selig ist er (De Cherub. I, 154)
und allwissend (theô de ouden adêlon, ouden amphisbêtoumenon, hos
kai allois ta gnôrismata tês alêtheias enargôs epidedeichs, De
sacrif. 28). Neupythagoreer und pythagoreisierende Platoniker
betonen die Transzendenz, Überweltlichkeit Gottes.
APOLLONIUS VON TYANA unterscheidet den einen, jenseitigen Gott von
den Göttern (Euseb., Praep. ev. IV, 13). NIKOMACHUS bestimmt die
Gottheit als monas; (Theol. Arithm. p. 44). Nach
PLUTARCH VON CHAERONEA ist Gottes innerstes Wesen uns unbekannt (De
Pyth. orac. 20; De Is. et Osir. 75). Gott ist Einheit ohne Anderheit,
das Seiende (De Is. et Osir. 78). Der Gottheit steht das Böse als
Weltprinzip gegenüber (Platon. quaest. II, 1, 2). NUMENIUS
unterscheidet vom höchsten Gott den Demiurg als den zweiten Gott (ho
deuteros theos) der an dem ersten teilhat (metousia) und die Welt
bildet als geneseôs archê; die Welt ist der »dritte Gott«. - Der
höchste Gott ist Geist (nous), Seinsprinzip (ousias archê, Euseb.,
Praep. ev. XI, 22; ho theos ho men prôtos en heautô ôn estin,
haplous dia to heautô syngignomenos diolou mêpote einai diairetos,
l.c. XI, 18, 3).
Die Neuplatoniker bemühen sich, die Gottheit über alles endliche
Sein hinauszuheben, anderseits aber die Welt, durch Mittelwesen, aus
ihr (emanatistisch) abzuleiten. Nach
PLOTIN ist Gott das Überseiende, Eine (s. d.), Bestimmungslose,
Ewige (Enn. V, 5, 3 ff.), absolut Größte (l.c. VI, 7, 32),
Übergeistige, Überweltliche (l.c. III, 8, 8; VI, 7, 32; V, 4, 2).
Die Dinge stammen aus ihm (l.c. VI, 7, 32), so aber, daß Gott
unverändert bleibt (l.c. III, 8, 9; V, 1, 9).
JAMBLICHUS nennt Gott den unnennbaren Urgrund (pantê arrhêtos archê),
der noch über das hen erhaben ist (Damasc., De princ. 43). Nach
PROKLUS ist Gott die Ureinheit, das Urprinzip (Instit. 4 ff.),
anaitiôs aition (Plat. theol: III, p. 101 ff.), pasês sigês
arrhêtoteron kai pasês hyparxeôs agnôstoteron (l.c. II, 11).
BOËTHIUS bestimmt Gott als das Eine, Gute, als Vorsehung (Cons. phil.
III).
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