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<<Diskurs-Basisthema für:Zwist, Neid > Hass - am Beispiel verschiedener Lebensweisen
wie Judentum, Religionen.. / Teil 2 ( I-II)>>
Vordiskurs mit *Ulla, *Marga, *Jörg, *Walter; ab 23.2.06
Quellen:
Anat Kalman:Mythos „Jüdischer Bolschewismus” SWR2
(1) - Emanzipation und Verbürgerlichung (2) Liberal, religiös, sozial: Die
Politik des "Bundes"
Prof. Kodalle, Uni - Jena
Prof. Karl-Erich Grözinger, Religionswissenschaftler, Universität Potsdam;
Prof. Susan Neiman, Philosophin, Direktorin des Einstein-Forums, Berlin;
Prof. Herbert Schnädelbach, Philosoph, Hamburg;
Moderation: Eggert Blum
Überblick
Die Diskursteilnehmenden* haben dabei den Versuch unternommen, die
Einflussfaktoren des jüdischen Denkens in der Welt etwas zu verdeutlichen
und aus der zum grossen Teil schein-heilig und aufgesetzt wirkenden
philosemitischen Medienoberfläche und gesellschaftlich verbreiteten
Meinungsbildung herauszuarbeiten.
Dabei wurde der Diskurs methodisch selbst in Frage gestellt bedingt durch
die zum grossen Teil widersprüchlichen Sprachverhaltensweise zwischen den
Beteiligten insbesondere zwischen den Frauen und Männern....
Diskursmethodik
Fazit 1: man(n) verdenkt sich - vordergründig und frau hintergründig - weil
Frauen dazu (aus der bisherigen patriarchalischen Erziehung vorgeformt, ja
deformiert) sich zurückhaltend und sogar benachteiligt im Diskurs nur am
sogenannten Kindertisch nebenan teilnehmend fühlen und sind, dabei auch
übergangen werden...
Eine Mediation / Vermittlung ist daher angesagt... Dazu dient der
nachfolgende Diskurs II - Erweiterung in Folge...
I
Diskursinhalt - Zusammenfassung
Fazit 2 : es wurde grosso modo übereinstimmend festgestellt, dass jede
religiöse Unerbittlichkeit - was sich auf alle Religionen bezieht, die
jüdische Religiösität dabei mit eingeschlossen - einen tiefen Zwist und Neid
zwischen Menschen auslöst, da sich verschiedene Lebensauffassungen und
-weisen in den Jahrtausenden entwickelt haben.
Insbesondere das Auserwähltsein und -verhalten der jüdischen Gläubigen und
voran der jüdischen Intellektuellen und deren Schulung auf den Disput mit
seinen intensiv leistungs- und lernförderlich orientierten Prinzipien,
schüren seit vielen Jahrhunderten immer wieder verfolgungs- und
todbringenden Neid und bringen Zwietracht unter den verschiedenen
wettbewerbsorientierten anderen religiösen, theosophischen wie
philosophischen und materialistisch ausgerichteten Bewegungen...Das führte
insbesondere für alle intellektuell überlegene Gruppen, die in der
Minderheit leben, was insbesondere die jüdischen Intellektuellen, die seit
vielen Jahrhundeten als Berater von Machthabern und Machteliten tätig waren,
in den breiten Schichten der Bevölkerungen zu einem vertieften Unmut, der
immer schwelend sich fortbewegte ( einer gefährlichen Glut unter einer
unscheinbaren Asche an der Oberfläche vergleichbar..) So führte jeder
Machtwechsel auch die jüdischen Berater der gestürzten Herrschenden in die
Verfolgung, die Pogrome, schliesslich in den aktuellen industrialisierten
Massenmord. So entstand in den jahrhundertlangen Machtwechsel das Muster des
Verfolgten, des Opfers. Diese Opferrolle wurde dabei so manifest, dass auch
die in die Täterrolle verwandelten Verhaltensweisen (siehe aktuell
vorgeführte israelische Staatsverhaltensmassnahmen) als Opfergang gedeutet
werden können... was zu einer untrennbaren Verwirrung und Verstrickung
geführt hat.....
Auch hier ist eine sich nach allen Seiten öffnende Vermittlung angesagt, die
die Verstrickung zwischen Opfer- und Täterschaft klären hilft...
Die zentrale Frage: Wie und wo ist eine Beratungstätigkeit mit
herrschaftsorientierten Gruppen und Personen bereits Mittäterschaft und wann
trifftet sie in ein Opferdasein ab, wobei das Verschuldetsein durch
Verstrickung in jener Funktion als Consulter?,Täter? gleichfalls in der
nachfolgenden Opfersituation einzubeziehen ist...
II
Diskurs in Folge - Erweiterung mithilfe folgender Quellen:
Zuvor eine humorvolle Variante zur Charakterisierung des jüdischen
mehrschichtigen Denkens und des Selbst - integriert im Witz:
A
Prof. Kodalle, Uni - Jena: ...Man könnte meinen, hier sei eine politische
Theologie der Freund-Feind-Konfrontationen im Spiel, für deren
Durchleuchtung man die Texte des berühmten Juristen Carl Schmitt heranziehen
müsste. Als könne wenigstens hier auf Erden eine universale Perspektive der
Allversöhnung nicht gelebt werden, als müsse es wenigstens einen Punkt
geben, an dem sich die reine Lebensform des kölschen Versöhnungsgeistes
gegen eine andere abgrenzt,
so wie es in jenem jüdischen Witz beschrieben wird, in dem ein reicher
Jude drei Synagogen bauen ließ; gefragt, wozu denn drei, erklärt er, er
brauche eine orthodoxe, eine liberale und eine dritte, über deren Schwelle
er seinen Fuß niemals setzen werde ...
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B
SWR2 Forum Dienstag, 28. Februar 2006, 17.05 Uhr
Zehn Gebote für Atheisten - Woran orientieren sich Nicht-Gläubige?
Es diskutierten:
Prof. Karl-Erich Grözinger, Religionswissenschaftler, Universität Potsdam;
Prof. Susan Neiman, Philosophin, Direktorin des Einstein-Forums, Berlin;
Prof. Herbert Schnädelbach, Philosoph, Hamburg;
Moderation: Eggert Blum
Ein Chor von Kritikern beklagt, dass unserer westlichen, allzu sehr aufs
Materielle gerichteten Gesellschaft die Werte verloren gingen. Von "Diktatur
des Relativismus" und "postmoderner Beliebigkeit" spricht der Papst. Die CDU
hat einen Wertekongress veranstaltet. Und es scheint, dass sich eine
Sehnsucht nach Religiosität ausbreitet, nach den fest vorgegebenen Werten,
die Religion vermitteln kann. Aber: nach welcher Ethik leben all jene, die
nicht glauben? Dreiviertel aller Deutschen besuchen Gottesdienste nur sehr
selten, knapp die Hälfte bekundet, dass Religion keine wichtige Rolle für
ihr Leben spiele. Woher beziehen sie ihre Überzeugungen? Lassen sich Ethik
und Moral auch ohne Rückgriff auf den Glauben begründen?
Fazit:
Religion ist statt Opium (Marx), Kokain...Versicherung der Würde des
Menschen...(Susan Neiman)
Trost für die Seele....der Sinn des Lebens gerät heute unter
Ideologieverdacht...
Leben ist in die Lebenszeit zu setzen - nicht ins Jenseits... zu
polarisieren (Susan) oder zu katapultieren (walter: siehe Islamisten)
Die Würde des Menschen ist unantastbar (Deutsches Grundgesetz Artikel 1)
Unsere Werte, Kriterien dazu, Prinzipien ....von Moralaposteln,
Moraltrompetern ausposaunt, sollen uns in totalitäre Abhängigkeit bringen..
Friede steht höher als die Wahrheit und Gott - (ge)brauchen wir in der
Verzweiflung...(Susan, Walter....)
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C
Anat Kalman: Mythos „Jüdischer Bolschewismus” (1) - Emanzipation und
Verbürgerlichung
Autorin: Anat Kalman; Redaktion: Jürgen von Esenwein; Regie: Günter Maurer
Sendung: Freitag, 24. Februar 2006, 8.30 Uhr, SWR 2
Bitte beachten Sie: Das Manuskript ist ausschließlich zum persönlichen,
privaten Gebrauch bestimmt.
Jede weitere Vervielfältigung und Verbreitung bedarf der ausdrücklichen
Genehmigung des Urhebers bzw. des SWR.
Überblick
Stammtischreden über jüdischen Bolschewismus sind wieder modern geworden. Im
Ränkespiel des perfiden Aufrechnens und Vergleichens von faschistischen und
kommunistischen Verbrechen soll es dazu dienen, Juden als
Hauptverantwortliche für den bolschewistisch-sowjetischen Terror zu
brandmarken. Zudem hätten sie an der Wiege von Kommunismus und Sozialismus
gestanden und ihr "jüdischer Messianismus" sei die Wurzel sozialistischer
Ideen. Denn schließlich sei Marx Jude gewesen. Doch ein Blick auf die
europäische Geistesgeschichte genügt, um zu zeigen, dass die westeuropäische
Geschichte des Sozialismus und die Geburt des Kommunismus weder etwas mit
Judentum, noch etwas mit jüdischem Messianismus zu tun haben.
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Manuskript-Inhalt TEIL 1
Besetzung:
Ansager
Sprecherin
Sprecher
Zitator
Zitator:
Meine Damen und Herren, es wird Sie überraschen, daß der amerikanische
Autokönig Henry Ford 1920 ein Buch mit dem Titel „The International Jew”
herausgegeben hat. Dieses Buch hat in den USA eine Auflage von 500.000
Exemplaren erlebt. Es wurde ein Weltbestseller und in 16 Sprachen übersetzt.
Darin prangert Ford die Juden generalisierend als „Weltbolschewisten” an. Er
vermeinte, einen "alljüdischen Stempel auf dem roten Rußland” ausmachen zu
können, wo damals die bolschewistische Revolution tobte. Er bezeichnete die
Juden in „hervorragendem Maße” als „Revolutionsmacher”. Dabei bezog er sich
auf Rußland, Deutschland und Ungarn. Ford brachte in seinem Buch eine
angebliche „Wesensgleichheit” von Judentum und Kommunismus bzw.
Bolschewismus zum Ausdruck.
Russischer Revolutionsmarsch
Ansager:
„Emanzipation und Verbürgerlichung“, eine Sendung von Anat Kalman aus der
Reihe „Mythos jüdischer Bolschewismus”.
Musik
Sprecherin:
Als der CDU-Politiker Martin Hohmann in seiner Rede zum deutschen
Nationalfeiertag am dritten Oktober 2003 Judentum mit Bolschewismus
gleichsetzte, kam es auf der politischen Bühne zum Eklat. Kurze Zeit später
musste Hohmann seine Parteiämter niederlegen, was erneut heftige
Kontroversen auslöste. Denn – so argumentierten seine Verteidiger: Man müsse
doch sagen dürfen, dass Juden für das Ausmaß des Sowjetterrors
mitverantwortlich seien. Darum taucht sie immer wieder auf, die Frage:
Welche Rolle spielten Juden bei der Oktoberrevolution 1917 und innerhalb des
kommunistischen Machtapparates der Sowjetunion bis in die siebziger Jahre
des vergangenen Jahrhunderts? In den Medien wurde diese Frage wiederholt
aufgegriffen und im Rahmen politisch-gesellschaftlicher Debatten, meist
„Historikerstreit” genannt, öffentlich ausgetragen. Auch die Kette von
Publikationen zu diesem Thema reißt nicht ab. 1992 veröffentlichte die
Journalistin Sonja Margolina das Buch „Das Ende der Lügen, Russland und die
Juden im 20. Jahrhundert“. 2002 erschien „Zweihundert Jahre gemeinsam“ von
Alexander Solschenyzin; und im Herbst 2005 erschien Yuri Slezkines Buch
„Paradoxe Moderne, Jüdische Alternativen zum Fin de siècle“.
Sprecher:
In diese Reihe gehört auch das Buch „Jüdischer Bolschewismus”, Mythos und
Realität“ von Johannes Rogalla von Bieberstein, das 2004 bereits die vierte
Auflage erreichte. Auch er ging der Frage nach, wie viele namhafte
kommunistische, sozialistische und bolschewistische Intellektuelle und
Politiker in West- und Osteuropa jüdischer Herkunft waren. Er hat sie alle
aufgelistet, rund 5000 berühmte Personen jüdischer Herkunft, die mit
marxistischen und sozialistischen Ideen sympathisierten oder an der Seite
der Bolschewisten gekämpft haben.
ZUR SOZIAL-REVOLUTIONS PROMINENZ 11-23% DER VER-FÜHRUNGSKRÄFTE (walter)
Sprecherin:
Genannt werden nicht nur Karl Marx, der Begründer des wissenschaftlichen
Sozialismus – des Marxismus - und bekannte politische Kommunisten, wie die
1870 geborene Rosa Luxemburg, oder der 1940 im mexikanischen Exil ermordete
russische Revolutionsführer Leo Trotzki. Bekannte deutsche und
österreichische Schriftsteller wie Ernst Toller oder der später zum
katholischen Glauben übergetretene Franz Werfel sind ebenfalls auf dieser
Liste zu finden. Wissenschaftler wie Arthur Koestler, Philosophen wie Walter
Benjamin, Ernst Bloch und Maler wie Marc Chagall. Denn was heute nur noch
wenige wissen: Marc Chagall war kurz nach der Oktoberrevolution 1917 als
Kulturkommissar der Bolschewiki in seine Heimatstadt Vitebsk zurückgekehrt.
Für das russische Parteiensystem nach der Revolution von 1917 kommt Johannes
Rogalla von Bieberstein verglichen mit Martin Hohmann zu wesentlich
geringeren Zahlen. Er bezieht sich auf eine Statistik aus der Zeitschrift
Weltbühne von 1919, wenn er schreibt:
Zitator:
In den revolutionären Parteien ergab sich im einzelnen folgendes Bild: von
den Sozialrevolutionären waren 14 Prozent jüdisch, von den Menschewiki 23
Prozent, dagegen von den Bolschewiki lediglich elf Prozent.
Sprecher:
Fazit dieser Auflistung von Namen und Statistiken: In der Tat gab es
innerhalb der sozialistischen und kommunistischen Bewegung in Europa viele
Intellektuelle aus jüdischen Familien. Was sie zwischen 1917 und 1933 für
all diejenigen, die sowieso etwas gegen Juden hatten, zum idealen Sündenbock
machte. Johannes Rogalla von Bieberstein:
Johannes Rogalla von Bieberstein:
Es ist natürlich so. Die bürgerliche Welt war erschreckt über den
Bolschewismus. Die haben ja auch direkt zur Ausrottung der Klassenfeinde
aufgerufen. Das war ein Terrorregime. Und da griff man auch zu Mitteln des
Antisemitismus. Und das ist natürlich sehr tragisch, weil der radikale
Kommunismus hat den Antisemitismus in gewisser Weise enorm verstärkt, ja
sogar bis zu einem mörderischen Antisemitismus gesteigert. Und das haben
auch jüdische Verbände und konservative und traditionelle Juden haben mit
beschwörenden Worten gewarnt vor den fatalen Folgen dieser jüdischen
Führerschaft am Kommunismus.
Sprecherin:
Eine These, die so auch von einigen jüdischen Historikern vertreten wird.
Etwa vom Jerusalemer Historiker Jonathan Frankel, der in seinem Buch The
Jews and the European Crisis darauf hinweist, dass der Antisemitismus, der
sich am Ende des Ersten Weltkriegs entwickelte, durchaus in einem
Wirkungszusammenhang mit der bolschewistischen Bewegung stand. Frankel
schreibt:
ZU NEID, FEINDSCHAFT UND HASS DER UNTERPRIVILEGIERTEN (walter)
Zitator:
Je größer der Erfolg der kommunistischen Bewegung war, desto ausgeprägter
wurde die antikommunistische Feindseligkeit gegenüber den Juden.
Sprecher:
Der Brüsseler Judaist Maxime Steinberg geht sogar noch einen Schritt weiter.
Er meint, dass die „jüdisch-bolschewistische Fährte” essentiell sei für das
Verständnis des nationalsozialistischen Genozids an den Juden, eine Ansicht,
die der umstrittene Historiker Ernst Nolte durchaus teilt. Denn es sei vor
allem die Furcht vor dem Bolschewismus gewesen, die Hitler zu einem
erklärten Antisemiten gemacht habe. Das gelte vor allem für die Jahre in
Wien, wo er machtvolle Demonstrationen von Sozialdemokraten und Kommunisten
erlebt habe. „Wer Hitler studiert hat“, urteilt Ernst Nolte,
Ernst Nolte:
... der weiß, dass in Mein Kampf die Dinge so dargestellt werden. Was ich
für eine glaubwürdige Aussage in Mein Kampf halte, ist: eines Tages sah ich
den unendlich langen Menschenwurm, der da demonstrierte in Wien, und ich war
erschrocken. Am nächsten Tag las ich die sozialdemokratische Zeitung und
guckte oben auf das Impressum. Und da sah ich wie die Namen von den
Redakteuren waren: Ellenbogen usw.. Da wusste ich. Da ging mir ein Licht
auf. Und dieses Licht ist ihm vielleicht nicht allzu weit von [19]14
entfernt schon in Wien aufgegangen.
Musik:
JUDEN UND SU - KOMMUNISMUS ZU BEGINN DES 20.JHDTS (Gertrud Pickhan):
Also ich denke, dass das Thema Juden und Kommunismus ja ganz eindeutig
verweist auf die Geschichte der Sowjetunion, in der es eben ja sehr wohl
jüdische Vertreter gab, die im kommunistischen Machtapparat eine Rolle
spielten. Natürlich haben wir schon zu einem viel früheren Zeitpunkt eine
Identifizierung von Marx-Jüdischsein mit dem Ursprung des Kommunismus. Da
wird natürlich alles in einen Topf geworfen. Jüdischer demokratischer
Sozialismus, Revolution, Kommunismus, Bolschewismus. Da wird ja nicht
differenziert. Aber ich denke eben, das Ganze ist ja eben doch das Produkt
der Köpfe, die sich das ausgedacht haben und weniger ein Ergebnis der
tatsächlichen Bewegungen oder Einstellungen in der jüdischen Bevölkerung.
Also das würde ich wirklich auch sehr bewusst ... strikt voneinander
trennen.
Sprecherin:
Gertrud Pickhan forscht am Osteuropa-Institut der Freien Universität in
Berlin. Sie beschäftigt sich schon seit langem mit der Geschichte des
Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes, kurz BUND genannt, dem stärksten
politischen Parteiorgan der jüdischen Minderheit in Polen und Russland zu
Beginn des 20. Jahrhunderts. Doch Diskussionen wie über das Thema Jüdischer
Bolschewismus steht sie sehr distanziert gegenüber. Nicht, weil festgestellt
wird, dass es neben Russen, Deutschen, Südslawen, Rumänen, Balten oder
Ungarn auch Politiker und Intellektuelle jüdischer Herkunft gab, die sich
dem Bolschewismus angeschlossen hatten. Und dass diese für den Verlauf der
Oktoberrevolution und der Geschichte natürlich mit verantwortlich sind.
Problematisch dabei ist, dass der immer wieder auftauchende Begriff
„Bolschewismus” in Zusammenhang mit dem Adjektiv jüdisch unterstellt, dass
gerade diese militante Form des Sozialismus eine fast ausschließlich
jüdische Bewegung gewesen ist.
Sprecher:
Diese konstruierte Identifizierung von Judentum und Bolschewismus haben die
deutschen Nationalsozialisten ab 1933 gerne als Hauptargument oder - wie
andere sagen - als Vorwand benutzt, um die industrielle Ausrottung des
jüdischen Volkes zu rechtfertigen. Wobei noch heute darüber gestritten wird,
wen sie für ihren größten Feind hielten: Kommunisten oder Juden. Denn
immerhin betrachtete sich zumindest Reichspropagandaminister Joseph Goebbels
zeitweise selbst als „Sozialist”. Und Ziel des Nationalsozialismus war ja,
innerhalb der deutschen Volksgemeinschaft die Gegensätze von „national” und
„sozialistisch” aufzuheben. Diesen Gedanken greift auch Johannes Rogalla von
Bieberstein in seinem Buch Jüdischer Bolschewismus Mythos und Realität auf:
DER VERSEUCHTE NAZI-SOZI (goebbels)
Zitator:
So legte ja Joseph Goebbels als Repräsentant der die alten
gesellschaftlichen Eliten verhöhnenden NS-Linken 1929 die Broschüre [vor]:
„Der Nazi-Sozi. Fragen und Antworten für den Nationalsozialisten”. Der
spätere Reichspropagandaminister hat sich in der „Kampfzeit” sogar als
„deutscher Kommunist” charakterisiert, der den internationalen Kommunismus
von Marx, Liebknecht, Radek etc. als „jüdisch verseucht” bekämpfte.
HITLERS ERKENNTNIS IN WIEN (walter)
Sprecherin:
Trotzdem besteht Ernst Nolte darauf, dass Adolf Hitler selbst sehr wohl
Bolschewismus und Judentum gleichsetzte und als „die große Gefahr”
betrachtete.
Ernst Nolte:
Wenn man, wie ich es getan habe, die frühen Schriften und Artikel Adolf
Hitlers liest, dann sieht man, wie stark er doch ständig auf den
Bolschewismus eingeht und für wie ernst er ihn nimmt. Wo er nämlich sagt:
unser Anti-Bolschewismus muss eine Aktivität, eine Bewegung von
bolschewistischer Entschlossenheit sein. Die Hitlersche These ist, die Juden
sind die Urheber des Bolschewismus. Das konnte ihn mit der Hoffnung
erfüllen, wenn er die Juden ausschaltet, hat er auch den ganzen Sozialismus,
ja im Grunde die Revolution ausgeschaltet.
ZUR GESCHICHTE DES SOZIALEN - ZUSAMMEN MIT DEM BOLSCHEWISMUS (walter)
Sprecher:
Sozialismus, Anarchismus, Kommunismus, Marxismus, Bolschewismus - die
Geschichte der unterschiedlichen linken Welterklärungsmodelle ist sehr
komplex. Sie beginnt in der Folge der Französischen Revolution, Anfang des
19. Jahrhunderts in Frankreich und England und hat in ihren Anfängen mit
„Judentum” nichts zu tun. Sondern mit der industriellen Revolution in Europa
und der Entstehung einer neuen Gesellschaftsschicht, dem Proletariat, der
Arbeiterklasse. Die bildete sich in den Städten und industriellen
Ballungsgebieten, wo sie unter elenden Bedingungen lebte.
Sprecherin:
Um 1800 war die Industrialisierung in England und Frankreich am weitesten
vorangeschritten. Darum tauchten auch dort die ersten
Gewerkschaftsbewegungen auf - der Chartismus und der Unionismus. Inspiriert
von den Schriften englischer und französischer Theoretiker des „utopischen
Frühsozialismus”. Dazu zählen der 1771 geborene Engländer Robert Owen, der
französische Graf Claude Henri de Rouvroy - bekannt als Saint-Simon - und
der 1772 geborene Franzose Charles Fourier. Diese hatten als erste die
Verbesserung der unerträglichen sozialen Missstände in Handwerk,
aufkommender Industrie und in Bergwerken durchgesetzt: Verkürzung der
Arbeitszeiten in den Manufakturen, Erhöhung der Löhne und Musterschulen für
die Arbeiterkinder.
Sprecher:
Der 1809 geborene französische Sozialist und Anarchist Pierre Joseph
Proudhon war dann der erste, der die totale Abschaffung von privatem
Produktionskapital propagierte und erklärte, dass nur, wer arbeite, auch ein
Recht auf ein Einkommen habe. Damit leitete er eine radikale Form
sozialistischen Denkens ein, das sich zwischen 1850 und 1895 entwickelte. In
den Jahren, in denen der immer schrankenloser agierende Kapitalismus einen
ersten Höhepunkt erreichte. Diese Ideen wurden dann in Deutschland von
Friedrich Engels und Karl Marx übernommen - als „kommunistischer
Grundgedanke”. Daraus schufen sie dann das theoretische Fundament der
sozialistisch-kommunistischen Weltsicht, auf die sich seither alle
sozialistischen und kommunistischen Parteien berufen.
HINTER DER SOZIALISMUS-SPITZE : BERATENDE KONVERTIERTE, PROTEST-ANTEN UND
-ONKELN (walter)
Sprecherin:
An der Wiege des Sozialismus standen also keine Juden, sondern zunächst
einmal Franzosen und Engländer. Karl Marx war zwar jüdischer Herkunft, doch
schon in zweiter Generation protestantisch getauft. Friedrich Engels stammte
ebenfalls aus einer protestantischen Industriellenfamilie. Und ihre
kommunistische Gesellschaftstheorie hat mit jüdischer Religion oder
jüdischer Tradition nicht viel gemein. Sie geht davon aus, dass die
Menschheitsgeschichte eine Geschichte von Klassenkämpfen ist, in denen sich
unterdrückte Menschen bzw. Klassen in Revolutionen durchsetzen. Zuletzt in
der Französischen Revolution, in der sich das Bürgertum gegen den Adel
durchsetzte und zur neuen herrschenden Klasse wurde. Seine Macht stützt sich
seither auf das Privateigentum als Produktionsmittel und beutet die
Arbeitskraft der besitzlosen Massen aus. Das sollte geändert werden: in
einer letzten Revolution, in der die Arbeiterschaft die Macht übernimmt, die
Produktion vergesellschaftet und so die letztendlich klassenlose
Gesellschaft etabliert. Der Pariser Politologe und Sozialismus-Forscher Enzo
Traverso hierzu:
Enzo Traverso, französisch
Zitator:
Im Westen gab es zu dieser, aber auch zu späterer Zeit keinen jüdischen
Sozialismus. Der trat erst wesentlich später im zaristischen Russland auf.
Erst Ende des 19. Jahrhunderts. In Westeuropa gab es Sozialisten, und die
Mehrheit von ihnen war nicht jüdisch. Einige von ihnen setzten sich zwar
zusammen mit den Liberalen für die „jüdische Frage” ein. Sie plädierten im
Rahmen ihres Einsatzes für die Gleichheit Aller auch für die Emanzipation
der Juden. Aber einen wirklich jüdischen Sozialismus, etwa als Partei oder
als spezifische Ideologie, gab es nicht.
Sprecher:
Andere Vertreter sozialistischer Gedanken und Gesellschaftstheorien waren
sogar antijüdisch eingestellt und bekämpften Kirche und Judentum
gleichermaßen. So etwa der legendäre Pierre Joseph Proudhon. Erstaunlich ist
jedoch, dass die These vom „jüdischen Wesen des Marxismus und Sozialismus”
bereits Mitte des 19. Jahrhunderts in Umlauf kam. Mitverantwortlich dafür
war der 1812 geborene jüdisch-sozialistische Publizist Moses Hess. Er
verkündete, dass Sozialismus für die Juden gleichzeitig höchste Religion und
höchste Wissenschaft sei. Und auch Friedrich Engels, der Marximus von Anfang
an mit „radikalem Christentum” gleichsetzte. Ernst Nolte:
SOZIALISTEN SIND RELIGIÖSE (engels)
Ernst Nolte:
Das ist ja auch früh gesehen worden. Engels hat ja zum Beispiel nicht das
Judentum, sondern das Christentum mit dem Sozialismus in Verbindung
gebracht. Wir Sozialisten sind sozusagen die modernen, gegenwärtigen
Christen. Es geht vieles ab davon, aber im Kern sind wir das.
Sprecherin:
Dieser Vergleich, der von Theoretikern und Befürwortern des Marxismus
vielleicht auch bewusst eingesetzt wurde, um Interesse zu wecken, fand
offensichtlich auch bei jüdischen Wissenschaftlern schnell Gefallen. Wie
etwa der Vortrag „Das jüdische Element in der Weltliteratur” des
Kulturhistorikers Arthur Sakheim aus dem Jahr 1924 bezeugt.
Zitator:
Die Seele des Judentums liegt natürlich irgendwie im Marxismus. Urelementare
Kräfte führen von unseren Propheten her, von Jesaja zu Marx, dem Exegeten
und Talmudisten der Soziologie, seinen Konstruktionen, seinem großzügigen
Hilfswerk. Aber eine innere Beziehung zum Judentum hatten die Altmeister des
Sozialismus und Kommunismus nicht.
VOM RELIGIÖS-UTOPISCHEN ZUM WELTLICH-MESSIANISCHEN SOZIALISMUS (walter)
Sprecher:
Fortan sprach man nicht mehr vom „utopischen” Frühsozialismus, sondern vom
„messianischen” Sozialismus; Kommunismus und Bolschewismus mit inbegriffen.
Der deutsch-jüdische Religionsphilosoph und Dichter Martin Buber bezeichnete
den Sozialismus als „weltlichen Messianismus”.
Sprecherin:
Für den 1982 in Jerusalem verstorbenen Berliner Talmudgelehrten und
Judaisten Gerschom Scholem sind all diese Vergleiche jedoch sehr
problematisch. Sicher wird auf den ersten Blick im theoretischen Kommunismus
- wie im jüdischen und christlichen Glauben - eine materiell sehr konkrete
Erlösung der Menschheit angestrebt. Die Menschheitsgeschichte wird als
Entwicklung hin zu dieser Erlösung betrachtet. Eine Art Eschatologie – die
nach der letzten Apokalypse – nämlich der Revolution des Proletariats –
einen paradiesischen Endzustand einleitet: die letztendliche Aufhebung aller
Klassenunter-schiede. Diese Art Erlösung - so Gerschom Scholem- hat jedoch
bei näherer Betrachtung mit jüdischem Messianismus nichts zu tun.
DER JÜDISCHE MESSIANISMUS = NICHT APOKALYPTISCH, KONSERVATIV, RÜCKKEHREND
>WIEDERHERSTELLEND (scholem)
Sprecher:
Der jüdische Messianismus ist - so Scholem - mehr noch als der christliche,
erzkonservativ. Weil restaurativ. Und nicht apokalyptisch. Erlösung im
jüdischen Sinne ist: Wiederherstellung. Eine Rückkehr zum Reich Gottes. Dank
eines Messias. Doch der kommt nur, wenn folgende Grundaufgaben von den
Menschen – und ganz besonders vom jüdischen Volk erfüllt werden: das immer
tiefere Eindringen in den Sinn der fünf Bücher Moses, das heißt, in das
Studium der Thora. Das strikte Einhalten jahrhundertealter, also zeitlos
ewiger Gesetze. Und schließlich das Gebet, das die an Gott gerichteten Worte
in Andacht „aufschmilzt“ und in spirituelle Kraft verwandelt.
MESSIANISCHE WERKZEUGKISTE: MOSES 1-5, THORA, EWIGE GESETZE, GEBET >
TRANSZENDENZ (walter)
Sprecherin:
Für Scholem stellt sich deshalb die Frage, ob dort, wo Metaphysik und
Gottesbezug fehlen, überhaupt von Messianismus gesprochen werden kann.
Sicher: Wo politische Heilslehren traditionelle Religionen ersetzen und sich
zum höchsten Gut aufschwingen, zum „summum bonum“, wird gerne von
„politischen Religionen“ gesprochen. Doch für einen tief religiösen Menschen
wie Gerschom Scholem sind weltliche Heilslehren antireligiös, weil sie
jeglichen Bezug auf die Transzendenz ablehnen. Von daher reihte er
politische Systeme wie den Kommunismus in die Tradition europäischer
Staatsutopien ein, unter jene Philosophien, die mit kritischer Sicht auf die
Gegenwart einen Idealzustand der menschlichen Gesellschaft, entwarfen.
Nämlich durchorganisierte, perfekt funktionierende Lebensgemeinschaf-ten.
Dazu zählen etwa die Schrift „Christianopolis” des protestantischen
Theologen Valentin Andreae, der von 1586 bis 1654 lebte, und die „Utopia”
des englischen Lordkanzler Thomas Morus, der 1555 dafür auf dem
Scheiterhaufen verbrannt wurde.
BÜRGER -SICHERHEIT, -WOHLERGEHEN, -IDENTITÄT >UTOPISCHE URGEMEINSCHAFT =
TOTALITÄRE REALITÄT (walter)
Sprecher:
Diese und andere Utopien haben eines gemeinsam: Sie sind eine Antwort auf
einen Philosophenstaat, wie ihn Platon in seiner „Politeia” konzipiert hat.
Es handelt sich um „vom Menschen” geschaffene Staatsformen, die, von der
Idee einer idealen Urgemeinschaft ausgehend, eine neue, ebenso perfekte
Gesellschaft entwerfen. Eine Gesellschaft, die am Ende ihrer Entwicklung
keinen Veränderungen mehr ausgesetzt ist, die ihren Bürgern Sicherheit,
Wohlergehen und Identität bietet - aber zum Preis einer totalitären
Realität, die alles ausschaltet, was anders ist, als sie selbst. Der
Kommunismus als „konkrete Utopie“ einer perfekt funktionierenden politischen
Ökonomie würde dem entsprechen...
Sprecherin:
Das mit der Emanzipation der Juden entstehende jüdische Bürgertum wuchs ab
1800 in Westeuropa in eine Moderne hinein, die viele Gesichter hatte: Sie
war bürgerlich, adlig, industrialisiert und liberal zugleich, hatte aber
auch revolutionär-aufgeklärte und sozialistische Züge. Darum strebte dieses
jüdische Bürgertum vor allem nach „bürgerlicher” Freiheit. Und seine Namen
waren in allen Gesellschaftsschichten vertreten: in sozialistischen Kreisen
zum Beispiel Moses Hess und in romantisch-konservativen der 1812 geborene
deutsch-jüdische Dichter Berthold Auerbach. In adeligen Kreisen Henriette
Herz, eine Begründerin der frühromantischen Berliner Salonkultur und im
Großunternehmertum der Hamburger Reeder Albert Ballin, dem es zu verdanken
ist, dass Hamburg im späten 19. Jahrhundert zum größten Hafenplatz der
Vorkriegswelt aufstieg. Die Juden Osteuropas lebten dagegen in
Vielvölker-Imperien wie dem Russischen Reich, in dem sie, wenn überhaupt,
nur einen stark eingeschränkten rechtlichen Status besaßen, der weder
Emanzipation noch Verbürgerlichung zuließ.
Enzo Traverso, französisch
Zitator:
Im Zaristischen Reich verläuft die Säkularisierung und Modernisierung der
Jüdischen Welt ganz anders. Sie verläuft nicht über eine langwierige, aber
kontinuierliche sprachliche, kulturelle und politische Assimilation oder
Integration. Hier in Russland ist es sozusagen das Ghetto, das sich mit
Alexander II. schlagartig öffnet. Die Mauern des Ghettos fallen per Dekret
und die jüdische Welt steht von jetzt auf nachher außerhalb ihrer Glaskugel.
Und darum produzierte dieser Modernisierungs-prozess auch etwas vollkommen
Neues. Nämlich die „Jiddischkeit” als Ausdruck der Geburt einer jüdischen
Nation - im modernen Sinn des Wortes.
JIDDISCHKEIT (JÜDISCHE NATION/ALISMEN) = SOZIALISTISCH (kremer...)
Sprecher:
Und diese Jiddischkeit war von Anfang an sozialistisch. Als der
russisch-jüdische Politiker Arkadi Kremer 1890 mit dem ersten politischen
Pamphlet an die jüdische Öffentlichkeit trat, tat er das in jiddischer
Sprache – mit dem „Briv tsu di Agitatoren”, seinem „Brief an die
Agitatoren”. Hierin beklagte er die zunehmende Verelendung der Arbeiter und
forderte die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit der Juden im Russischen
Reich, sowie die Anerkennung einer jüdisch-nationalen Identität. Ein
wichtiger Schritt war getan. Mit dem Slogan „in die Gassen zu die Massen”
kam es 1897 zur Gründung der ersten wirklich jüdisch-sozialistischen Partei
der Welt - dem BUND.
DER TÖDLICHE WIDERSPRUCH ZWISCHEN JIDDISCHKEIT UND MARXISMUS (walter)
Sprecherin:
Den Bolschewismus gab es damals noch nicht. Aber als die russischen Juden
ihren politischen Kampf aufnahmen, waren die Fundamente des
wissenschaftlichen Sozialismus längst gelegt – das Kommunistische Manifest
war 1848 in Deutschland erschienen, und so ließen sie sich von diesem
„durchdachten” Marxismus inspirieren. „Es schlägt die Stunde und wir sind
da“, sangen die osteuropäischen Juden damals. Nicht ahnend, mit wie vielen
Widersprüchen und ideologischen Verstrickungen sie noch zu kämpfen haben
würden und wie tragisch dieser letzte Integrationsversuch scheitern wird.
Einmal, weil sie in den Gaskammern der deutschen Nationalsozialisten
ermordet werden, aber auch, weil es ihnen nicht gelingt, den tiefen
Widerspruch zwischen Judentum und Marxismus aufzulösen.
Musik:
Zitator:
Es schlägt die Stund’ und wir sind da - wir schauen in die Weiten. - Sieh’,
es wird der Himmel wieder klar - es kommen neue Zeiten! Selbst wenn es jetzt
noch dunkelt - wir erwarten mit Geduld - den Tag, an dem es funkelt und die
Stunde naht - in der der blutig Schuldige seiner Strafe harrt.
Musik:
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NACHSCHAU
Anat Kalman: Mythos "Jüdischer Bolschewismus" - Liberal, religiös, sozial:
Die Politik des "Bundes" swr2 am 3.3. um 8:30 Uhr
1897 wurde in der damals noch russischen Stadt Wilna der "Bund" gegründet,
eine international ausgerichtete, sozialistisch-jüdische Arbeiterbewegung.
Noch in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zählte er 44.000 Mitglieder.
Ein Zehntel der russischen und polnischen Juden gehörten ihm an. Er verstand
sich als liberale, religiöse und soziale Bewegung und wirkte gleichzeitig
als Gewerkschaft und jiddische Kulturbewegung. Sein Ziel war die Integration
der Juden als europäische Kulturnation. Diese eigenartige,
politisch-kulturelle Gruppierung geriet in der ersten Hälfte des vergangenen
Jahrhunderts zwischen die sich etablierenden sozialistischen Strömungen in
Europa, der demokratisch-parlamentarischen Sozialdemokratie im Westen und
dem Bolschewismus im Osten, und wurde schließlich aufgerieben. Mitglieder
des "Bundes" waren auch nach der Auflösung 1940 in Polen noch aktiv, vor
allem in Widerstandsgruppen in den von den Nationalsozialisten
eingerichteten Ghettos. |